BERLIN. In der FDP und dem Umfeld der Partei ist ein hitziger Streit über die Grenzen der Gesprächsbereitschaft ausgebrochen. Hintergrund ist ein Interview des seit diesem Jahr amtierenden FDP-Generalsekretärs Martin Hagen mit der JUNGEN FREIHEIT. Die Philosophin Sabine Döring – von 2023 bis 2025 von der damaligen Bundesfamilienministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) als Staatssekretärin angestellt – schrieb mit Blick auf Hagens Interview auf X, sie werde deshalb nicht an einer gemeinsamen Podiumsdiskussion mit ihm teilnehmen. „Selbstverständlich“ stehe es jedem frei, der JF Interviews zu geben, jedoch sei damit „ein Debattenraum gewählt, der nicht mehr derjenige ist, in dem ich als Wissenschaftlerin und Liberale mitwirken möchte“.
Aufgrund der eindeutigen politischen Positionierung der @jungefreiheit habe ich meine Teilnahme an einem gemeinsamen Podium im Rahmen der Horber Akademie der @FNFreiheit abgesagt.
Selbstverständlich steht es jeder und jedem frei, dort Interviews zu geben. 1/2 https://t.co/mTZcauWqDw
— Sabine Döring (@sabinedoering) June 18, 2026
Hagen reagierte gelassen. „Ich möchte nicht mit jemandem reden, der mit jemandem geredet hat, den ich nicht mag“, schrieb Hagen und fügte an: „Schöner hätte man meine These von der grassierenden Diskursunfähigkeit nicht belegen können, Frau Döring.“
FDP-Landesvize unterstützt Döring
Unterstützung bekam Döring hingegen vom stellvertretenden Landesvorsitzenden der FDP Schleswig-Holstein, Helmer Krane. Er schrieb auf X, gerade Liberale seien „selbst verantwortlich für die eigenen Grenzen“. Kritik an ihrer Absage sei „optional“. Jedoch brauche es auch Respekt für die persönliche Entscheidung des Einzelnen, mit wem man reden möchte – und mit wem nicht.
Anders sieht das der Hamburger FDP-Landesvorstand Gert Wöllmann. Der teilte auf X einen Beitrag, der betonte, er könne Dörings Entscheidung nicht nachvollziehen, jedoch sei das bei ihr auch „nicht das erste Mal“.

Der Publizist Frédéric Schwilden verteidigte Hagen und sein Gespräch mit dieser Zeitung. Er finde es „super, dass Martin Hagen in der JUNGEN FREIHEIT sagt, warum die AfD ein Witz ist. Genau das sollte jeder Politiker tun“. Politiker sollten „dort hingehen, wo die Leute anders denken, und sie so vielleicht überzeugen“, forderte Schwilden auf X.
Auch der FAZ-Journalist Philip Plickert kritisierte Döring für ihre Ankündigung, an der Podiumsdiskussion mit Hagen nicht teilzunehmen. Damit bestätige sie Hagens These, wonach die FDP das Streiten verlernt habe. (st)






