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Anja Arndt, AfD

Öl- und Gasknappheit: Im Iran-Krieg rächen sich geringe Investitionen in Energieinfrastruktur

Öl- und Gasknappheit: Im Iran-Krieg rächen sich geringe Investitionen in Energieinfrastruktur

Öl- und Gasknappheit: Im Iran-Krieg rächen sich geringe Investitionen in Energieinfrastruktur

Schifffahrtskarte und Öl-Förderanlagen (Symbolbild): Der Iran fordert Schutzgeld. Foto: picture alliance / Sipa USA | Jonathan Raa
Schifffahrtskarte und Öl-Förderanlagen (Symbolbild): Der Iran fordert Schutzgeld. Foto: picture alliance / Sipa USA | Jonathan Raa
Schifffahrtskarte und Öl-Förderanlagen (Symbolbild): Durch den Iran-Krieg ziehen die Preise an. Foto: picture alliance / Sipa USA | Jonathan Raa
Öl- und Gasknappheit
 

Im Iran-Krieg rächen sich geringe Investitionen in Energieinfrastruktur

Der vom Iran eingeforderte Wegzoll für das Passieren der Straße von Hormus verwandelt den Energiemarkt. Angesichts strenger Sanktionen ist fraglich, ob westliche Reedereien das iranische „Schutzgeld-Angebot“ überhaupt akzeptieren dürften.
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Jetzt auch noch Australien. Hat der Irankrieg die Flüssiggasexporte (LNG) aus dem Persischen Golf abgewürgt, setzt der Zyklon Narelle auch noch die australischen Kapazitäten außer Gefecht. Australien steht mit 8,7 Prozent der weltweiten Förderung zwar nur auf Rang drei, doch fehlt die Nummer eins, zählt nun jede Fracht. Australiens LNG bedient den asiatischen Markt, wo Preise um 90 Prozent gestiegen sind.

War vor wenigen Monaten noch von Überschüssen bei Rohöl die Rede, herrscht nun akute Knappheit. Statt über Fördermengenbegrenzung spricht man von Erkundung neuer Vorkommen. Manche sehen eine Rückkehr zum Geschäftsmodell von vor 2015: Kapazitätsausweitung statt Rendite. Dass dies damals zu einer Pleiteserie in der Öl- und Gasbranche führte, scheint heute manche Manager nicht weiter zu sorgen. Deutlich wurde die neue alte Welt auf der jährlichen Konferenz CeraWeek in Houston, auf der Ersatz für Vorkommen mit sinkender Ausbeute ein wichtiges Thema war.

Produktionsrückgang wird durch Dekarbonisierungsgerede verschärft

Denn das Problem der Unterinvestition in Energieinfrastruktur ist schon länger bekannt (JF 34/24): die Ausbeute bestehender Felder nimmt ab, es wird aber nicht genug in die Suche neuer Vorkommen investiert, um den absehbaren Produktionsrückgang auszugleichen. Verschärft wird dies durch eine allem CO₂- und Dekarbonisierungsgerede entgegen wachsende Nachfrage, insbesondere in Asien. Weil dieses langfristige Problem von kurzfristigen Schwankungen wie Konjunktur, Produktionsausweitungen oder OPEC-Quoten überschattet wird, fand es bisher wenig Aufmerksamkeit.

Mit Schließung der Straße von Hormus rückt es in den Vordergrund – zumindest auf Tagungen. Die Aussichten sind gut, dass es bei Programmpunkten bleibt. Zu lange dauert die Ausbeute einer Neuentdeckung. Mit neuester Technik ist es in zwei bis drei statt der früher gängigen drei bis fünf Jahre möglich. Doch das setzt voraus, dass ein Vorkommen gefunden ist. Der Zeitraum dafür ist ungewiss. Die Öffnung der Straße von Hormus ist greifbarer als Hoffnung auf künftige Entdeckungen.

Öltanker in der Nähe des Iran: Seit dem Iran-Krieg können Schiffe nicht mehr sicher durch die Straße von Hormus. Foto: picture alliance / SIPA | Sam/MEI
Öltanker in der Nähe des Iran: Insbesondere gestiegene Kosten für Rohöl sorgen für höhere Energiepreise. Foto: picture alliance / SIPA | Sam/MEI

EU-Regulierungen mitschuldig am hohen LNG- und Ölpreis?

Darüber hinaus bleiben zwei bestimmende Faktoren der mangelnden Erkundungsbereitschaft bestehen. Ersterer sind die „grünen“ Kreditbestimmungen der EU, die Banken die Finanzierung fossiler Energieträger erschweren. Daraus folgt, dass der Anteil des teuren Eigenkapitals an diesen Projekten höher liegt, folglich deutlich höhere Renditen nötig sind, um sie attraktiv werden zu lassen. Daraus ergibt sich der zweite, oben genannte Faktor: es ist für die Branche besser, Gewinne auszuschütten, als sie in teure und riskante Projekte zu investieren, die Verluste einbringen, sobald der Ölpreis fällt.

