CEUTA. Aufgrund eines ungewöhnlich hohen Ansturms von Migranten sind die Aufnahmezentren auf der spanischen Exklave Ceuta „zusammengebrochen und ausgelastet“, wie der örtliche Regierungschef Juan Jesús Vivas laut Medienberichten am Mittwoch mitteilte. Innerhalb weniger Tage seien mehr als 1.500 Migranten in dem Ort angetroffen. „Wir befinden uns in einer ernsten Lage“, betonte der örtliche Regierungssprecher Alejandro Ramírez.
Ramírez forderte eine „außergewöhnliche und sofortige Reaktion“ der spanischen Regierung. Gerade die vielen minderjährigen Ausländer würden die Stadtverwaltung vor große Herausforderungen stellen. Ohne Hilfe würde sich eine Krise anbahnen. „In den letzten zehn Tagen ist die Zahl der Minderjährigen in unserer Obhut von 180 auf 472 gestiegen“, sagte Ramírez. Das entspreche dem 16-Fachen der normalen Kapazität.
Regierungschef Vivas kritisierte in diesem Zusammenhang ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, das es verbietet, über den Seeweg eingetroffene Migranten sofort und ohne Prüfung ihres Falls zurückzuschicken. Lediglich bei Personen, die gewaltsam Grenzzäune überwinden, ist es gesetzlich erlaubt, sie unter bestimmten Voraussetzungen nach Marokko zurückzuschicken. Da Migranten, die über den Seeweg in spanisches Staatsgebiet eindringen, technisch gesehen keine Grenzsicherung überwinden, gilt diese Regel nach spanischem Gesetz für sie nicht.
Die meisten Migranten sind Algerier und Marokkaner
„Wir glauben, dass die Ausreise von Migranten jetzt unmittelbar und grundlegend erleichtert werden muss“, sagte Ramírez. Er forderte zudem mehr finanzielle Unterstützung aus Madrid. „Diese Situation erfordert den Einsatz außerordentlicher Ressourcen.“ Ceuta ist offiziell Teil des spanischen Staatsgebiets, liegt allerdings an der nordafrikanischen Küste. Die Migranten, darunter auch Minderjährige, sollen den Ort vor allem über den Seeweg erreicht haben. Wieso die Zahl gerade in diesem Sommer derart zunehme, sei unklar, sagte Vivas. Bei den meisten Migranten handelt es sich um Algerier und Marokkaner.
Die spanische Guardia Civil, das Rote Kreuz und Asyl-NGOs sollen die Personen teilweise mit Booten gerettet und dann nach Ceuta gebracht haben. Allein in der Nacht zum Mittwoch sollen auf diese Weise mehr als 100 Migranten angekommen sein. Sie übernachteten in einem völlig überfüllten Aufnahmezentrum.
Bereits 2024 (JF berichtete) und 2023 (JF berichtete) hatte Ceuta unter hohen Anstürmen von Migranten gelitten. 2024 hatten die Ankömmlinge dabei einen Polizisten attackiert und so schwer verletzt, dass er in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. (lb)






