BERLIN. Der Sportmoderator Marcel Reif spielt mit dem Gedanken, im Fall einer AfD-Regierung Deutschland zu verlassen. Er habe sich in letzter Zeit häufiger gedacht: „Och, mit dem Schweizer Pass kann ich jederzeit wieder zurückgehen“, sagte er im Podcast „Zwischen den Zeilen“. Zugleich räumte Reif ein, dieser Gedanke sei „sehr, sehr resignativ“.
Mit Blick auf die aktuell hohen Umfragewerte der AfD sagte der Sportjournalist: „Vielleicht geht’s uns auch zu gut. Vielleicht ging’s uns allen zu lange zu gut.“ Möglicherweise sei daraus „eine Gleichgültigkeit gegenüber falschen Tendenzen und Strömungen“ entstanden, mutmaßte der 76jährige. Das erinnere ihn an die Weimarer Republik. Er warnte entschieden davor, die Forderungen der Rechtspartei zu belächeln. Die Haltung der AfD laute: „Euch wird das Lächeln schon noch vergehen.“
Unterdessen betonte Reif, dass nicht jeder AfD-Wähler ein Nazi sei. Gleichzeitig monierte er, dass bei vielen Bürgern „irgendein Quatsch“ verfange, der eigentlich als solcher erkennbar sein müsste. „Aber wir kriegen es nicht hin“, beklagte er.
Reif hofft auf die Jugend
Zugleich betonte der Moderator, dass ihm seine Arbeit mit Schulklassen Mut mache. Wenn er dort über den Holocaust spreche, hörten die Schüler zu „und nicht, weil sie müssen, und die stellen danach vernünftige Fragen“, lobte Reif. Er bläue den Jugendlichen regelmäßig ein: „’Niemand kann euch verantwortlich machen für das, was damals war, aber wenn es sich wiederholt, ist jeder Einzelne von euch schuldig, das sage ich euch, und ich werde euch finden!’“ Das zeige Wirkung. Reifs Fazit: „Es ist noch nicht alles verloren.“
Reif wurde 1949 im schlesischen Waldenburg als Sohn eines polnischen Juden geboren worden, der den Holocaust knapp überlebt hatte. Reif selbst erhielt 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft und gab daraufhin die deutsche auf. Er lebt in München. (st)






