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Portrait: Neuer Linken-Chef Luigi Pantisano: Die Masche Migration

Portrait: Neuer Linken-Chef Luigi Pantisano: Die Masche Migration

Portrait: Neuer Linken-Chef Luigi Pantisano: Die Masche Migration

Voraussichtlicher neuer Linken-Chef Luigi Pantisano
Voraussichtlicher neuer Linken-Chef Luigi Pantisano
Pantisano im Bundestag: „AfD: Rassisten und Faschisten“ Foto: Imago / Political-Moments
Portrait
 

Neuer Linken-Chef Luigi Pantisano: Die Masche Migration

Luigi Pantisano soll überraschend neuer Parteivorsitzender der Linken werden. Wer ist der linke Flügelstürmer, der gern die AfD beschimpft und mit dem keineswegs alle seiner Parteifreunde glücklich sind?
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Luigi Pantisano, Vizevorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, wird schon jetzt von jenen Kräften umringt, die aktuell die Parteikonflikte bestimmen: Die einen wollen angesichts seiner nun angekündigten Kandidatur zum Parteichef wissen, wie er es mit dem „Genozid“ und dem „antipalästinensischen Rassismus“ hält, die anderen fragen nach seiner Haltung zum „Antizionismus in Teilen der Linken“. Pantisano kommt aus der Anti-Wagenknecht-Linie: Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter Bernd Riexingers und forderte damals schon vehement Wagenknechts Parteiaustritt.

Pantisano: jünger, westlicher, migrantischer

Der studierte Architekt und langjährige Stadtplaner in Konstanz am Bodensee gehört der „Bewegungslinken“ an und ist Mitbegründer von „linkskanax“, einer Arbeitsgemeinschaft zur Repräsentation ausländischer Parteimitglieder – beides Organisationen, die für den „progressiven“, sprich identitätspolitischen, propalästinensischen und neolinken Teil der Partei stehen: „Die Linke ist in den letzten zwei Jahren jünger, westlicher, feministischer, aber auch migrantischer geworden. Und ich finde, da passe ich als Kandidat ganz gut rein“, lobt sich Pantisano. Dabei beschränkt sich seine „Migrationsgeschichte“ auf eine kurze Zeit im Kleinkindalter in Kalabrien, den weitaus längeren Teil hat er, geboren 1979 im schwäbischen Waiblingen, im beschaulichen Süddeutschland gelebt.

Porträts und Interviews betonen dennoch penetrant Pantisanos Herkunft: „Gastarbeiterkind“, „erster Vorsitzender der Linken mit Migrationsgeschichte“, „italienische Wurzeln“, „doppelte Staatsbürgerschaft“. Auch er selbst erklärt gegenüber der „Tagesschau“: „Ich bin in der Gastarbeiterfamilie groß geworden, habe italienische Eltern, Hauptschulabschluss, (musste) erleben, wie es ist, wenn die Politik auf Menschen herabschaut, wenn sie einen nicht sieht, nicht beachtet. Das ist, was mich politisch antreibt.“

In der Partei erfährt er für diesen Kurs, etwa bei Ines Schwerdtner und Heidi Reichinnek, große Sympathie. Als entsprechend hoch werden seine Chancen eingeschätzt, auf dem Parteitag im Juni neben Schwerdtner in die Doppelspitze gewählt zu werden, zumal es zur Zeit keinen weiteren männlichen Kandidaten gibt. Bei den Pragmatischen in der Linken wird das mitunter polterige Auftreten Pantisanos hingegen kritisch beäugt, insbesondere da man dank genau dieses Kurses bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg gerade erst mit nur 4,4 Prozent vor die Wand gefahren ist.

Beschwert, daß die Polizei AfD-Politiker schützt

Bereits in den Jahren vor seiner Kandidatur fiel Pantisano auf Kommunal- und Bundesebene auf und eckte auch an: Staatsschutzermittlung und Verurteilung rund um einen Hausfriedensbruch – er hatte sich für einen Podcast vorübergehend in einem besetzten Haus aufgehalten –, finanzielle Auslagen für Schwarzfahrer, Ordnungsrufe, unter anderem weil er im Bundestag AfD-Abgeordnete „Faschisten und Rassisten“ nannte. Auch hatte er sich öffentlich darüber beschwert, daß die Polizei AfD-Politiker schütze. 2020 scheiterte er knapp als OB-Kandidat in Konstanz, unterstützt von Grünen und SPD, gegen den CDU-Bewerber. 2025 gelang ihm der Einzug in den Bundestag.

Pantisano gilt der linken und bürgerlichen Presse als eher aufmüpfig, weniger ausgleichend als Nochvorsitzender Jan van Aken, der gesundheitsbedingt aufhört. Die Gemäßigten befürchten also möglicherweise zu Recht, dass sich mit Pantisano ein Streithammel in der Linken durchsetzt – wenn auch mit oder gerade aufgrund seiner „Migrationsgeschichte“.

Aus der JF-Ausgabe 18/26

Pantisano im Bundestag: „AfD: Rassisten und Faschisten“ Foto: Imago / Political-Moments
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