BERLIN. Die russische Regierung hat angekündigt, ab dem 1. Mai kasachische Öllieferungen über einen Strang der Druschba-Pipeline nach Deutschland zu stoppen. Das bestätigte der stellvertretender Premierminister Alexander Novak am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur „interfax“ bestätigt. Wegen „technischer Gründe“ werde das Öl über eine andere Route geliefert.
Nach russischen Angaben wurde die Entscheidung mit Kasachstan abgestimmt. Dessen Energieminister, Erlan Akkenzhenov, erklärte, dass im Mai kein kasachisches Öl über die Rohrleitung nach Deutschland fließen werde. Er vermutete, dass die Pipeline wegen ukrainischer Drohnenangriffe eine Störung erlitt.
Russland war bisher zuverlässiger Partner
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kündigte bereits am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel an, dass die Öllieferung ausbleiben werde. „Russland hat sich bisher zumindest in der Frage, was die Durchleitung kasachischen Öls betrifft, als zuverlässiger Partner erwiesen.“ Der Regierungschef ging bereits davon aus, dass der Grund für den Eingriff ein technisches Problem sei. „Ich hoffe, dass diese Zuverlässigkeit doch weiter Bestand hat.“
Das Rohöl fließt aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline durch Russland zur Raffinerie PCK. 2025 kamen 2,146 Millionen Tonnen Rohöl in Brandenburg an, was einem Anstieg von etwa 44 Prozent im Vergleich zu 2024 entsprach.
Die fehlende Lieferung werde rund 17 Prozent der Raffinerie-Kapazität betreffen. Nach Angaben des Mehrheitsgesellschafters der Raffinerie, Rosneft Deutschland, deckt die Anlage etwa 90 Prozent der Versorgung von Berlin und Brandenburg mit Benzin, Kerosin, Diesel und Heizöl. Derzeit steht das Werk unter deutscher Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur. Sie ist zudem ein wichtiger Kerosin-Lieferant für den Hauptstadt-Flughafen BER.
Linke fordern die Verstaatlichung der Raffinerie
Gegenüber der „dpa“ reagierte Rosneft Deutschland auf den Lieferstopp. „Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann.“
Ministerpräsident Woidke forderte, dass sich die Bundesregierung und die Bundesländer gemeinsam über die Energiesicherheit in Deutschland beraten. „Wir brauchen eine Ministerpräsidentenkonferenz von Bund und Ländern zur Energiekrise in Deutschland.“ Zudem wies er die Forderung der Brandenburger Linken zurück, Bund oder Land sollten Rosneft-Anteile an der Raffinerie übernehmen. Er wisse nicht, „wie eine Verstaatlichung der PCK-Raffinerie uns da helfen sollte“. (mas)






