BRINDISI. Ein brisantes Frontex-Video hat neue Ermittlungen gegen die deutsche NGO Sea-Watch ausgelöst. Die Aufnahmen vom 11. Mai zeigen nach Berichten italienischer Medien, wie maskierte Männer vor der libyschen Küste rund 90 Migranten an Beiboote der „Sea-Watch 5“ übergeben.
Gefilmt wurde die Szene demnach vom Frontex-Überwachungsflugzeug „Eagle 1“. Zu sehen sei ein Schnellboot mit fünf vermummten Männern in paramilitärischer Kleidung.
Die „Sea-Watch 5“ habe zwei Beiboote ausgesetzt, die Migranten seien der Reihe nach umgestiegen. Von hektischer Seenot ist auf den beschriebenen Aufnahmen wenig zu erkennen. Es sind weder Menschen im Wasser noch ein sinkendes Boot zu sehen. Die See wirkt ruhig, die Migranten tragen Schwimmwesten. Nach der Übergabe soll einer der maskierten Männer den Daumen gehoben haben, bevor das Schnellboot zurück Richtung Libyen fuhr.
Frontex-Material belastet Sea-Watch schwer.
Statt Seenotrettung zeigen die Aufnahmen von Frontex eine koordinierte Übergabe von Migranten durch maskierte Schleuser direkt an die Sea-Watch 5 auf offener See. Kein Notruf, keine Panik, kein sinkendes Schlauchboot, stattdessen ein… pic.twitter.com/gbmw836aYL
— Dara 🇩🇪 (@Raeubertochtah) July 23, 2026
Nach Frontex-Video: Ermittlungen gegen Kapitän
Die Staatsanwaltschaft Brindisi ermittelt nun gegen den niederländischen Kapitän der „Sea-Watch 5“. Der Verdacht lautet auf Beihilfe zur unerlaubten Einreise. Das Schiff lief wenige Tage nach dem Vorfall mit insgesamt 166 Migranten im Hafen von Brindisi ein. Dort sicherten Küstenwache und Polizei Unterlagen und Ausrüstung. Eine Anklage gibt es bislang nicht.
Sea-Watch weist den Vorwurf einer Zusammenarbeit mit Schleusern zurück. Die Organisation spricht von einer „Diffamierungskampagne“ und erklärt, die Crew habe ein überfülltes Boot in Seenot entdeckt. Zwei Menschen seien bewusstlos gewesen, mehrere weitere geschwächt, andere unter Deck eingeschlossen. Das ruhige Verhalten der Besatzung sei Deeskalation gewesen.
Ex-Frontex-Chef Fabrice Leggeri und Politiker des französischen Rassemblement National sehen sich durch die Aufnahmen bestätigt. Sie werfen privaten Seenotrettern seit Jahren vor, Schleuserketten im zentralen Mittelmeer faktisch zu entlasten. Entscheiden muss nun die italienische Justiz. (rr)






