BERLIN. Die Beliebtheit des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Lediglich zwei Prozent der Wähler sind mit dessen Arbeit „sehr zufrieden“ und weitere acht Prozent „eher zufrieden“. Heißt: Nur noch jeder zehnte Hauptstädter findet den Mann im Roten Rathaus wenigstens einigermaßen gut. Das ergibt eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Tagessspiegel.
Etwas mehr als ein halbes Jahr vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September ist Wegner unten durch. Solch ein fatales Zeugnis haben Bürger bisher in keinem anderen Bundesland ihrem Regierungschef ausgestellt: 74 Prozent sind mit Wegners Arbeit eher oder sehr unzufrieden.

Damit ist die Unzufriedenheit mit dem Regierenden Bürgermeister innerhalb eines Monats noch einmal dramatisch gestiegen – um sieben Prozentpunkte im Vergleich zu Ende Januar. Und dabei sei dies schon damals ein Negativ-Rekordwert für den CDU-Politiker gewesen, wie die Zeitung schreibt.
Wegner setzt rot-grüne-rote Politik fort
Wegners nicht einmal dreijährige Amtszeit – er kam am 27. April 2023 nach der Wiederholungswahl auf den Posten – ist arm an Höhepunkten oder gar Akzenten, die der 53jährige gesetzt hätte. Er lavierte sich irgendwie durch das Amt, ohne die ideologische rot-grün-rote-Politik, mit der viele Berliner ebenfalls unzufrieden waren, gravierend zu ändern.
Dafür erlaubte er sich in diesem Jahr zwei Blamagen. Zunächst tauchte er im Januar nach dem linksextremen Anschlag auf die Stromversorgung im Südwesten der Hauptstadt einen Tag vollständig ab. Später behauptete er, er habe sich in sein Homeoffice eingeschlossen und keine Zeit für öffentliche Präsenz in der schwersten Energiekrise Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg gehabt.
Tatsächlich gönnte er sich in aller Ruhe ein Tennismatch mit seiner Lebensgefährtin und Senatskollegin Katharina Günther-Wünsch (CDU). Die Lüge, so schien es zunächst, konnte ihm nichts anhaben (die JF analysierte). Dreist erklärte er, überhaupt keinen Grund für einen Rücktritt zu erkennen.
Hohn und Spott für den Regierenden
Als Berlin dann nur wenig später wochenlang regelrecht unter einem spiegelglatten Eispanzer versank, tat er zunächst das, was die Berliner von ihm gewöhnt sind: nichts. Als dann die Krankenhäuser mit Sturzopfern überliefen, meldete er sich über die sozialen Medien mit einem Appell an seine Regierungsfraktionen CDU und SPD: Das Abgeordnetenhaus möge doch bitte den Weg dafür frei machen, damit die Bürgersteige mit Tausalz gestreut werden dürfen.
Nach allseitigem Spott erledigte er dann das, was er schon vorher hätte tun können. Er erließ eine Allgemeinverfügung – die allerdings vom Gericht gekippt wurde. Spötter sagten: Erst hatte er kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
Für fast alle Berliner scheint nun festzustehen: Dieser Mann läßt die Berliner bei Krisen entweder im Stich oder er verfällt in Lethargie. Daß dieser Politiker völlig überfordert ist, die Hauptstadt zu regieren, bedarf für sie offenbar momentan keines weiteren Beweises.
Nur jeder dritte CDU-Wähler findet Wegner gut
Trotz dieses Schwachpunktes an der Spitze wäre die CDU der Civey-Umfrage zufolge mit 23 Prozent weiterhin stärkste Partei, wenn schon am Sonntag das Abgeordnetenhaus gewählt würde. Allerdings bedeutet dieser Wert ein Minus von mehr als fünf Punkten gegenüber der vorigen Wahl. Selbst unter den CDU-Anhängern ist laut den aktuellen Daten nur jeder Dritte mit Wegner zufrieden.

Auf Platz zwei liegt die Linke mit 17 Prozent, dicht gefolgt von AfD und SPD mit jeweils 16 Prozent. Dahinter erreichen die Grünen 15 Prozent. BSW und FDP kämen mit je drei Prozent derzeit nicht ins Parlament.
Vor allem Wegner dürfte es mit seiner Amtsführung Linken, SPD und Grünen leicht gemacht haben, die Hauptstadt nach einem kleinen Intermezzo zurückzuerobern. Dabei – das zeigen die Umfrageergebnisse auch – kann keine dieser Parteien die Wähler besonders überzeugen. Gemeinsam aber kommen sie auf 48 Prozent, was bei 13 Prozent für nicht im Abgeordnetenhaus vertretene Parteien zu einer deutlichen absoluten Mehrheit reichen würde. CDU und AfD, die ohnehin nicht zusammenarbeiten würden, erreichen addiert 39 Prozent. (fh)





