KÖLN/STUTTGART. 575.000 Menschen haben auf X inzwischen einen Post gesehen, in dem das Kölner CDU-Mitglied Gundolf Siebeke dem Grünen-Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg, Cem Özdemir, unterstellt, dessen Loyalität gelte „zuerst dem Islam“. Denn der Politiker sei „Muslim“ und habe „sich nicht von dieser grausamen Religion losgesagt“.
Zu der enormen Reichweite beigetragen hat vor allem der Chef der Südwest-CDU, Manuel Hagel. Denn der Spitzenkandidat teilte den Beitrag, bezeichnete Siebekes Äußerungen als „Unsinn“ und distanzierte sich von diesem „Wahlkampfstil“. Später dankte Özdemir unter dem Post auch noch Hagel für dessen Worte (die JF berichtete).
So ein Unsinn. Das ist nicht unser Wahlkampfstil, das ist nicht unsere CDU. Lasst uns alle in den letzten Tagen des Wahlkampfes fair und respektvoll miteinander umgehen.
Herabsetzungen und Kulturkämpfe führen nie zu etwas Gutem – das Ergebnis sieht man in den USA. Wir stehen für… https://t.co/Gy0FWXDryi
— Manuel Hagel (@HagelManuel) March 3, 2026
Der Post hat nun parteiintern Folgen für Siebeke. Die Kölner CDU-Vorsitzende, Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler, kündigte in einer Pressemitteilung ein „Ordnungsverfahren“ an. Dies kann bis zum Parteiausschluß führen, worauf Gülers Aussage hindeutet: „Solche Positionen haben bei uns keine Heimat.“ Sie seien „mit dem Menschenbild der CDU unvereinbar“.
CDU-Chefin Güler ist wie Özdemir Muslim
Die 45jährige ist als Tochter türkischer Gastarbeiter selbst Muslimin und besitzt seit 2010 die deutsche Staatsbürgerschaft. Neben ihren vielen anderen Funktionen ist Güler auch Mitglied im CDU-Bundesvorstand.
Die Politikerin schrieb über Siebekes Post: „Die CDU Köln distanziert sich von diesen Äußerungen ausdrücklich und kritisiert diese auf das Schärfste. Sie sind unerträglich.“ Gleichzeitig bat Serap Güler Cem Özdemir „um Entschuldigung für den völlig inakzeptablen Kommentar“.
Auch bei Hagel, dem sie „einen absolut fairen Wahlkampf mit Anstand und Haltung“ bescheinigte, leistete sie Abbitte. Denn Dritte versuchten, den Post des Kölner CDU-Mitglieds „der CDU zuzurechnen“.

Siebeke sei schon mehrmals „mit nicht zu ertragenden, frauenfeindlichen und rassistischen Aussagen in Erscheinung getreten“. Er habe jedoch in der Kölner CDU „kein Amt inne und wurde bereits mehrfach für sein Verhalten gerügt“. Das Ordnungsverfahren, das der Kreisvorstand auf der nächsten Sitzung vorschlagen werde, sei „aufgrund der neuerlichen Aussagen, die auch der CDU schwer geschadet haben“, gerechtfertigt. (fh)





