DAVOS. Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, arbeitet offenbar an einer Rückkehr in das von ihm aufgebaute Netzwerk. Nach Informationen des Wall Street Journal schrieb der 88-Jährige zuletzt Briefe an Mitglieder des Kuratoriums. Darin soll er Forderungen gestellt, rechtliche Schritte angedroht und eine beratende Rolle verlangt haben.
Diese Rolle würde ihm dem Bericht zufolge Einfluss auf die künftige Führung des Weltwirtschaftsforums geben. Schwab war im vergangenen Jahr als Vorsitzender des Forums zurückgetreten, nachdem es zum Konflikt mit dem Vorstand über eine interne Untersuchung gekommen war (die JF berichtete).
Auslöser waren Vorwürfe eines Whistleblowers. Dabei ging es unter anderem um nicht genehmigte Ausgaben und den Umgang mit Mitarbeitern. Das Weltwirtschaftsforum erklärte später öffentlich, es habe keine Hinweise auf „wesentliches Fehlverhalten“ Schwabs gegeben.
Interne Unterlagen, über die das Wall Street Journal berichtet, sollen jedoch ein deutlich anderes Bild zeichnen. Die von Anwälten erhobenen Befunde hätten Fälle von Diskriminierung und Mobbing, den Missbrauch von Unternehmensmitteln und Verstöße gegen die Datenintegrität enthalten. Nach dem Bericht soll Schwab darum gebeten haben, einige dieser Ergebnisse nicht öffentlich zu machen. Öffentlich sprach das Forum später nur davon, manche Mitarbeiter hätten sich nicht zu ihrer Zufriedenheit behandelt gefühlt. Die interne Darstellung fiel demnach wesentlich schärfer aus.
Schwab will mit seiner Frau auf bezahlte Abschiedstour gehen
Auch beim Umgang mit Geld und Sachleistungen sollen die internen Befunde belastend gewesen sein. Dem Bericht zufolge wurde ein Muster beschrieben, bei dem Schwab und seine Frau Hilde das Forum zur Finanzierung ihres luxuriösen Lebensstils genutzt hätten. Genannt wurden unter anderem private Reisen, Firmenfahrzeuge für private Zwecke und teure Geschenke.
Besonders heikel sind auch Vorwürfe zur Datenintegrität. Laut den internen Befunden soll es Eingriffe in Berichte des Weltwirtschaftsforums gegeben haben, um politische Beziehungen zu schützen. So sei etwa eine Verbesserung der britischen Platzierung in einem Wettbewerbsbericht verschoben worden, weil Schwab nicht gewollt habe, dass dies vom Brexit-Lager genutzt werde.
Schwab verlangt laut dem Bericht nun wieder Zugang zu Räumen und Kommunikationskanälen des Forums. Außerdem wünsche er Abschiedsbesuche für sich und seine Frau an Auslandsstandorten, persönlichen Schutz sowie die Übernahme mindestens der Hälfte seiner privaten Rechtskosten im Streit mit dem Forum. Mit Schwab und seiner Frau waren im vergangenen Jahr bereits Ausstiegsvereinbarungen getroffen worden.

Schwabs kassierten bereits für ihren Auszug
Das Kuratorium bewilligte dem Bericht zufolge eine Pensionszahlung im Gegenwert von rund sieben Millionen Dollar, zusätzlich zu einer regulären Schweizer Pension. Außerdem soll es eine weitere Zahlung von etwa 200.000 Dollar gegeben haben, unter anderem für den Auszug aus den Büroräumen und eine private Assistentin.
Im Gegenzug habe Schwab zugesagt, keine aktive Rolle mehr im Weltwirtschaftsforum zu übernehmen. Seine neuen Forderungen stehen damit im Widerspruch zu der Vereinbarung, die seinen Rückzug eigentlich regeln sollte.






