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Helden je nach Facon deuten

In der rätselhafterweise noch immer als „konservativ“ geltenden Welt ist Sven Felix Kellerhoff für zeitgeschichtliche Themen zuständig. Wie sich spätestens bei der fälschlich sogenannten „Hohmann-Affäre“ herausstellte: keine glückliche Besetzung. Hatte Kellerhoff sich doch mit seinem Ausflug in die politische Begriffsgeschichte unsterblich blamiert, als er den verblüfften Lesern die These präsentierte, wer vom jüdischen Volk rede, der sei „Rassenantisemit“ (Die Welt vom 14. November 2003). Nur andere Geschichtsblinde wie jener Panorama-Redakteur, der uns weismachen wollte, vom „Versailler Diktat“ zu reden, sei zu Weimarer Zeiten ein Ausweis von „Rechtsradikalität“ gewesen, durften aus solchen Blamagen Trost ziehen. Kellerhoffs Selbstbewußtsein scheint jedenfalls nicht gelitten zu haben. Er präsentiert sich nun als Fachmann für Marinegeschichte. Die Welt (12. Februar) spendierte ihm dafür eine ganze Seite, ästhetisch sehr ansprechend gestaltet, mit vielen Bildern auf blauem Untergrund und dazu einer Überschrift, die sofort gefangennimmt: „Der letzte Samurai“. Gemeint ist Kapitän zur See Hans Langsdorff, und der Anlaß ergibt sich aus den Anfang Februar begonnenen Versuchen, sein Schiff, das Wrack des deutschen Panzerkreuzers „Admiral Graf Spee“, vor der Mündung des Río de la Plata zu heben (JF 06/04). Daß Kellerhoff dabei Detailfehler unterlaufen, war zu erwarten. So bettet er nachträglich Langsdorff um: vom Friedhof „Chacarita“ in Buenos Aires zur letzten Ruhe nach Montevideo. Gravierender fallen Anstrengungen ins Gewicht, den „Mythos“ Langsdorff so zu gestalten, daß er sich für das Zeitgeist-Bild von der Wehrmacht vereinnahmen läßt. Mit einem Zitat des britischen Premiers soll diese Auffassung autorisiert werden: Churchill habe ihn einen „hervorragenden Offizier“ genannt, was er „mit guten Gründen“ über „Soldaten des nationalsozialistischen Deutschland“ nur selten tat. Weil die meisten anderen aus Sicht Kellerhoffs offenbar „Verbrecher“ waren? Männer etwa wie die Admirale Raeder und Ruge, die Langsdorffs Entscheidung, nicht das Gefecht zu suchen, sondern die „Graf Spee“ zu sprengen, mißbilligten, figurieren bei Kellerhoff als prototypische Haudraufs. Daß Langsdorff vermutlich ganz im Sinne der Seekriegsleitung den Durchbruch versucht hätte, wenn er nicht infolge seiner Verwundung im Gefecht am 14. Dezember 1939 nur noch eingeschränkt handlungsfähig gewesen wäre, wird von „Spee“-Veteranen noch heute kolportiert. Nachzulesen ist das seit 2000 in einer Langsdorff-Biographie des Kanadiers Joseph Gilbey, die bis heute keinen deutschen Verleger gefunden hat.

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