BERLIN. Das Jugendformat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Funk, hat sich nach einer großen Kritikwelle von einem Beitrag distanziert, in dem es die Bibel als „Müll“ bezeichnet hatte. „Dieser Zusammenhang entspricht ausdrücklich nicht der redaktionellen Haltung von Funk“, teilte ein Funk-Sprecher gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. „Die Formulierung ‚Müll‘ sollte im Kontext des Beitrags Gegenstände bezeichnen, die ohne menschlichen Einfluss nicht an dem betreffenden Ort wären.“ Dem Jugendformat sei jedoch bewusst, „dass diese Wortwahl im Zusammenhang mit der Bibel als irritierend oder verletzend wahrgenommen werden kann“.
Funk habe vorgehabt, „einen wissenschaftlichen Sachverhalt plattformgerecht aufzubereiten“. Aus dem Vorfall wolle das Netzwerk Konsequenzen ziehen. „Wir nehmen die geäußerte Kritik sehr ernst, prüfen diese sorgfältig und werden entsprechende Maßnahmen ergreifen, um künftig eine sensiblere und kontextgerechtere Kommunikation sicherzustellen.“
Funk zeigte Bibel als Beispiel für Müll auf dem Mond
In dem Beitrag listete Funk verschiedene Beispiele für „Müll auf dem Mond“ auf (JF berichtete). Neben Asche, zwei Golfbällen und 96 Beuteln mit menschlichen Ausscheidungen führte das Netzwerk von ARD und ZDF eine Bibel auf.

„Für den Weg der Raumfahrzeuge zurück auf die Erde muss so viel Platz und Gewicht wie möglich frei gemacht werden, um Mondgestein und Ähnliches zur Erde zurückzutransportieren“, schrieb das Jugendformat in den Kommentaren. „Deswegen werden selbst Kot, Urin oder Erbrochenes dort zurückgelassen.“
Erster Erklärungsversuch mit unbekannter Definition
Nach einer Empörungswelle verteidigte das ARD- und ZDF-Jugendformat den Beitrag in den Kommentaren auf Instagram. „Das Wort ‚Müll‘ ist hier nicht abwertend gemeint, sondern steht für Gegenstände, die ohne menschlichen Einfluss eben nicht dort wären“, rechtfertigte sich Funk. „Die Bibel oder eine Urne sind natürlich kein Müll.“

Hingegen definiert etwa der Duden den Begriff ganz anders. Müll ist „fester Abfall eines Haushalts, Industriebetriebs oder Ähnlichem, der in bestimmten Behältern gesammelt [und von der Müllabfuhr abgeholt] wird“.
Auch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert Müll als „in Haushalten und Unternehmen anfallende Abfallstoffe, die meist gesammelt, weggeworfen und anschließend deponiert, verbrannt, recycelt oder anderweitig entsorgt werden“. Übertragen könne etwas als Müll bezeichnet werden, „das sich als unpraktisch, unbrauchbar, wertlos oder Ähnliches erweist“. Beide Wörterbücher geben als Synonyme „Abfall“ und „Unrat“ an. (mas)





