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Charles Kushner: Paris verwehrt US-Botschafter nach Streit um Quentin Deranque Regierungszugang

Charles Kushner: Paris verwehrt US-Botschafter nach Streit um Quentin Deranque Regierungszugang

Charles Kushner: Paris verwehrt US-Botschafter nach Streit um Quentin Deranque Regierungszugang

Erschien trotz Einbestellung nicht zum Termin im Außenministerium von Paris: US-Botschafter Charles Kushner. Foto:picture alliance/dpa/MAXPPP | Philippe Labrosse
Erschien trotz Einbestellung nicht zum Termin im Außenministerium von Paris: US-Botschafter Charles Kushner. Foto:picture alliance/dpa/MAXPPP | Philippe Labrosse
Erschien trotz Einbestellung nicht zum Termin im Außenministerium von Paris: US-Botschafter Charles Kushner. Foto:picture alliance/dpa/MAXPPP | Philippe Labrosse
Charles Kushner
 

Paris verwehrt US-Botschafter nach Streit um Quentin Deranque Regierungszugang

Nach dem tödlichen Angriff auf den 23jährigen Identitären Quentin Deranque eskaliert der Streit zwischen Paris und Washington. Der US-Botschafter bleibt einer Vorladung fern.
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PARIS. Nach dem tödlichen Angriff auf den 23jährigen Identitären Quentin Deranque in Lyon (die JF berichtete) hat sich ein diplomatischer Konflikt zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten zugespitzt. Hintergrund sind scharfe Stellungnahmen aus Washington zu linksextremer Gewalt und die anschließende Vorladung des US-Botschafters Charles Kushner, der dem Termin fernblieb.

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot reagierte mit einer deutlichen Maßnahme: Kushner solle „keinen direkten Zugang mehr zu Mitgliedern der französischen Regierung erhalten“.

Man sehe ein „offensichtliches Unverständnis für die grundlegenden Erwartungen an einen Botschafter“, hieß es aus dem Quai d’Orsay. Eine formelle diplomatische Sanktion im völkerrechtlichen Sinn ist dies nicht. Kushner bleibt offiziell akkreditierter Botschafter und darf seine Aufgaben weiterhin wahrnehmen. Auch Gespräche mit Beamten sind möglich, um – wie es formuliert wurde – „Irritationen auszuräumen, die in einer 250 Jahre alten Freundschaft unvermeidlich auftreten können“.

Washington fordert von Paris Härte gegen Linksextreme

Auslöser der Verstimmung war der Tod von Quentin Deranque, eines 23jährigen Mathematikstudenten und Anhängers der Identitären Bewegung. Er war in Lyon von Linksextremen schwer am Kopf verletzt worden und erlag später seinen Verletzungen. Die Justiz ermittelt gegen sechs mutmaßliche Täter wegen vorsätzlicher Tötung, schwerer Körperverletzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen mehrere Tatverdächtige aus dem Umfeld der inzwischen verbotenen linksextremen Gruppe „Jeune Garde“ stammen.

Das US-Außenministerium erklärte nach der Tat, gewaltbereiter Linksextremismus nehme in Frankreich zu und stelle eine „Bedrohung für die öffentliche Sicherheit“ dar. Die Verantwortlichen müßten zur Rechenschaft gezogen werden. Die amerikanische Botschaft in Paris verbreitete diese Stellungnahme weiter. Paris wertete dies als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten.

Im Vordergrund ist das Bild eines jungen Mannes zu sehen, der Identitäre Quentin D., der von Antifa-Mitgliedern ermordet wurde
Der Fall sorgt für Verstimmungen zwischen Frankreich und den USA. Opfer Quentin D., Foto: Privat / Screenshot

Außenminister Barrot wies die amerikanischen Kommentare entschieden zurück. Frankreich brauche keine Belehrungen. Er verurteilte Versuche, den Mord „für politische Zwecke“ zu instrumentalisieren, und lud Kushner zu einem Gespräch ein. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen entsandte dieser stattdessen einen ranghohen Vertreter. Der Fall hat auch innenpolitisch erhebliche Sprengkraft. Mehrere der mutmaßlichen Täter stehen im Verdacht, dem linksextremen Spektrum nahestehend zu sein. Regierungssprecherin Maud Bregeon warf der Linkspartei La France insoumise (LFI) vor, ein „Klima sich verschärfender Gewalt“ mitzuverantworten. Bildungsminister Philippe Baptiste kündigte an, öffentliche Versammlungen an Universitäten vorübergehend untersagen zu wollen.

Besonders brisant: LFI-Chef Jean-Luc Mélenchon hat seine Unterstützung für die verbotene Antifa-Gruppe „Jeune Garde“ öffentlich unterstrichen. Bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz, zu der nur ausgewählte „neue Medien“ und politische Influencer zugelassen waren, beklagte er eine Kampagne gegen seine Bewegung. Die Nähe zur „Jeune Garde“ bestritt er nicht, sondern rechtfertigte sie. Man habe sich deren Unterstützung gesichert, um eigene Veranstaltungen zu schützen. Die Gruppe habe ihnen „viel darüber beigebracht, wie man die Ruhe bewahrt“, erklärte Mélenchon. (rr)

Erschien trotz Einbestellung nicht zum Termin im Außenministerium von Paris: US-Botschafter Charles Kushner. Foto:picture alliance/dpa/MAXPPP | Philippe Labrosse
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