Die EU ist nicht nur bei der Verhinderung der Suche neuer Vorkommen schuldig, auch die Schließung der Straße von Hormus geht zum Teil auf ihr Konto, wenngleich auch als unbeabsichtigter Nebeneffekt. Nach der Finanzkrise wurden Liquiditätsanforderungen für Versicherungen (Solvency II) eingeführt, die zwölf Monate andauern, damit mit 99,5prozentiger Wahrscheinlichkeit genug Kapital zur Auszahlung aller Ansprüche vorhanden ist. Versicherungen hatten die Wahl, neues Kapital aufzunehmen, oder Policen zu kündigen. Kapitalaufnahme dauert und ist nicht unbedingt im Interesse des Unternehmens. Folglich kam es zur Kündigung aller Verträge mit 72-Stunden-Frist.

Der Iran fordert ein Schutzgeld von zwei Millionen Dollar

Der legendäre Ruf von Lloyd’s beruht auf der Versicherung von Risiken unter Extremzuständen. Während der Weltkriege, selbst zum Höhepunkt deutscher U-Boot-Angriffe, versicherte Lloyd’s die Schiffskonvois mit Nachschub aus den USA. Auch der Tankerkrieg im Ersten Golfkrieg (Iran-Irak 1980 bis 1988) oder somalische Piraten hielten Lloyd’s nicht auf. Höhere Versicherungsprämien reflektierten den Preis des Risikos. Neu an der aktuellen Lage ist das Fehlen jeglicher Versicherung, egal zu welchem Preis. Großbritannien ist zwar nicht mehr in der EU, doch viele Vorschriften wie Solvency II wurden während der Mitgliedschaft in die britische Gesetzgebung übernommen und nie widerrufen. Deshalb bestimmen EU-Regeln trotz Brexit, ob der globale Schiffsverkehr versichert wird.

Die Ankündigung Donald Trumps einer staatlichen US-Versicherung scheint bisher lediglich in den Sozialen Netzen stattzufinden. Konkreter ist die Forderung des Iran, wie mittelalterliche Wegelagerer gegen ein Schutzgeld von zwei Millionen Dollar eine sichere Passage zu garantieren. Mehrere asiatische Schiffe sollen das Angebot akzeptiert haben und über pakistanische Mittelsmänner gezahlt haben. Angesichts der Iran-Sanktionen ist fraglich, ob westliche Reedereien das iranische Angebot überhaupt akzeptieren dürften. Selbst dann blieben die Asiaten finanziell im Vorteil.

Markt der Speicherleerungen rückt näher

Ein Tanker, der durch den Suezkanal passt („Suezmax“), kann maximal eine Million Barrel transportieren. Der iranische Wegezoll würde zwei Dollar pro Barrel ausmachen. Die Großtanker (VLCC) auf der Asienroute haben mehr als zwei Millionen Barrel geladen, so dass der Wegezoll nur einen Dollar pro Barrel kostet. Beim Preis von 100 Dollar pro Barrel ist das kein großer Unterschied. Kann der Iran aber diese Gebühr über ein Konfliktende hinweg beibehalten, wäre es ein weiterer Energiekostennachteil für Europa, das zudem russische Lieferungen sanktioniert. Deutschland bezieht sein Öl zwar fast ausschließlich von Nicht-Golf-Anrainern, aber der Brent- und WTI-Preis reagiert auf globale Knappheiten.

Die zehn größten Rohöllieferanten Deutschlands. Quelle: Statistisches Bundesamt. Grafik: JF

In zwei bis drei Wochen werden die letzten Tanker aus dem Golf in Asien entladen. Europa hat eine Woche länger Zeit. Danach verwandelt sich der Energiemarkt von einem Markt der Lieferungen in einen Markt der Leerung der Speicher. Industrienationen haben meist mehr Speicher als ärmere Entwicklungsländer und können mit dem Geldbeutel deren Lieferungen umleiten. Robert Habeck (Grüne) machte das vor ein paar Jahren vor, als er für Pakistan bestimmtes LNG nach Deutschland umleitete. In Pakistan kam es zu Blackouts. Aktuell werden erste Stromabschaltungen aus Ägypten wegen der LNG-Umleitung gemeldet.

Die USA sind seit 2011 Selbstversorger und seit 2016 auch Nettoexporteur bei Öl und Gas – und haben daher keinen Anreiz, aus diesem Grund den Irankrieg bald zu beenden. Die Amerikaner profitieren von Industrieverlagerungen aus Europa und Asien. Trump wird sagen: wir haben die besseren Karten.

Aus der JF-Ausgabe 15/26.

Schifffahrtskarte und Öl-Förderanlagen (Symbolbild): Durch den Iran-Krieg ziehen die Preise an. Foto: picture alliance / Sipa USA | Jonathan Raa
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