WOLFSBURG. Der Volkswagen-Vorstand hat Medienberichten zufolge neue drastische Sparmaßnahmen für den Konzern ausgearbeitet. Demnach sollen dem Aufsichtsrat Pläne für die Schließung von vier deutschen Werken vorgelegt werden. Betroffen wären die Standorte Zwickau, Emden, Hannover und das Audi-Werk in Neckarsulm.
Wie der „Spiegel“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, sollen Zwickau und Emden ab 2031 geschlossen werden.
Ein Jahr später würde Hannover folgen. Das Audi-Werk in Neckarsulm stünde demnach ab 2034 vor dem Aus. In den vier Werken arbeiten insgesamt rund 40.000 Beschäftigte. Der Vorstand muss die Pläne zunächst dem Aufsichtsrat vorlegen. Dort sitzen neben Vertretern der Kapitalseite auch Arbeitnehmervertreter und Vertreter des Landes Niedersachsen. Das Land hält 20 Prozent an VW und hat dadurch erheblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen.
Niedersachsen hat erheblichen Einfluss
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg (Grüne) gehören dem Aufsichtsrat an. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern verfügen sie über eine Mehrheit. Da ein Sitz der Kapitalseite derzeit unbesetzt ist, gilt es als unwahrscheinlich, dass der Vorstand seine Vorschläge unverändert durchsetzen kann.
Nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ würde die niedersächsische Landesregierung einer Umwidmung von Werken jedoch nicht grundsätzlich im Weg stehen. Voraussetzung sei, dass für die Standorte eine Perspektive erhalten bleibe.
Neben den möglichen Werksschließungen steht weiterer Stellenabbau im Raum. Bis 2030 will Volkswagen dem Bericht zufolge weitere 50.000 Stellen streichen. Das „Manager Magazin“ hatte zuvor berichtet, der Konzern prüfe sogar den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen.
Schon jetzt fallen Zehntausende Stellen bei VW weg
Volkswagen hatte bereits Ende 2024 ein umfangreiches Sparprogramm vereinbart. Damals kam es zu einem heftigen Tarifstreit. Die IG Metall legte die Produktion mehrmals mit Warnstreiks lahm. Am Ende wurden betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Der Stellenabbau soll vor allem über Altersteilzeit und Abfindungen erfolgen.
Bis 2030 sollen nach bisherigen Vereinbarungen konzernweit bereits 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Davon entfallen 35.000 auf die Kernmarke Volkswagen. Weitere Stellen sollen bei Töchtern wie Audi und Porsche abgebaut werden. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben nach Unternehmensangaben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Konzernchef Oliver Blume begründet den verschärften Sparkurs mit den veränderten Rahmenbedingungen. Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und die wachsende Konkurrenz aus China setzten Volkswagen unter Druck. Das alte Geschäftsmodell, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und die Autos weltweit zu verkaufen, funktioniere nicht mehr wie früher. (rr)






