BRÜSSEL/CANBERRA. Die Europäische Union und Australien haben nach rund acht Jahren die Verhandlungen über ein umfassendes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Das haben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Australiens Premierminister Anthony Albanese in Canberra mitgeteilt.
Das Abkommen sieht vor, mehr als 99 Prozent der Zölle auf EU-Warenausfuhren nach Australien abzuschaffen. Unternehmen sollen dadurch jährlich rund eine Milliarde Euro einsparen.
Besonders profitieren könnten Branchen wie Maschinenbau, Chemie, Automobilindustrie und Landwirtschaft. Nach Angaben der Kommission könnten die Exporte in den kommenden zehn Jahren um bis zu 33 Prozent auf 17,7 Milliarden Euro pro Jahr steigen. Für einzelne Sektoren werden noch höhere Zuwächse erwartet, etwa bei Kraftfahrzeugen mit bis zu 52 Prozent und bei Molkereiprodukten mit bis zu 48 Prozent.
EU sieht große Chance für autobranche
Von der Leyen betonte, Brüssel wolle ihre Handelsbeziehungen gezielt diversifizieren, um Abhängigkeiten zu verringern. Hintergrund ist unter anderem die Zollpolitik der USA unter Präsident Donald Trump, die als zunehmend konfrontativ gilt. Neben wirtschaftlichen Aspekten vereinbarten beide Seiten auch eine engere Zusammenarbeit in Sicherheits- und Verteidigungsfragen. Geplant sind unter anderem Kooperationen gegen Cyberangriffe, hybride Bedrohungen und ausländische Einflussnahme. Australien ist für die EU derzeit der drittgrößte Handelspartner im asiatisch-pazifischen Raum.
Umgekehrt zählt die Union für Australien zu den wichtigsten Partnern nach China und Japan, spielt für Europa jedoch bislang nur eine untergeordnete Rolle. Die deutsche Automobilindustrie begrüßte das Abkommen. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, sprach von „erheblichen Chancen“ für exportorientierte Hersteller, die auf dem australischen Markt mit Konkurrenz aus China und Japan konfrontiert sind.
Das Abkommen muss noch rechtlich geprüft, übersetzt und von den Mitgliedstaaten sowie dem Europäischen Parlament ratifiziert werden. Ein konkreter Zeitpunkt für die Unterzeichnung steht daher noch nicht fest. Die Gespräche zwischen der Europäischen Union und Australien hatten 2018 begonnen, waren jedoch mehrfach ins Stocken geraten. 2023 scheiterten sie zunächst an Streitigkeiten über Agrarimporte. Erst in jüngster Zeit nahmen die Verhandlungen wieder Fahrt auf – auch vor dem Hintergrund wachsender handelspolitischer Spannungen mit den USA und geopolitischer Unsicherheiten im Indopazifik. (rr)






