LONDON. Über 100 jüdische und proisraelische Protestteilnehmer haben den britischen Premierminister Keir Starmer ausgebuht. Der Labour-Politiker besuchte am Donnerstagnachmittag das Londoner Viertel Golders Green, wo ein mutmaßlicher Islamist am Mittwoch zwei Juden niedergestochen hatte (JF berichtete). Die Menge skandierte unter anderem Slogans wie „Keir Starmer, der Judenschädiger“ und nannte den Premier „Verräter“. Jeder zweite Bewohner des Viertels ist jüdischer Herkunft.
🚨 BREAKING: Keir Starmer is booed by Jewish people as he arrives near the Golders Green terror attack scene
🎥 Paul Brand pic.twitter.com/jRSJ2yCArc
— Politics UK (@PolitlcsUK) April 30, 2026
Der Politiker kündigte nach seinem Besuch an, die Polizeipräsenz um jüdische Gemeinschaften herum zu stärken sowie Vereine zu bekämpfen, die „antisemitischen Extremismus“ propagierten. „Antisemitismus ist ein uraltes, tiefsitzendes Hassgefühl. Die Geschichte zeigt, dass seine Wurzeln tief reichen und dass er wieder aufkeimt, wenn man ihm den Rücken zukehrt“, betonte er.
Reform UK fordert Passentzug für den Täter
Unterdessen kamen neue Details zum mutmaßlichen Täter ans Licht. Dabei soll es sich um den 45jährigen Essa Suleiman, einen Somalier mit britischem Pass, handeln, berichtet der Nachrichtensender Sky News unter Berufung auf Quellen innerhalb der Londoner Polizei. Der Beschuldigte war bereits 2020 an das staatliche Präventionsprogramm „Prevent“ verwiesen worden, allerdings ohne Folgen. Zudem war er laut der Polizei aufgrund einer Vorgeschichte von schwerer Gewalt und psychischen Problemen aufgefallen. Bereits 2008 hatte er zwei Beamte und einen Polizeihund mit einem Messer attackiert.
Der innenpolitische Sprecher von Nigel Farages Reform UK, Zia Yusuf, forderte den Entzug der Staatsbürgerschaft für Suleiman. „Sollte er für schuldig befunden werden, würde ich die bereits bestehenden Vorschriften dafür nutzen.“ Auch kritisierte er das Präventionsprogramm der Regierung. „Statt Prävention sollte es ’Unterstützung’ im Namen tragen.“
So now we learn that this was YET another stabbing by a man who had been previously referred to PREVENT.
Just like Rudakabana.
At this point, if PREVENT were being honest it would rename itself FACILITATE. pic.twitter.com/0Yd2pKRz74
— Zia Yusuf (@ZiaYusufUK) April 30, 2026
Starmer droht ein Wahldebakel im Mai
Zur Tat bekannte sich die proiranische Gruppierung Harakat Aschab al-Jamin al-Islamia (HAYI). Mitte April hatte sie behauptet, für einen Sprengstoffanschlag auf ein israelisches Restaurant in München verantwortlich gewesen zu sein. Ihre Videos werden unter anderem auf den Kanälen der Miliz Hisbollah sowie der iranischen Revolutionsgarden verbreitet. Bereits im März waren in der Nähe des Tatorts Krankenwagen einer jüdischen Gemeinde durch Brandstiftung zerstört worden. Zwei britische Staatsbürger pakistanischer Herkunft waren kurz darauf festgenommen worden. Auch dazu bekannte sich die HAYI.
Der Messerangriff geschah rund eine Woche vor den Regionalwahlen in Großbritannien, bei denen Starmers Regierungspartei deutliche Verluste drohen. Am 7. Mai wählen die Bürger mehr als 5.000 Vertreter in insgesamt 136 Kommunalvertretungen sowie die Regionalparlamente in Schottland und Wales. Laut einer neuen Umfrage des Instituts Lord Ashcroft könnte Labour rund 1.850 von derzeit über 2.500 Sitzen auf kommunaler Ebene verlieren. In der einstigen Hochburg Wales liegt sie laut YouGov mit 13 Prozent auf Platz drei, hinter Reform UK und der linksseparatistischen Partei Plaid Cymru. (kuk)







