PARIS. Die Verurteilung der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement National (RN) (JF berichtete), Marine Le Pen, hat bei der französischen Linken für Jubel gesorgt. Die Parlamentsabgeordnete der linksextremen La France insoumise, Danielle Simonnet, schrieb auf X von der „kriminellen Le Pen“, die für „ihre zwölfjährige Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt“ worden sei. „Die Maske fällt, die Hände sind schmutzig und die Köpfe gesenkt“, schrieb Simonnet. Die Vorsitzende der Grünen, Marine Tondelier, forderte Le Pen auf, sich für ihre vorangegangene Kritik an den Richtern zu entschuldigen. Sie solle stattdessen anerkennen, dass sie im Vergleich zu anderen französischen Angeklagten von einer „Vorzugsbehandlung“ profitiert habe.
Unparteiisch gab sich hingegen der amtierende Präsident Emmanuel Macron. „Für die Demokratie ist es gesund, dass der Präsident sich nicht zu richterlichen Entscheidungen äußert“, sagte er während eines Besuchs in Syrien.
Linke Politikerin: „2027 werden wir aufräumen und sie loswerden“
Der Grünen-Abgeordnete Benjamin Lucas kommentierte: „Le Pen ist schuldig. Sie hat Europäer und Franzosen bestohlen. Sie ist eine Kriminelle.“ Der sozialistische Abgeordnete Arthur Delaporte warf dem mutmaßlichen RN-Präsidentschaftskandidat Jordan Bardella vor, ebenfalls Teil eines korupten Systems zu sein, für das der RN stehe: „Es ist ein Gerichtsurteil, das eines bestätigt: Es gibt eine Partei, die ein System der Veruntreuung öffentlicher Gelder organisiert hat, und sie wurde dafür verurteilt.“ Bardella stehe damit an der Spitze einer korrupten Partei.
Auch die EU-Abgeordnete der linksextremen Partei La France insoumise, Manon Aubry, beschuldigte Bardella, korrupt zu sein: „Ob Marine Le Pen oder Jordan Bardella – beide sind gleichermaßen geschickt darin, öffentliche Gelder zu veruntreuen. 2027 werden wir aufräumen und sie loswerden“, schrieb Aubry auf X.
Le RN est entré en politique avec le slogan « tête haute, mains propres », ils en sortent « tête basse, mains sales ».
Que ce soit Marine Le Pen ou Jordan Bardella le candidat du RN, ils sont aussi forts dans le détournement de fonds publics. Le bracelet électronique en plus…
— Manon Aubry (@ManonAubryFr) July 7, 2026
Le Pens Anwalt ist „teilweise zufrieden“
Le Pens Anwalt, Rodolphe Bosselut, erklärte, er sei mit dem Urteil „teilweise zufrieden“. Die Richter hätten explizit erwähnt, dass die französischen Wähler die Freiheit hätten, sich einen Präsidentschaftskandidaten zu wählen. „Wir nehmen eine deutliche Verringerung der Strafe wahr“, betonte er. Es gebe noch keine Entscheidung darüber, ob das Team von Le Pen plane, Berufung einzulegen.
Unter welchen genauen Umständen Le Pen ihren einjährigen Hausarrest antreten soll, ist noch unklar und soll bei einem weiteren Termin bestimmt werden. Möglicherweise wird sie ihr Haus zu bestimmten Anlässen verlassen dürfen – etwa aus geschäftlichen und familiären Gründen. (lb)






