BERLIN. Berlin hat mit einer geplanten Änderung der Muster-Versammlungsstättenverordnung Streit über Frauen- und Männertoiletten ausgelöst. In Theatern, Stadien, Konzerthäusern und Mehrzweckhallen soll künftig nur noch eine „ausreichende Anzahl von Toiletten“ vorgeschrieben sein. Die bisherige Pflicht zu getrennten Toilettenräumen für Damen und Herren würde entfallen, wie die Berliner Zeitung berichtet.
Frauenrechtsinitiativen wie „Was ist eine Frau?“ warnen deshalb vor einem Türöffner für Unisex-Toiletten. Die Sorge: Wenn getrennte Anlagen nicht mehr vorgeschrieben sind, könnten Betreiber künftig auf gemeinsame Toiletten ausweichen.
Getrennte Toiletten wurden lange erkämpft
Die zuständige Projektgruppe verweist auf praktische Gründe. Die bisherigen Regeln seien auf klassische Veranstaltungsstätten mit Pausen oder Halbzeiten zugeschnitten. Für Festivals oder Open-Air-Konzerte solle das System flexibler werden. Nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung läuft das Verfahren noch. In der Verbändeanhörung seien rund 480 Stellungnahmen und Änderungsvorschläge eingegangen. Eine endgültige Fassung liegt nicht vor, eine Entscheidung wird frühestens 2027 erwartet.
Der Streit reicht über technische Bauvorschriften hinaus. Frauentoiletten wurden historisch erkämpft, damit Frauen den öffentlichen Raum sicherer und selbstverständlicher nutzen konnten. Genau dieser Standard steht nun wieder zur Disposition. Für Schulen gelten in Berlin eigene Vorgaben. Bei Neubauten sollen weiter Toilettenräume für weibliche, männliche und geschlechtsunspezifische Nutzung sowie barrierefreie Anlagen berücksichtigt werden. (rr)





