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„Alle haben mitgemacht“

Geduldig lauschen die rund 300 Gäste den Rednern auf dem Podium. Strömender Regen prasselt nieder, eine Mauer aus Regenschirmen hat sich über den Kölner Appellhofplatz gespannt. Die Domstadt weiht ein Denkmal ein. Es soll an Deserteure der Wehrmacht und „Opfer der Militärjustiz“ erinnern. Eine schwarze Plastikfolie umhüllt das Bauwerk, das 133.000 Euro gekostet hat. Allein 120.000 Euro wurden von der Stadt Köln beigesteuert. Die restlichen 13.000 Euro hatten die Initiatoren durch Spenden eingetrieben.

Das Denkmal wird enthüllt, der schwarze „Umhang“ abgenommen. Zum Vorschein kommt – nun ja – etwas, das einer Bushaltestelle äußerst ähnlich sieht. Eine äußerst teure Bushaltestelle. Eine von einem Metallgerüst getragene Pergola, die aus farbigen Aluminiumbuchstaben besteht und von dem Schweizer Künstler Ruedi Baur entworfen wurde.

Der Tag der Einweihung ist nicht zufällig gewählt. Es ist der 1. September, der 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Das nur spärlich erschienene Publikum fällt durch seine einseitige politische Ausrichtung schnell ins Auge. Zahlreiche Regenschirme tragen ein Gewerkschaftsemblem, einige Sozialdemokraten begrüßen sich, Grün-Alternative sind da, Linke sowie die linksextreme Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinte Kriegsdienstgegnern (DFG-VK). Autonome mit schwarzen Kapuzen streifen umher, kontrollieren die Gegend.

Das machen auch Polizeibeamte. Sie waren verstärkt am Appellhofplatz eingesetzt, da eine Gegendemonstration angekündigt war. Die wurde jedoch vom Oberverwaltungsgericht Münster untersagt. „Daß ich an dieser Stelle hier die Polizei begrüßen muß, ist eigentlich unerträglich“, ruft Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes den Gästen entgegen. Sie ist die Ex-Ehefrau des ehemaligen Kölner Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes, der während seiner Amtszeit Hilfstransporte für das kommunistische Kuba organisierte und 1998 von Fidel Castro persönlich mit dem kubanischen Freundschaftsorden ausgezeichnet wurde. „Hoffen wir, daß die braune Soße wegbleibt“, führt die Politikerin weiter aus. Daß sich zahlreiche Linksextremisten unter den Anwesenden tummeln, stört hier niemanden. Kein Protest von Sozialdemokraten, keine Empörung bei Gewerkschaftern. Wie auch. Schließlich war es die Linkspartei, die im Kölner Stadtrat den Antrag auf Errichtung des Deserteursdenkmals gestellt hatte. Und der schließlich auch mit den Stimmen von CDU, FDP, SPD und Grünen angenommen wurde. „Alle haben mitgemacht“, freut sich ein ehrenamtlicher Mitarbeiter der direkt am Appellhofplatz befindlichen NS-Dokumentationsstelle der Stadt Köln. Sogar die DKP sei mit dabei gewesen. „Einzelne Bürger“ hätten die Initiative für das Projekt ergriffen, ist von den Rednern immer wieder aufs neue zu vernehmen. Von einer „Projektgruppe“ ist die Rede, einem „breiten Bürgerbündnis“, das sich für die Errichtung des Denkmals eingesetzt habe. Dieses „breite Bürgerbündnis“ sei dann an die Linkspartei herangetreten, die die Idee aufgegriffen und einen entsprechenden Antrag formuliert habe. Mit dem Stadtratsbeschluß im Rücken machte sich die Projektgruppe ans Werk. „Wir haben dann versucht, den Antrag der Linkspartei umzusetzen“, erklärt Elvira Högemann vom Kölner Friedensforum, die auch Mitglied der Projektgruppe ist.

Und für den Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann geht an diesem Tag  „ein langer Traum in Erfüllung“, wie er sagt. Der 87jährige war 1942 in Frankreich fahnenflüchtig geworden, als er sich mit Hilfe französischer Freunde in die Vereinigten Staaten absetzen wollte. Dabei war er an der Demarkationslinie von einer deutschen Zollstreife gefaßt und zum Tode verurteilt worden. Weil sein Vater über gute Wehrmachtskontakte verfügte, überlebte er. Die Todesstrafe war in eine zwölfjährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden. Baumann, der heute Vorsitzender der „Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz“ ist, kritisierte in diesem Zusammenhang auch das Engagement der Bundeswehr in Afghanistan sowie den von der damaligen rot-grünen Bundesregierung mitgetragenen Kosovo-Krieg. „Was haben wir da zu suchen?“, fragte der ehemalige Marinegefreite und merkte an: „Was würden wir sagen, wenn Afrikaner plötzlich an Rhein und Alpen einmarschieren?“

Unterdessen wurde wenige Tage zuvor an der historischen Kölner Eigelsteintorburg ein Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges mit roter Farbe geschändet. Dort wollten einen Tag später einige Bürger einen Kranz niederlegen. Bei dem Denkmal handelt es sich um die Überreste eines Rettungsbootes, das an die Rettung eines deutschen Matrosen erinnert, der bei der Versenkung des Kleinen Kreuzers SMS Cöln am 28. August 1914 vor Helgoland überlebte. Beim Untergang des Kriegsschiffes fanden 484 Menschen den Tod.

Foto: Enthüllung des Denkmals für Deserteure: „Hoffen wir, daß die braune Soße wegbleibt“

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