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Kritische Reaktionen: Linke Szene gespalten über gemeinsamen Rückzug von X

Kritische Reaktionen: Linke Szene gespalten über gemeinsamen Rückzug von X

Kritische Reaktionen: Linke Szene gespalten über gemeinsamen Rückzug von X

Das Bild zeigt einen Mann vor dem Logo von X.
Das Bild zeigt einen Mann vor dem Logo von X.
Ein Mann vor dem Logo der Online-Plattform X: Linke Szene ist uneins über den Umgang mit dem Medium. Foto: picture alliance / PHOTOPQR/OUEST FRANCE/MAXPPP | Marc OLLIVIER
Kritische Reaktionen
 

Linke Szene gespalten über gemeinsamen Rückzug von X

Nachdem SPD, Grüne und Linkspartei gemeinsam ihren Rückzug von X verkünden, hagelt es Widerspruch aus den eigenen Reihen. Mehrere prominente Mitglieder kritisieren die Entscheidung und wollen auf der Plattform bleiben.
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BERLIN. Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Sören Pellmann, hat die Entscheidung seiner eigenen Partei, die Plattform X zu verlassen (JF berichtete), öffentlich kritisiert. „Wenn jetzt alle links-progressiv Denkenden gehen, überlassen wir diese Plattform kampflos den Lautesten, den Hassenden und den Rechtsaußen. Genau das darf nicht passieren“, schrieb Pellmann am Dienstag auf X.

Das soziale Medium brauche „demokratische Stimmen, solidarische Perspektiven und klare Haltung gegen rechts“ – und zwar „notwendiger denn je“. Er appellierte an andere Linke, weiterhin auf X zu bleiben, weil ein Rückzug nur denen helfe, „die spalten, hetzen und Fakten verdrehen“. Es brauche Widerspruch von denen, „die für Vielfalt, Respekt und eine offene Gesellschaft stehen“.

Zuvor hatten die offiziellen Parteikanäle von SPD, Grünen und der Linkspartei wortgleich bekanntgegeben, X zu verlassen, weil das soziale Netzwerk „in den letzten Jahren im Chaos versunken“ sei. X fördere „zunehmend Desinformation“, begründeten die drei Parteien und mehrere ihrer prominenten Mitglieder diese Entscheidung. Der Rückzug betrifft die jeweiligen Profile der Bundespartei sowie die der Bundestagsfraktion.

Ricarda Lang gibt sich kampfbereit

Mit dieser Meinung ist Pellmann nicht allein. Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang bleibt auf X präsent. Auf die spöttische Nachfrage eines Nutzers, warum sie noch auf der Plattform sei, antwortete Lang: „So schnell werdet ihr mich nicht los.“

Der langjährige Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat äußerte sich sehr kritisch zu der Aktion seiner Partei. „Mein Kopfschütteln angesichts dieser Entscheidung von Fraktion und Partei von Die Linke wird immer größer“, schrieb der 41jährige auf X. Dass dieser Schritt gemeinsam „mit der Regierungspartei SPD“ und der grünen Konkurrenz erfolgt sei, „setzt dem Ganzen die Krone auf“.

Ebenfalls kritisch sieht der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag, Janosch Dahmen, den Rückzug von X. Zwar verfasste er keinen eigenen Beitrag zu dem Thema, jedoch teilte er einen solchen, der die Aktion als „einen großen Fehler“ bezeichnet. „Man muss die politische Debatte überall führen und nicht nur dort, wo es einem passt.“ Politischen Gegnern dürfe nicht freiwillig das Feld überlassen werden, vielmehr müsse man sie „dort stellen, wo es notwendig ist“.

Auch Ulrich Schneider, zwischen 1999 und 2024 Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands und selbst Linkspartei-Mitglied, kritisierte auf X, seine Partei habe mit ihrer Entscheidung „Follower und potentielle Follower in sechsstelliger Zahl abgehängt und die wichtigste Kurznachrichtenplattform komplett freigegeben für die politische Konkurrenz von rechts“.

Initiatorin: Debatten sind auf X kaum noch möglich

Der gemeinsame Rückzug unter dem Motto „WirVerlassenX“ war laut Informationen des Spiegels über mehrere Wochen geplant, Hauptinitiatorin ist die Grünen-Bundesgeschäftsführerin Pegah Edalatian. Aus Kreisen der Linkspartei heißt es, man wolle seinen Mitgliedern keine Befehle erteilen, jedoch lege man ihnen den Rückzug von X nahe, um potentielle Nachahmungseffekte zu verstärken. Linkspartei-Chef Jan van Aken etwa hatte – genauso wie die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge – seinen eigenen Kanal deaktiviert, Linkspartei-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hatte das bereits vor geraumer Zeit getan.

Unter ihren Beiträgen verbreiteten die Parteien die Informationen, wo sie weiterhin erreichbar sind – etwa bei Instagram oder Bluesky. Initiatorin Edalatian betonte gegenüber „Table Media“, dass X „zu einem Einfallstor für Desinformation und eine aggressive Debattenkultur“ geworden sei. Man wolle „weiterhin im digitalen Raum diskutieren und dabei andere Perspektiven sehen und berücksichtigen“. Das sei auf X „jedoch kaum noch möglich“. (st)

Ein Mann vor dem Logo der Online-Plattform X: Linke Szene ist uneins über den Umgang mit dem Medium. Foto: picture alliance / PHOTOPQR/OUEST FRANCE/MAXPPP | Marc OLLIVIER
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