GARBSEN. Ein Video, das die türkische Ditib-Moschee im niedersächsischen Garbsen ins Internet gestellt hat, sorgt für Entsetzen. Vor- und Grundschüler schießen mit Spielzeuggewehren aus Holz auf Feinde. Dabei schmücken sie ein vorgeblich erschossenes Kind mit einer Türkei-Fahne. Drei mit Kopftüchern bekleidete Mädchen trauern um den „Soldaten“.
Das hat zuerst der türkischstämmige Journalist Eren Güvercin auf X enthüllt. Auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung, der das Video vorliegt, berichtet darüber. Demnach sollen die Kinder die Schlacht von Çanakkale im Jahr 1915 nachgestellt haben. Die Bilder seien zum Jahrestag der Kämpfe am 18. März entstanden.
Die islamische Gemeinde in Garbsen soll die Aufnahmen selbst in sozialen Netzwerken veröffentlicht, inzwischen aber gelöscht haben. Güvercin schrieb zu den Screenshots auf X: „Krieg wird hier nicht als Katastrophe, sondern als heldenhaftes Abenteuer dargestellt.“ Was dort zu sehen sei, „muss uns als Gesellschaft zutiefst beunruhigen“.
Kinderspiel oder Indoktrination?
Diese Aufnahmen stammen aus einem aktuellen Video der #DITIB-Moschee in Garbsen. Vor wenigen Tagen fand dort anlässlich des Jahrestags der Schlacht von Çanakkale (Gallipoli) eine Aufführung von Kindern statt. Was dort zu sehen ist, muss uns als… pic.twitter.com/6RrwyNMJhK
— Eren Güvercin (@erenguevercin) March 23, 2026
Moschee: „Wertvoller Bestandteil früher Bildung“
Die Kinder könnten die „Grausamkeit des Krieges nicht reflektieren“ und würden „instrumentalisiert, um nationalistische Mythen zu reproduzieren“, schreibt Güvercin und ergänzt: „Kleinkinder Krieg spielen zu lassen und den ‚Märtyrertod‘ auf dem Schlachtfeld als religiöses Ideal darzustellen, hat in einer Bildungseinrichtung oder einem Gebetsraum nichts zu suchen.“
Dagegen wehrt sich die Ditib-Moschee. Die Auseinandersetzung mit historischen Ereignissen könne „durchaus ein wertvoller Bestandteil früher Bildung“ sein: Denn: „Sie stiftet eine kollektive Identität und bewahrt die Erinnerungen an historische Erfahrungen und kann zu moralischen Reflexionen anregen.“ Heißt: Die Kinder sollen mit der türkischen Identität großgezogen werden – nicht mit der des Landes, in dem sie geboren wurden und groß werden.

Auch der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli von der Ruhr-Universität Bochum bezeichnete die Kriegsspiele als politisch: „Kinder werden hier ganz klar für kriegsverherrlichende Propaganda instrumentalisiert“, sagte er der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Der Märtyrertod werde seiner Ansicht nach als begrüßenswert dargestellt. (fh)




