BERLIN. Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat das Interview des Generalsekretärs ihrer Partei, Martin Hagen, mit der JUNGEN FREIHEIT kritisiert. „Die JF ist für mich No-go-Terrain“, sagte sie dem Spiegel. Demnach steige damit die Gefahr der „Normalisierung“ der AfD. „Es gibt für mich Grenzen der Kommunikation.“ Leutheusser-Schnarrenberger war unter CDU-Kanzlerin Angela Merkel von 2009 bis 2013 Justizministerin und wird dem linken Flügel der FDP zugerechnet.
Der Spiegel selbst verstieg sich in dem Artikel über Leutheusser-Schnarrenbergers Kritik zu der Behauptung über die JF: „Wer ihr ein Interview gibt, durchbricht eine publizistische Brandmauer.“ Hagen hielt in dem Beitrag mit folgendem O-Ton dagegen: „Die JF ist politisch klar rechts, aber nach meinem Eindruck weder unseriös noch verfassungsfeindlich.“

Dagegen lobte ihre Parteikollegin und FDP-Präsidiumsmitglied Susanne Seehofer das Gespräch. „Wir müssen gerade in einer Zeit, in der Populisten Zulauf haben, unsere Echokammern verlassen“, betonte sie. „Nur jenseits der eigenen Bubble wird es gelingen, wieder mehr Menschen von unserer liberalen Demokratie zu überzeugen.“ Hagen selbst verteidigte das Interview mehrfach auf dem Kurznachrichtendienst X. „Politische Kultur wird nicht in Safe Spaces verteidigt, sondern in der Auseinandersetzung mit Andersdenkenden“, hatte er vergangene Woche geschrieben.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert FDP-Generalsekretär @_MartinHagen für sein Interview in @jungefreiheit. Wir seien ein „No-go-Terrain“, sagt sie dem „Spiegel“. Es gebe „Grenzen der Kommunikation“. Wir meinen: Demokratie bedeutet offene Debatte. Von Links bis Rechts. pic.twitter.com/sRra6hu7IK
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) June 24, 2026
FDP-Generalsekretär erteilte AfD eine Absage
Nach dem Gespräch hatte Ex-Staatssekretärin und Philosophin Sabine Döring ihre Teilnahme an einer Diskussion der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung abgesagt (JF berichtete). „Aus meiner Sicht ist damit jedoch ein Debattenraum gewählt, der nicht mehr derjenige ist, in dem ich als Wissenschaftlerin und Liberale mitwirken möchte“, schrieb sie auf X. Hagen antwortete: „Schöner hätte man meine These von der grassierenden Diskursunfähigkeit nicht belegen können.“
„Ich möchte nicht mit jemandem reden, der mit jemandem geredet hat, den ich nicht mag.“
Schöner hätte man meine These von der grassierenden Diskursunfähigkeit nicht belegen können, Frau Döring! 🎯 https://t.co/Q5iTMGCKlx
— Martin Hagen (@_MartinHagen) June 18, 2026
Er selbst hatte in seinem JF-Interview unter anderem beklagt, man hätte „insbesondere in den Merkel-Jahren“ verlernt, miteinander zu streiten. „Schlimmer noch, wir verstehen Disput inzwischen sogar als eine Gefahr für die Demokratie, anstatt als das, was er wirklich ist, nämlich deren Wesenskern.“ Gleichwohl erteilte er einer Zusammenarbeit mit der AfD eine Absage. „Eine Partei, in der völkische und anti-westliche Ideologen den Ton angeben, ist für die FDP kein potentieller Partner.“

Dem Gespräch war ein Machtkampf beim Bundesparteitag der Freien Demokraten vorausgegangen. Der neue FDP-Chef Wolfgang Kubicki hatte sich mit knapp 60 Prozent der Delegiertenstimmen gegen die EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann durchgesetzt. Letztere hatte davor gewarnt, die Partei nicht nach rechts zu verschieben. (kuk)






