BERLIN. Die Polizei hat einen Iraner auf freien Fuß gesetzt, der im Verdacht stand, ein Mittäter des des CSD-Attentäters Abdul Ballout gewesen zu sein. Dabei handelt es sich um den Iraner Taymaz S., berichtete die Bild am Montag unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Ermittler untersuchten demnach, ob der 28jährige der Beifahrer des Täters war. Er habe sich zum Zeitpunkt des islamistischen Mordanschlags in der Nähe befunden und eine Kopfverletzung erlitten. Der Verdacht habe sich nach einer DNA-Analyse aber nicht erhärtet.
Laut dem Boulevardblatt sei sein Schutzstatus 2024 abgelaufen. Zudem sei er mehrmals verurteilt worden, darunter wegen gefährlicher Körperverletzung und Bandendiebstahls. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Alexander Throm, kritisierte den Vorgang. „Völlig unverständlich ist mir, warum ein solcher Serien-Gewalttäter nicht sofort in Abschiebehaft kommt“, sagte er der Bild.
Schulze will Islamisten in Deutschland „nicht leben haben“
Unterdessen forderte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), Konsequenzen auch gegenüber den in Deutschland geborenen Gefährdern. „Ich möchte solche Menschen hier in Deutschland nicht leben haben“, sagte er am Montag morgen gegenüber dem Deutschlandfunk. „Wir dürfen das einfach nicht mehr zulassen, dass hier Menschen bei uns leben, die unsere Kultur nicht akzeptieren.“ Die Begründung, dass Ballout in Deutschland geboren worden sei, reiche ihm nicht mehr.
Zwar sei es deshalb nicht möglich gewesen, den Attentäter abzuschieben. Allerdings müsse man sich die Frage stellen, warum er auf freiem Fuß gewesen sei. Schulze betonte, dass der Anschlag vom vergangenen Samstag ihn mitnehme. „Ich bin Ministerpräsident eines Bundeslandes, welches vor einigen Jahren eines der schlimmsten Erlebnisse in der Geschichte Sachsen-Anhalts hatte“, sagte er mit Blick auf den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt.
Todesopfer des CSD-Terroristen kommt aus Polen
Sonntag abend hatte die Polizei nach einer weitreichenden Fahndung Ballout während des Festnahmeversuchs in Spandau erschossen (JF berichtete). Der libanesischstämmige Mann war seit Jahren polizeibekannt und wollte sich 2025 dem Islamischen Staat (IS) in Syrien anschließen. Aus diesem Grund hatte sich Ballout noch vor seiner Festnahme in Berlin in Haft im Libanon befunden. Allerdings ließ ihn die dortige Justiz nach drei Monaten frei, woraufhin er nach Deutschland zurückkehrte. Dort wurde er aber erneut festgenommen. Später hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt, gewährte ihm aber eine Vorbewährung bis November.
Am späten Samstagabend war Ballout zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge am Tiergarten gerast (JF berichtete). Anschließend verletzte er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“. Laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) handelte es sich dabei um eine Machete.
Infolge des Anschlags starb eine Frau aus Polen, berichtet die Bild unter Berufung auf diplomatische Kreise. Die 65jährige aus Warschau sei demnach mit ihrer Tochter zum Umzug gereist. Allerdings müsse die Leiche der Getöteten noch identifiziert werden. Weitere 29 Personen wurden verletzt, darunter die Tochter. Inzwischen sind alle Verletzten außer Lebensgefahr. (kuk)






