BERLIN. Die Polizei verfolgt nach dem Anschlag auf den CSD mit einer Toten und 31 zum Teil schwer Verletzten jetzt doch die These eines zweiten Täters. Das berichtet Welt. Zeugen hatten ausgesagt, ein weiterer Mann sei an dem Attentat beteiligt gewesen. Neben dem inzwischen von der Polizei erschossenen Deutsch-Libanesen Abdul Ballout sei ein zweiter Täter aus einem Gebüsch gesprungen sei und habe Menschen angegriffen. Doch um diesen mutmaßlichen Komplizen geht es dabei nicht.
In der Tatnacht wurde tatsächlich ein polizeibekannter, ausreisepflichtiger Iraner festgenommen, der aber mangels Beweisen wieder freigelassen wurde. Doch Teilnehmer fragen sich, was hat der Muslim dort zu der Zeit gemacht? Dass er zu den Feiernden gehörte, wird ausgeschlossen.
Auch die Machete, mit der Ballout auf sein Opfer einschlug, ist bis heute nicht aufgetaucht. Das Messer, das Ballout beim tödlichen Zugriff der Polizei in einer Kleingartenkolonie in Berlin-Spandau bei sich trug, soll, so berichtet Welt, nicht die Tatwaffe sein.
Wer navigierte Ballout zum CSD?
Der Komplize des CSD-Attentäters wird nun offenbar auch nicht mehr als direkt Tatbeteiligter gesucht, sondern als Mann im Hintergrund, der Ballout womöglich zum Tatort navigiert haben soll. Dafür spricht ein zweites Handy des 21-Jährigen, das in dem gemieteten Transporter gefunden worden war. Dieses Mobiltelefon kannten die Ermittler bisher nicht, und es wurde im Vorfeld des Terroranschlags, anders als das andere, auch nicht abgehört.
Denn noch immer steht die wichtige Frage im Raum: Wie konnte Ballout das Verbrechen begehen, obwohl ihn das Landeskriminalamt – auch durch eine Kamera vor dem Hauseingang seines Mietshauses – überwachte. Der radikale Moslem war nicht nur seit Jahren polizeibekannt, sondern im Mai bereits wegen der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Straftat verurteilt, jedoch auf Bewährung aus dem Gerichtssaal als freier Mann entlassen worden. Die Experten stuften ihn als „islamistischen Gefährder“ ein.
Dennoch konnte er ein großes Auto mieten, mit dem er im Tiergarten in die Menschenmenge fuhr, ohne dass die Beamten Verdacht schöpften. Und er gelangte auch unbehelligt zum Tatort. Die Bewegungsdaten des Mietfahrzeugs könnten nun Aufschluss geben. Demnach fuhr Ballout am Tatabend nicht auf direktem Weg zum Tiergarten, sondern legte einen Zickzack-Kurs zum CSD zurück. Zudem stoppte und beschleunigte er auffällig oft, bevor er seine Tat ausführte.

Komplize nicht am Tatort
Laut Welt stütze dies bei Ermittlern die These, Ballout sei angeleitet worden und habe während der Fahrt womöglich mit einer unbekannten Person in Kontakt gestanden. Der Komplize des Attentäters, den die Polizei sucht, habe sich demnach nicht am Tatort, sondern irgendwo anders befunden. Doch auch hier bleibt die Frage, was mit dem Mann ist, der laut Zeugen im Tiergarten ebenfalls auf die Menschen einstach.
Über die Fahrzeugdaten und das zweite Handy, auf dem sich auch Ballouts Bekennervideo mit Bezug zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ befand, hoffen die Ermittler, die Tat vollständig aufklären zu können. (fh)





