OSLO/DAVOS. Der Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF), Børge Brende, hat am Donnerstag seinen Rücktritt erklärt. „Ich bin dankbar für die unglaubliche Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, Partnern und Mitgliedern und glaube, daß jetzt der richtige Zeitpunkt für das Forum gekommen ist, seine wichtige Arbeit ohne Ablenkungen fortzusetzen“, begründete der 60jährige Norweger den Schritt.
Der Entscheidung war eine Untersuchung vorausgegangen, die Brendes Kontakte zum US-amerikanischen Investmentbanker und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufklären sollte. Damit räumte eine weitere prominente Person wegen der Enthüllungen über den Epstein-Komplex ihren Posten. In seinem letzten Jahr als WEF-Präsident strich Brende 1,9 Millionen Dollar für seine Tätigkeit an der Spitze der als gemeinnützige Stiftung gelisteten Organisation ein.
Die Co-Vorsitzenden des Stiftungsrats, Roche-Vizepräsident André Hoffmann und Blackrock-Vorsitzender Larry Fink, nahmen den Rückzug zur Kenntnis und dankten Brende für seine Tätigkeit als WEF-Präsident. Sein Engagement und seine Führungsqualitäten seien von großer Bedeutung gewesen und hätten zu einer erfolgreichen Jahrestagung in Davos geführt, betonten Hoffmann und Fink. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers übernimmt der derzeitige Managing Director des WEF, Alois Zwinggi, kommissarisch die Leitung. Der Stiftungsrat will nun den Prozeß zur Findung eines dauerhaften Präsidenten einleiten.
„Ich freue mich schon“, antwortete WEF-Präsident Brende Epsteins Assistentin
Aus Unterlagen des US-Justizministeriums geht unter anderem hervor, daß der ehemalige norwegische Außenminister Brende drei Geschäftsessen mit Epstein wahrnahm und darüber hinaus per E-Mail sowie Kurznachrichten mit dem 2019 verstorbenen US-Multimillionär in Verbindung stand. Insgesamt sollen die beiden mehr als 100 Nachrichten ausgetauscht haben, wie der Schweizer Tages-Anzeiger berichtete.
Darin soll Brende Epstein zugestimmt haben, Davos – gemeint ist das dort tagende Weltwirtschaftsforum – könne die UN ersetzen. Das WEF steht immer wieder in der Kritik, als Organisation Einfluß auf die Welt zu nehmen.
In einer Mail aus dem Jahr 2018 schrieb Epstein an den Tech-Investor Peter Thiel: „Vielleicht gefällt dir der Kopf von Davos, Brende, in dieser Woche in New York.“ Epsteins Vertraute Lesley Groff bestätigte in einer anderen Mail ein Abendessen in Epsteins New Yorker Privathaus. Mit dabei soll auch der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon gewesen sein. „Ich freue mich schon“, antwortete Brende darauf. Noch im November 2025 hatte er erklärt, nie in Kontakt mit Epstein gekommen zu sein.
Norwegen wird von Skandal eingeholt
Brende ist nicht der erste Norweger, der wegen Erwähnungen in den Epstein-Akten in Erklärungsnot geriet. Seit der Teilveröffentlichung der Daten durch das US-Justizministerium war bereits Kronprinzessin Mette-Marit wegen ihrer Freundschaft zu Epstein in Bedrängnis geraten.
Der frühere Regierungschef Norwegens, Thorbjørn Jagland, hatte kürzlich einen Suizidversuch begangen, nachdem gegen ihn eine Anklage wegen schwerer Korruption erhoben worden war. Der Korruptionsvorwurf fußt darauf, daß Jagland und weitere seiner Familienangehörigen mehrfach in Epsteins Wohnungen übernachtet haben. Ein weiterer Fall aus Norwegen betraf die Diplomatin Mona Juul. Sie wurde Anfang des Jahres abberufen, nachdem bekannt worden war, daß Epstein ihre Kinder testamentarisch mit jeweils fünf Millionen Dollar begünstigt hatte.
Der Epstein-Fall ist international
Nicht nur in Norwegen hatten die neuesten Enthüllungen im Fall Epstein Konsequenzen. In Großbritannien verlor Prinz Andrew erst seinen Titel, nun wird gegen ihn wegen Amtsmißbrauchs ermittelt. Seine Vernehmung fand an seinem 66. Geburtstag statt. Eine Anklage und Verurteilung könnten für den nun als Mountbatten-Windsor lebenden Ex-Royal lebenslange Haft bedeuten.
Das gleiche Schicksal könnte den ehemaligen britischen Botschafter in den USA und vorherigen stellvertretenden Premierminister Peter Baron Mandelson ereilen. Auch gegen ihn wird wegen Amtsmißbrauchs und der Weitergabe von Regierungsdokumenten an Epstein ermittelt.
Der Epstein-Skandal weitet sich mittlerweile auf immer mehr Länder und Branchen aus, so daß zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens mit Vorwürfen konfrontiert sind. Viele von ihnen räumen dabei einen Kontakt zu Epstein ein, betonen jedoch, nicht in kriminelle Machenschaften involviert gewesen zu sein. Microsoft-Gründer Bill Gates etwa gab zu, Affären mit russischen Frauen gehabt zu haben, während er noch mit seiner Ehefrau Melinda liiert war. Mit Epsteins Mißbrauchsring will Gates nichts zu tun gehabt haben. (rsz)








