MAGDEBURG. Nach der Berichterstattung über einen angeblichen Hitlergruß hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze den Rücktritt des AfD-Landeschefs Martin Reichardt gefordert. „Ein Hitlergruß ist ein Bekenntnis, kein Ausrutscher. Wer so etwas zeigt, hat in einem Parlament nichts verloren“, sagte der Christdemokrat.
Mit Blick auf den AfD-Spitzenkandidaten für die anstehenden Landtagswahlen, Ulrich Siegmund, forderte Schulze, dieser solle „heute zeigen, ob er Führung kann: Ausschluss, Rücktritt, klare Kante“. Alles andere sei „Billigung, es ist Zustimmung und Nazi-Bekenntnis“. Die Bürger würden „eine klare Antwort auf die Frage haben, ob sie solche Gesten in Zukunft hier bei uns dulden wollen oder nicht“.
AfD: Ritterschlag statt Hitlergruß
Am Mittwoch hatten der Politico-Podcast „Inside AfD“ und die Welt berichtet, Reichardt habe 2020 auf einem Privatgrundstück vor Parteifreunden den Hitlergruß gezeigt. Auf einem Foto ist zu sehen, dass Reichardt seinen linken Arm nach vorne streckt. Vor ihm kniet der Chefarzt Markus Motschmann, der Reichardt einen Zettel entgegenhält. Zwei Zeugen sollen geschildert haben, Motschmann habe Reichardt mit „Mein Führer“ angesprochen.
Gegenüber der JUNGEN FREIHEIT sagte Motschmann am Donnerstag, er habe bei einem Grillfest einen Mitgliedsantrag ausgefüllt. Der stellvertretende AfD-Landesvorsitzende Hans-Thomas Tillschneider habe die Idee gehabt, daraus ein Ritual zu machen. Reichardt habe gesagt, er wolle den Antragsteller aus Scherz zum Ritter schlagen. „Ich habe mich mit meinem Mitgliedsantrag hingekniet, und Reichardt hat mich mit einem imaginären Schwert zum Ritter geschlagen.“
Auch Reichardt sprach von einem Ritterschlag. Diesen habe er auf humoreske Weise erteilt, da Motschmanns Mitgliedsantrag vom AfD-Bundesvorstand um Jörg Meuthen abgelehnt worden sei. Laut Welt könne das so nicht stimmen, da der Bundesvorstand den Antrag erst später zurückwies. Reichardt bezeichnete den Vorgang am Mittwoch im Bundestag als „eine von der Presse künstlich aufgebaute Unsinnskampagne“. Er habe „in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo einen Hitlergruß gezeigt“.
Es ist völlig abstrus, was sich die politischen Gegner inzwischen einfallen lassen, um die AfD zu diskreditieren: Martin Reichardt (AfD) macht kurzen Prozess mit diesem CDU-Mann. pic.twitter.com/KhepI0atoP
— AfD (@AfD) June 24, 2026
Auch Grüne und Linke sind empört
Unterdessen forderte auch Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz Reichardt zum Rücktritt auf: „Ein Hitlergruß ist kein Ausrutscher und kein schlechter Scherz. Wer sich als Parteivorsitzender und Bundestagsabgeordneter derart verhält, ist für politische Ämter in Deutschland untragbar.“
Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag von Sachsen-Anhalt, Eva von Angern, unterstrich, die AfD zeige ihr wahres Gesicht: „Partei- und Fraktionsführung sind offen rechtsgesinnt und adaptieren Handlungen aus dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte, aus der Zeit des deutschen Faschismus.“
Bereits am Mittwoch hatten CDU-Bundestagsabgeordnete Reichardt während einer Rede im Parlament auf den Bericht des Politico-Podcast angesprochen und zum Rücktritt aufgefordert. „Wer den Hitlergruß zeigt, hat im Bundestag nichts zu suchen“, schrieb der CDU-Parlamentarier Hendrik Hoppenstedt anschließend auf LinkedIn. Der Sachsen-Anhalter CDU-Abgeordnete Sepp Müller unterstrich, es bestätige sich, „dass der Unvereinbarkeitsbeschluss gegenüber AfD und Linken richtig ist“.
AfD gibt Reichardt Rückendeckung
Aus der eigenen Partei bekommt Reichardt derweil Rückendeckung. Spitzenkandidat Siegmund teilte bei X eine Stellungnahme der Landespartei, in der von einer „Schmutzkampagne“ die Rede ist. Die Partei bringt den Vorgang in Zusammenhang mit dem ehemaligen Generalsekretär des Landesverbandes, Jan Wenzel Schmidt.
Dieser war im März wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft aus der AfD-Bundestagsfraktion ausgeschlossen worden (JF berichtete). Die AfD Sachsen-Anhalt schreibt nun, das einzige Berichtenswerte an dem Vorgang mit Reichardt sei, „dass dieses Bild auf einer privaten Grillfeier gemacht wurde, zu der der ehemalige Generalsekretär geladen hatte, also jene Person, die Ende letzten Jahres gedroht hatte, der Partei mit einer Schmutzkampagne zu schaden“.
Auch der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke stellte sich hinter Reichardt. „Das kommt davon, wenn man nur von heute bis 1933 denken kann“, schrieb er bei X mit Blick auf die Medienberichterstattung. „Ein wirklich vorbildlicher Ritterschlag, Martin!“ (ser)





