Die Grünen-Stadtverordnete Mirrianne Mahn unterbricht die Rede von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Foto: picture alliance/dpa/epd-Pool | Thomas Lohnes
Die Grünen-Stadtverordnete Mirrianne Mahn unterbricht die Rede von Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) Foto: picture alliance/dpa/epd-Pool | Thomas Lohnes

Frankfurter Buchmesse
 

Politiker loben Störung von Festakt durch Grüne

FRANKFURT/MAIN. Die Grünen-Stadtverordnete Mirrianne Mahn hat für ihre Störung der Festrede des Frankfurter Oberbürgermeisters Peter Feldmann (SPD) Anerkennung aus der Politik erhalten. „Danke an Mirrianne Mahn für diese mutige und notwendige Intervention. Toleranz braucht Grenzen. Meinungsfreiheit kann nur gedeihen, wo alle Menschen sicher sind“, schrieb der Grünen-Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt, Sebastian Striegel, auf Twitter.

 Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen zeigte sich erfreut über die „klare Ansage gegen rechte Verlage auf der Buchmesse“.

Mahn hatte am Sonntag die Rede von Feldmann zur Verleihung des Friedenspreises des Buchhandels unterbrochen und die Anwesenheit rechter Verlage auf der Buchmesse beklagt. „Wir sprechen über den Diskurs und über Meinungsfreiheit. Rechtsradikale Ideologien sind keine Meinungsfreiheit. Das Paradox ist, daß wir hier in der Paulskirche, der Wiege der Demokratie, einer schwarzen Frau den Friedenspreis verleihen, aber schwarze Frauen auf dieser Buchmesse nicht willkommen waren. Nicht willkommen waren, weil nicht dafür gesorgt wurde, daß sie sich sicher fühlen“, sagte Mahn, die selbst farbig ist.

Grünen-Politikerin warnt vor „nächsten Hanau“

Sie spielte damit auf die Absage der Autorin Jasmina Kuhnke an, die insbesondere wegen des rechten Jungeuropa Verlags nicht in Frankfurt erschien. Sie betonte, sie fühle sich durch den Verlag und seine Besucher bedroht.

Mahn kritisierte weiter: „Wenn wir dulden, daß rechtsradikale Menschen mit genau diesen Ideologien eine Plattform hier in Frankfurt, in meiner Stadt, in meiner Heimat bekommen, dann beteiligen wir uns aktiv am nächsten Hanau. Die Zeit muß sich ändern.“

Nach der Störung seiner Rede lobte Feldmann, der in der Vergangenheit wegen des hessischen AWO-Skandals um seine damalige Ehefrau in die Schlagzeilen geraten war, die Stadtverordnete für ihre Ausführungen. „Auch das ist Frankfurt und gehört dazu. Das war nicht abgesprochen. Aber ich denke, das hat gut gepaßt.“

Preisträgerin plädiert für neue Aufklärung gegen Klimawandel

Der Auftritt von Mahn unterbrach die Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an die Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga aus Simbabwe. In der Laudatio bezeichnete die kenianische Germanistin und Soziologin Auma Obama sie als „eine der erfolgreichsten und wichtigsten Stimmen auf dem afrikanischen Kontinent und hoffentlich bald weltweit“.

In ihrer Dankesrede plädierte Dangarembga für eine neue Aufklärung zur Lösung der Klimakrise und gesellschaftlicher Probleme. „Die Erkenntnisse der vergangenen Jahre und Jahrhunderte reichen nicht aus. Sie haben uns nicht gerettet. Wir müssen neue Gedanken entwickeln“, forderte sie, „um einen Paradigmenwechsel zu bewirken.“ Dangarembga ist die erste Schwarze, die den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis erhält. (ag)

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