ISLAMABAD/KABUL. Pakistan hat der Taliban-Regierung in Afghanistan den „offenen Krieg“ erklärt und mehrere militärische Ziele im Nachbarland angegriffen. Die pakistanische Luftwaffe bombardierte nach Regierungsangaben Einrichtungen in der afghanischen Hauptstadt Kabul, in Kandahar sowie in der Provinz Paktia.
„Unsere Geduld ist am Ende. Jetzt herrscht offener Krieg zwischen uns und euch“, schrieb Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif am Freitag im Onlinedienst X.
Informationsminister Attaullah Tarar bestätigte die Angriffe. Innenminister Mohsin Naqvi sprach von einer „angemessenen Reaktion“ auf eine „offene Aggression“ der Taliban. Reporter der Nachrichtenagentur AFP meldeten aus Kabul über Stunden hinweg Explosionen und Schußgeräusche. Auch aus Kandahar, dem Sitz von Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada, wurden Flugzeuggeräusche berichtet. Die Taliban-Regierung bestätigte die Angriffe, sprach jedoch von keinen Verletzten.
Afghanistan soll IS unterstützen
Zuvor hatten die afghanischen Streitkräfte nach Taliban-Angaben eine „breit angelegte“ Offensive gegen pakistanische Militäreinrichtungen im Grenzgebiet gestartet. Dabei seien 15 Außenposten eingenommen sowie „dutzende“ pakistanische Soldaten getötet worden. Weitere seien verletzt oder gefangengenommen worden. Das pakistanische Informationsministerium warf Kabul „unprovozierte“ Angriffe in der Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa vor. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatte Pakistan Luftangriffe im Grenzgebiet geflogen. Nach Angaben der UN-Vertretung in Afghanistan wurden dabei mindestens 13 Zivilisten getötet, die Taliban sprachen von 18 Toten. Islamabad erklärte hingegen, mindestens 80 afghanische Kämpfer seien ums Leben gekommen.
Auslöser der jüngsten Eskalation war nach pakistanischen Angaben ein Bombenanschlag auf eine schiitische Moschee in Islamabad vor zwei Wochen mit 31 Toten und mehr als 160 Verletzten. Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ reklamierte die Tat für sich. Islamabad wirft den Taliban dennoch vor, nicht entschieden genug gegen militante Gruppen vorzugehen, die von afghanischem Boden aus Anschläge in Pakistan verübten.
Seit der Machtübernahme der Taliban im August 2021 haben sich die Spannungen zwischen beiden Ländern verschärft. Bereits im vergangenen Oktober waren bei einwöchigen Gefechten im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet worden. Eine unter Vermittlung Katars und der Türkei vereinbarte Waffenruhe blieb ohne dauerhaften Erfolg. (rr)






