Frauke Petry auf der Pressekonferenz in Berlin Foto: dpa
Bundestag

AfD-Chefin Petry bricht mit neuer Fraktion

BERLIN. Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat angekündigt, nicht der AfD-Fraktion im Bundestag anzugehören. Das sagte Petry am Montag früh auf einer Pressekonferenz in Berlin. Anschließend verließ sie den Saal. Grund für ihren Entschluß sei ein inhaltlicher Dissens in der Partei.

Bereits zuvor hatte sie AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland kritisiert. Dieser hatte kurz nach Verkündung der ersten Prognose am Sonntag abend betont: „Wir werden Frau Merkel oder wen auch immer jagen und wir werden uns unser Land und unser Volk zurückholen.“ Die Bundesregierung könne sich warm anziehen.

„Das ist die Rhetorik von der ich gesprochen habe, daß gerade der bürgerliche Wähler sie nicht als konstruktiv empfindet“, sagte Petry am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“. Die AfD sei im Wahlkampf laut zu hören gewesen. Nun sollten Themen und Inhalte dominieren, „und nicht die abseitigen Äußerungen“.

Petry sah sich in ihrer Haltung bestätigt. In Sachsen, wo sie seit Jahren diesen Kurs fahre, wurde die AfD stärkste Kraft. Die AfD-Chefin holte eines von drei Direktmandaten.

Gauland weist Kritik zurück

Gauland wies die Kritik auf der Pressekonferenz zurück. „Wir wissen nicht, warum sie das getan hat. Ich sehe keine Verantwortung meinerseits.“ Petry sei gewählte Spitzenkandidatin in Sachsen. „Damit gehör sie zur Fraktion. Punkt. Was sie jetzt macht, muß sie entscheiden.“

AfD-Co-Chef Jörg Meuthen kritisierte Petry. „Wir haben alle Ziele des Wahlkampfes erreicht.“ Es sei nicht hilfreich gewesen, wie Petry das Spitzenteam in Interviews attackiert hatte. Petry sei leider aus der Teamarbeit ausgeschert. Die angebliche inhaltliche Differenz sei stark konstruiert. „Wir sind nicht die Fundis.“

AfD-Vize Beatrix von Storch sagte zur JUNGEN FREIHEIT: „Ich bedauere die Entscheidung. Wir haben als AfD den Auftrag bekommen, klare Oppositionsarbeit zu leisten und zwar als eine Fraktion. Und Aufgabe der Opposition ist es, die Regierung vor sich herzutreiben, oder wie immer man das auch sonst bezeichnen mag. Auch Rudolf Scharping hat 1994 gesagt, die SPD werde die Regierung ‘jagen’, bis sie zurücktreten muß.“

Auch der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderski bedauerte Petrys Entscheidung: „Das ist sehr schade. Petry war am Ende nicht mehr erreichbar. Ich hatte es versucht. Das ganze hat bereits in Köln angefangen. Sie hat einen eigenen Wahlkampf geführt. Es werden nicht viele sein, die mit ihr gehen werden.“

Abgeordneten aus mehreren Bundesländern könnten folgen

In der Partei gibt es seit Tagen Gerüchte, wonach sich einige AfD-Abgeordnete aus mehreren Landtagsfraktionen Petry anschließen könnten. Für den Bundestag sagte Gauland, er sähe nicht, daß andere Abgeordnete ihr folgen würden. „Wir sind ein gäriger Haufen. Jetzt ist jemand obergärig geworden.“

Kurz vor der Bundestagswahl war Petry auf Distanz zum AfD-Spitzenduo Alice Weidel und Alexander Gauland gegangen. „Es ist zu erleben, daß sich gerade viele bürgerliche Wähler abwenden. Das liegt auch an Schlagzeilen, wie sie in jüngster Zeit produziert wurden, und bei denen man sich jedes Mal fragt, ob sie tatsächlich wahr und damit ein Skandal sind“, sagte Petry der Leipziger Volkszeitung. (ls/krk)

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