BERGEN. Der linke Sänger Marlo Grosshardt hat gemeinsam mit den „Omas gegen rechts“ und der Initiative „Südheide Bundt“ Kinder im Grundschulalter instrumentalisiert, um in der evangelischen St.-Lamberti-Kirche Bergen gegen die AfD zu singen. Anlass des Kinderchor-Konzerts der Gruppe „Tiny Wolves“, in der Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren singen, war Werbung für das bevorstehende „Demokratie-Festival ‘Come Together Bergen’“ am 5. September.
Dieses findet unter dem Motto „Für Demokratie, Vielfalt und ein friedliches Miteinander – gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit“ statt und ist laut der vom niedersächsischen SPD-Lokalpolitiker Samuel Marfo betriebenen Website „Demokrateam.org“ dezidiert ein „Event gegen Rechts in Bergen“.
Mit der Zeile „Haltung braucht Nachwuchs …🫶“ verbreitete „Südheide Bundt“ am Sonntag ein Video der Aufführung in dem Bergener Gotteshaus auf Instagram. Auch die Kirche ist Teil des „Demokratie-Festivals“. Unter dem Beitrag sind die Hashtags „#niewiederistjetzt“, „#wirsindmehr“, „#lautgegenanzis“ und „#südheidebundt“ platziert.

Grundschulkinder singen von „Nazis“
Dabei begleitete der Sänger Grosshardt sein 2024 gegen die AfD komponiertes Lied „Oma“ auf einer Gitarre, während die Kinder Strophen sangen wie: „Denn wir, wir wählen grade wieder Nazis in den Rat – und sich zu wehren, das ist aktuell sehr hart.“ Weiter heißt es in dem Text: „Ja, denn sie hören uns schon lange nicht mehr zu – und die Lösung, die sie haben, die ist ganz klar ein Tabu.“ Das Lied „Oma“ wurde insbesondere vor der Bundestagswahl 2025 als Protestsong gegen die AfD bekannt.
Das Stück sei für das niedersächsische Bergen, das durch das Konzentrationslager Bergen-Belsen bekannt ist, „aktueller als je zuvor“, heißt es in dem Instagram-Beitrag der Organisatoren. Die Begründung: „Auch hier möchten Mitglieder einer gesichert rechtsextremen Partei im Rathaus Macht übernehmen und wir müssen uns klar für unsere Demokratie und Verfassung einsetzen.“
Zudem schreiben die Organisatoren, Neutralität ende „beim Verlassen unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und bei Rassismus und Menschenfeindlichkeit!“. Das Warn-Lied Grosshardts steht offenbar auch im Kontext der Kommunalwahlen in Niedersachsen am 13. September. Nach dem Konzert signierte der Hamburger Sänger Poster von „Tiny Wolves“ und posierte mit Kindern für Fotos.
Kirche spricht von „einander zuhören“
Das beworbene „Demokratie-Festival ‘Come Together Bergen’“ wird auch aus Steuermitteln des Programms „Demokratie leben!“ unter Familienministerin Karin Prien (CDU) finanziert. Träger ist unter anderem die in Celle ansässige „Stiftung niedersächsische Gedenkstätten“, die 2025 und 2026 jeweils 374.502 Euro aus dem Topf erhielt.

Obwohl die Veranstaltung sich „gegen rechts“ positioniert, versteht die Kirche die Einladung als „gemeinschaftliche Aufgabe“. Im Zentrum stehe „miteinander reden, einander zuhören, Vielfalt leben, Haltung gegen Menschenfeindlichkeit zeigen und gemeinsam feiern“.
Auch Grosshardt nutzte das Kirchenkonzert offenbar als Werbung für seine im September startende Tour unter dem Motto „Bildet Banden“. Diese sei ein „Aufruf, sich zusammenzutun und dem Ist-Zustand nicht einfach zu ergeben“. Konzertgäste erwarte demnach „große Orchestrierung, Wut in Großbuchstaben – Musik, die bewegt“. Grosshardt hatte in der Vergangenheit bereits an Solidaritätskonzerten für Fridays for Future mitgewirkt und unterstützt selbsternannte Seenotretter im Mittelmeer. (rsz)





