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Anja Arndt, AfD

Kontaktschuld: Der Debatte entzogen

Kontaktschuld: Der Debatte entzogen

Kontaktschuld: Der Debatte entzogen

Sabine Döring (l.) und Martin Hagen: Keine Debatte unter dieser Nummer. Fotos: picture alliance/dpa | Daniel Karmann /// picture alliance/dpa | Jörg Ratzsch
Sabine Döring (l.) und Martin Hagen: Keine Debatte unter dieser Nummer. Fotos: picture alliance/dpa | Daniel Karmann /// picture alliance/dpa | Jörg Ratzsch
Sabine Döring (l.) und Martin Hagen: Keine Debatte unter dieser Nummer. Fotos: picture alliance/dpa | Daniel Karmann /// picture alliance/dpa | Jörg Ratzsch
Kontaktschuld
 

Der Debatte entzogen

Die Philosophin und Publizistin Sabine Döring will nicht mehr mit FDP-Generalsekretär Martin Hagen debattieren, weil er der JUNGEN FREIHEIT ein Interview gibt. Besser hätte sie Hagens These, dass wir verlernt haben zu streiten, nicht bestätigen können. Der ohnehin schon polarisierten Gesellschaft tut man mit solchen Manövern keinen Gefallen. Ein Kommentar von Henning Hoffgaard.
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Nein, Sabine Döring hat keine Lust auf eine Debatte mit FDP-Generalsekretär Martin Hagen. Nicht etwa, weil sie ihn persönlich nicht ausstehen kann oder seine politische Einstellung anrüchig findet. Sondern weil er der JUNGEN FREIHEIT ein Interview gegeben hat. Die Professorin, Philosophin und gescheiterte Staatssekretärin sagt deswegen eine Debatte mit Hagen bei der Friedrich-Naumann-Stiftung ab.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Martin Hagen

„Aufgrund der eindeutigen politischen Positionierung der JUNGEN FREIHEIT habe ich meine Teilnahme an einem gemeinsamen Podium im Rahmen der Horber Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung abgesagt“, lässt sie wissen. Aus ihrer Sicht habe Hagen einen „Debattenraum gewählt, der nicht mehr derjenige ist, in dem ich als Wissenschaftlerin und Liberale mitwirken möchte“. Mit der Absage will sie „Wählerinnen und Wähler“ dazu bringen, sich vom FDP-Generalsekretär abzuwenden.

Besser hätte Hagens Kritik gar nicht bestätigt werden können

Mal abgesehen davon, dass Döring ihren Einfluss auf die Wähler offensichtlich maßlos überschätzt, zeigt es doch, woran diese Gesellschaft krankt: dass man verlernt hat zu streiten. Ironischerweise ist es genau das, was Hagen im Interview – das die meisten, die sich darüber echauffieren, wohl gar nicht gelesen haben dürften – kritisiert. Döring hat kein anderes Argument als Kontaktschuld. Ziemlich merkwürdige Einstellung für eine „Wissenschaftlerin“.

Auch andere FDP-Politiker haben der JF übrigens schon Interviews gegeben oder schreiben ab und an Gastbeiträge. Es war der FDP-Politiker Alexander von Stahl, der diese Zeitung erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht vertreten und dabei einen spektakulären und wegweisenden Erfolg errang. Und dennoch kritisieren wir die FDP immer auch wieder scharf. Auch den neuen Parteivorsitzenden Wolfgang Kubicki zum Beispiel. So ist das halt in einem Land, für dessen politisches System die Presse- und Meinungsfreiheit konstitutiv ist.

Warum sollte die FDP AfD-Wähler nicht ansprechen dürfen?

Die FDP befindet sich in einer existenziellen Krise. Sie hat, wie auch SPD und Union, in den vergangenen Jahren viele Wähler an die AfD verloren. Allein bei der Bundestagswahl 2025 kehrten fast 900.000 Wähler den Liberalen den Rücken und machten ihr Kreuz bei den Blauen. Es wäre aus Sicht der FDP politischer Kamikaze, nicht wenigstens zu versuchen, diese Menschen zurückzugewinnen. Wahlen werden in einer Demokratie mit Stimmen gewonnen, nicht mit „Haltungen“ und wohlfeilen Selbstversicherungen. Das nicht zu erkennen oder wahrhaben zu wollen, ist in Deutschland, gerade in den akademischen Elfenbeintürmen, weit verbreitet – und ein Grund dafür, dass Diskurshoheiten verloren gingen.

Der JUNGEN FREIHEIT wird nachgesagt, dass sie von Menschen gelesen wird, die AfD-affin sind. Und höchstwahrscheinlich ist das auch so. Wir berichten viel über die AfD, auch über die Sachpolitik der Partei. Weil viele andere Medien es eben nicht machen. Oft genug wird uns das vorgeworfen und als Grund genannt, bloß keine Interviews zu geben. Das muss auch niemand, Pressefreiheit ist ja kein Pressezwang.

Ansonsten zerfällt die Gesellschaft

Wenn allerdings zugleich wieder und wieder und wieder geradezu verzweifelt beklagt wird, AfD-Wähler seien für die anderen Parteien gar nicht mehr erreichbar, wäre es ja vielleicht ganz sinnvoll, mit einem Medium zu sprechen, dem genau das nachgesagt wird. Oder will man ganz grundsätzlich fast 30 Prozent der Wähler ignorieren? Hoffend, dass sich die tiefe Krise der etablierten Parteien schon irgendwie wie von Zauberhand lösen wird? Bisher hat das nicht sonderlich gut funktioniert.

Es läge ja gerade im Interesse von CDU, CSU, SPD und Co., mit konservativen oder rechten Medien ins kritische Gespräch zu kommen. Sonst bespielt man am Ende nur noch die immer kleiner werdende Blase der eigenen Leute. Im Ergebnis fragmentiert sich die durch innere und äußere Krisen schon polarisierte Gesellschaft immer weiter – bis sie irgendwann unregierbar wird.

Wer Debatten verweigert, führt irgendwann Selbstgespräche

Dörings Absage der Podiumsdiskussion wird nun vor allem von jenen beklatscht, die ohnehin nicht im Verdacht stehen, der FDP irgendetwas zu gönnen. Viele haben sich diebisch gefreut, als die Partei aus dem Bundestag flog. Bevor die AfD gegründet wurde, war die FDP das Lieblingsziel der vermeintlich Guten und Anständigen.

Martin Hagen hat die AfD im Interview scharf angegriffen und wir haben immer wieder kritisch insistiert, ob der Weg, den er sich für seine Partei vorstellt, am Ende denn wirklich erfolgreich sein kann. So funktioniert Journalismus. Fragen, nachhaken, aber dann auch zuhören. Vielleicht wäre es ja schon ein Anfang, Hagen einfach mal zuzuhören und auf das, was er sagt, und man nicht teilen muss, einzugehen. Sabine Döring verweigert sich dem, und das ist ihr gutes Recht. Sie muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn auch ihr immer weniger Menschen zuhören und sie irgendwann nur noch Selbstgespräche führt.

Sabine Döring (l.) und Martin Hagen: Keine Debatte unter dieser Nummer. Fotos: picture alliance/dpa | Daniel Karmann /// picture alliance/dpa | Jörg Ratzsch
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