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Verschwindend wenige Anzeigen: Neue Studie zeigt gigantische Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt

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Berlin, Deutschland: Bundespressekonferenz: Vorstellung der Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland ? LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag): L-R: BKA-Präsident Holger Münch, Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt (CSU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien (CDU)
Berlin, Deutschland: Bundespressekonferenz: Vorstellung der Dunkelfeldstudie zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland ? LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag): L-R: BKA-Präsident Holger Münch, Bundesminister des Innern Alexander Dobrindt (CSU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien (CDU)
BKA-Chef Holger Münch, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU): Bericht offenbart enorme Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt. Foto: picture alliance / dts-Agentur | –
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Neue Studie zeigt gigantische Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt passiert erheblich öfter, als bisher bekannt ist. Eine Studie von Familienministerium, Innenministerium und BKA zeigt: Die wenigsten Fälle werden angezeigt. Alle Zahlen im Überblick.
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BERLIN. Etwa jeder Sechste (16,1 Prozent) der 16- bis 85jährigen in Deutschland hat bereits körperliche Gewalt in einer Partnerschaft erlebt. Unter Männern sind 14 Prozent von häuslicher Gewalt betroffen, bei Frauen 18 Prozent, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Dunkelfeldstudie von Bundesfamilienministerium, Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt hervorgeht. In den vergangenen fünf Jahren fand laut der Studie jedoch Gegenteiliges statt: 5,2 Prozent der befragten Frauen gaben an, physische Gewalt durch einen Partner erfahren zu haben, bei Männern waren es im selben Zeitraum 6,1 Prozent.

Die deutliche Mehrheit dieser Delikte landet dabei nicht in der Kriminalitätsstatistik: Nur 2,7 Prozent der Frauen und 3,5 Prozent der Männer gaben an, gewalttätige (Ex-)Partner angezeigt zu haben. Dabei nahmen die beiden Geschlechter körperliche Übergriffe durch (Ex-)Partner unterschiedlich stark wahr: Während Männer nur 4,7 Prozent dieser Situationen als lebensgefährlich empfanden, waren es bei Frauen 21,4 Prozent. Diese Wahrnehmung ist berechtigt: 54,4 Prozent der betroffenen Frauen berichten von körperlichen Verletzungen beziehungsweise Folgen, bei Männern waren es 32,5 Prozent.

Frauen mit Migrationshintergrund besonders gefährdet

Frauen mit Migrationshintergrund erleben physische Gewalt durch einen Partner oder Ex-Partner fast doppelt so häufig wie Frauen ohne einen Migrationshintergrund (7,6, beziehungsweise 4,3 Prozent). Bei Männern ist dieser Unterschied weniger deutlich – 5,6 Prozent von jenen, die keinen Migrationshintergrund haben, erlitten häusliche Gewalt, gegenüber 7,4 Prozent der Männer mit einem Migrationshintergrund. Die Studie unterschied dabei nicht nach Herkunftsländern.

Jeder Zweite (50 Prozent) gab an, als Kind Opfer von körperlicher Gewalt durch Erziehungsberechtigte geworden zu sein. Männer waren davon etwas häufiger betroffen (51,7 Prozent) als Frauen (49,3 Prozent). Bei dieser Art von Gewalt fragte die Studie den Migrationshintergrund nicht ab.

Prien möchte „Gewalt verhindern, bevor sie entsteht“

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) forderte mit Blick auf diese Zahlen einen besseren Schutz für die Betroffenen. Daß 19 von 20 Fällen häuslicher Gewalt nicht angezeigt werden, sei „kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe“. Die Politik müsse „Gewalt verhindern, bevor sie entsteht“, weshalb das von der Bundesregierung geplante Gewalthilfegesetz sehr wichtig sei.

Der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, betonte, Politik und Behörden sollten dafür sorgen, „daß mehr Betroffene den Mut finden, Gewalt anzuzeigen, um Unterstützung zu erhalten“.

Die Dunkelfeldbefragung wurde bundesweit zwischen Juli 2023 und Januar 2025 durchgeführt – mit 15.000 Teilnehmern im Alter zwischen 16 und 85 Jahren. (st)

BKA-Chef Holger Münch, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU): Bericht offenbart enorme Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt. Foto: picture alliance / dts-Agentur | –
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