Debatte über No-Deal-Szenario

Brexit: Johnson glaubt an Entgegenkommen Brüssels

LONDON. Die britische Regierung ist offenbar fest davon überzeugt, daß die EU aus Angst vor einem Brexit ohne Abkommen an den Verhandlungstisch zurückkommen wird. „Die EU wird uns einen besseren Deal geben, denn wenn sie es nicht tut, ist Irland am Arsch“, zitiert die Sun ein nicht namentlich genanntes Kabinettsmitglied. Wenn es kein Abkommen gebe, schade dies Großbritannien, der EU und Irland – „aber Irland am meisten“.

Im Kabinett von Premierminister Boris Johnson geht man davon aus, daß die EU nach dem 9. September London ein weiteres Verhandlungsangebot unterbreiten wird. An diesem Tag plant ein überparteiliches Bündnis von Abgeordneten des Unterhauses, die sich für einen Verbleib in der EU stark machen, eine neue Abstimmung über die Verlängerung der Austrittsfrist. Diese läuft nach jetzigem Stand am 31. Oktober aus.

Bolton kritisiert EU scharf

„Wenn es einen Deal gibt, wird der sehr spät kommen“, erklärt das Kabinettsmitglied weiter. Anders als seine Amtsvorgängerin Theresa May, die mit ihrem mit Brüssel ausgehandelten Austrittsabkommen mehrfach im Parlament gescheitert war, hat Johnson angekündigt, das Land bis Ende Oktober aus dem Staatenbündnis zu führen – notfalls auch ohne Abkommen. Die Briten hatten in einem Referendum am 23. Juni 2016 dafür votiert, die seit 1973 bestehende EU-Mitgliedschaft aufzukündigen.

Unterstützung erhielt das Brexit-Lager unterdessen vom Nationalen Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton. Er versprach, Großbritannien genieße eine Vorzugsbehandlung bei der Aushandlung eines Freihandelsabkommens beider Länder. Um dafür den Weg freizumachen, solle das Land „den Brexit so bald wie möglich“ über die Bühne bringen, sagte Bolton nach einem Treffen mit Johnson am Montag.

Sowohl er als auch Präsident Trump seien „Leavers“ gewesen, bevor es „Leavers“ gab. Mit der EU ging Bolton hart ins Gericht. Die Herangehensweise der EU an Entscheidungen, die ihr nicht paßten, sei: „Laßt die Bauern nochmal wählen.“ (tb)

Premierminister Boris Johnson bei einer Sitzung seines Kabinetts Foto: picture alliance / AP Photo

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