UELZEN/BERLIN. Die Hautkrebspatientin Silvia Dronsch hat ein Schreiben aus dem Büro von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erhalten, nachdem sie von ihm eine Entschuldigung eingefordert hatte. Der Brief enthielt eine Autogrammkarte von Merz, sowie eine persönliche Widmung, in der ihr „alles Gute“ gewünscht wird. Ein weiteres Schreiben an Dronsch wünscht ihr „Zuversicht“ und „Kraft“, wie die Allgemeine Zeitung berichtet.
Hintergrund ist eine Äußerung des Bundeskanzlers vom Mai dieses Jahres, die für massive Empörung gesorgt hatte (JF berichtete). Bei einem Bürgerdialog im sachsen-anhaltinischen Salzwedel hatte sich Dronsch zu Wort gemeldet und Merz gesagt, dass sie Hautkrebs im höchsten Stadium habe. „Ich habe Ihnen eine Einladung zu meiner Beerdigung zukommen lassen“, sagte sie dem Regierungschef. Sie habe massive finanzielle Schwierigkeiten, sich ihre Bestattung leisten zu können.

Sie habe kein Verständnis dafür, dass die Bundesregierung Einsparung im Gesundheitssystem vornehme, zugleich aber versucht habe, die eigenen Gehälter zu erhöhen. „Warum wird bei uns gespart, aber nicht bei der Politik“, wollte Dronsch von Merz wissen.
Merz-Plan treibt Ärzte auf die Barrikaden
Dieser reagierte schroff. „Zu keinem Zeitpunkt“, wie der Kanzler mehrfach wiederholte, sei „von irgendjemandem erwogen worden, die Bezüge der Mitglieder der Bundesregierung anzuheben. Zu keinem Zeitpunkt. Auch von mir nicht“. Alle gegenteiligen Aussagen seien falsche Behauptungen. An die Fragestellerin gerichtet betonte er: „Und ich wäre Ihnen einfach dankbar, wenn Sie das nicht einfach ungeprüft wiederholen.“
Tatsächlich lag die Fragestellerin mit ihrer Behauptung richtig. Vor etwa zwei Wochen berichtete die Bild-Zeitung über einen Gesetzesentwurf der Bundesregierung, Staatssekretären die Gehälter um knapp 40.000 Euro zu erhöhen. Weil daran auch das Gehalt des Bundeskanzlers gekoppelt ist, wäre auch das Gehalt von Merz gestiegen – um etwa 65.000 Euro pro Jahr. Nachdem die Pläne öffentliche Empörung ausgelöst hatten, distanzierte sich die Regierung von dem Vorhaben.
Die Pläne der Bundesregierung, Kürzungen im Gesundheitswesen vorzunehmen, sorgten am Mittwoch zu weitreichenden Ärzteprotesten. Allein in Hamburg blieben am Mittwoch vormittag etwa 1.000 Praxen geschlossen – das ist etwa ein Viertel aller Praxen in der Hansestadt, wie der NDR berichtete. (st)






