Die kommenden Tage
Dystopien inspirieren Filmmacher: Szene aus dem Film „Die kommenden Tage“ Foto: picture alliance/Everett Collection
Krisen und Dystopien als Inspiration

Der pessimistische Blick der Filmemacher auf die Zukunft

In Zeiten wie diesen, in denen eine apokalyptische Corona-Nachricht die andere jagt, liegt der Gedanke nah: Träumen wir eigentlich? Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk sendet eine Diskussionsrunde nach der anderen mit immer denselben Virus-Experten in unser Wohnzimmer. So langsam scheinen uns diese Experten so vertraut, daß wir sie bei ihrem Vornamen ansprechen würden, träfen wir sie auf der Straße. Was reden denn da eigentlich diese Politiker, die von uns nur als „die Menschen“ sprechen und nicht mehr vom „wir“, was sie ja mit einschließen würde.

Und wir fragen uns in einer stillen Minute: Bilden wir uns das alles ein? Irgendwoher kennen wir doch diese Geschichte. Ein Déjà-vu kann es nicht sein. Vielleicht eher ein altes Drehbuch, das wieder verfilmt wird – und wir sind exklusiv bei den Dreharbeiten vor Ort, vielmehr: Wir sind mitten drin, mindestens als Komparsen. Doch was sind das für Vorlagen, für Blaupausen für diese Pandemie?

Mit dem Atom-U-Boot nach Australien

Es dauert nicht lang, um sich wieder zu erinnern. An Filme, die heute leider nicht einmal mehr in irgendeinem abseitigen kulturbeflissenen Spartensender um ein Uhr morgens gesendet würden. Hier eine kleine Auswahl von Utopien, Fiktionen und leider einigen Dystopien – die gar nicht so realitätsfern sind.

Die Angst hat tausend Namen – Der britische Spielfilm aus dem Jahr 1957 erzählt die wahre Geschichte einiger Menschen auf einem überfüllten Rettungsboot. Wer darf überleben, wer nicht. Wer entscheidet und unter welchen Prämissen? Es bleibt die Frage: „Warum sind die Bösen so stark?“

Das letzte Ufer (On the Beach) – Nach einem Atomkrieg ist die Erde verseucht. Einzig in Australien scheint ein Überleben möglich. Der US-amerikanischer Spielfilm mit Staraufgebot aus dem Jahr 1959 beschreibt den Kampf und das unausweichliche Ende der Mannschaft des fiktiven Atom-U-Bootes 623 Sawfish.

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Feuerwehrmänner, die Brände legen

„… Jahr 2022 … die überleben wollen“ (Soylent Green) – Wenn es nach dem US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1973 geht, wird das Leben im kommenden Jahr in New York ungemütlich. Alte und Gebrechliche begehen in dieser total kontrollierten Welt staatlich geförderten Selbstmord vor einem künstlichen Sonnenuntergang. Die Menschen ernähren sich von einem besonderen Grundnahrungsmittel: Soylent Green, das ist auch der Originaltitel des Films. Die Herrschenden futtern aus gutem Grund etwas anderes.

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Fahrenheit 451 – Der Filmtitel bezeichnet die angebliche Selbstentzündungstemperatur von Papier, ohne Feuer ausgesetzt zu sein. Der britische Film von 1966 handelt von einer Gesellschaft, die ständig unter Drogen steht und pausenlos über das TV bespaßt wird, um sie so unmündig zu halten. Der Besitz und das Lesen von Büchern sind strengstens verboten. Gesinnungsprüfungen sind an der Tagesordnung. Feuer(wehr)männer legen Brände, löschen sie nicht, doch einer von ihnen muckt auf.

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Flucht ins 23. Jahrhundert (Logan´s run) – Es lebt sich angenehm tief unter der Erde im 23. Jahrhundert. Dafür sorgt angeblich ein allwissender Großcomputer, der die Bewohner von der bösen Außenwelt abschottet. Mit Erreichen des 30. Lebensjahres werden die Bewohner angeblich erneuert, was allerdings so nicht ganz stimmt. Der US-amerikanische Spielfilm stammt aus dem Jahr 1976.

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Dystopie einer drogenstützten Überwachungsgesellschaft

Die Hamburger Krankheit – In dieser deutsch-französischen Gemeinschaftsproduktion aus dem Jahr 1979 sterben die Menschen auf ihrer Flucht aus der abgeschotteten Hansestadt wie die Fliegen an einer Seuche. Der Film zeichnet das Schicksal eines sterbenden Arztes, von Krisengewinnlern, Impfverweigerern und Gangstern nach.

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THX 1138 – Ob der Film noch Vision oder schon Abbildung der Wirklichkeit sei, fragte ein Kritiker. Verstörend sei er allemal. Der US-Film aus dem Jahr 1971 schildert eine Gesellschaft, die vollautomatisiert und kontrolliert ist. Menschen haben keine Namen, sondern sechsstellige Kennzeichen. Geschlechtsverkehr und jede Gefühlsregung sind verboten, es zählt einzig die hohe Leistungsfähigkeit. Dazu werden die Menschen ständig unter Drogen gesetzt. Zwei von ihnen setzen allerdings die Drogen heimlich ab.

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Filmemacher wagen den Blick in die Zukunft

Das Millionenspiel – Was 1970 noch grimmige Medienkritik war, ist heute (fast) Wirklichkeit. Der deutsche Fernsehfilm erzählt die Geschichte der Fernsehshow eines privaten TV-Senders, in der zur Menschenjagd aufgerufen wird. Eine Woche lang muß ein Kandidat vor Auftragskillern flüchten. Das Publikum, nein, die ganze Bevölkerung ist aufgerufen, mitzumachen, in dem es entweder den ein Kandidat oder die Killer unterstützt. Sportjournalisten kommentieren die Jagd.

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Welt am Draht (World on a Wire) – Der deutsche Fernsehfilm aus dem Jahr 1973 wirft verschiedene Fragen auf: Was ist Realität und was Fiktion? Und wie viele Ebenen der Fiktion gibt es eigentlich? Wie wird diese Fiktion ermöglicht? Warum verschwinden Menschen, als seien sie niemals da gewesen? Und warum will nicht nur Einstein in eine andere Dimension?

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Die kommenden Tage – Vor dem Hintergrund einer afrikanischen Masseneinwanderung nach Europa, Krieg, Abschottung und dem absehbaren globalen Zusammenbruch erzählt der deutsche Film aus dem Jahr 2010 die Geschichte zweier ungleicher Schwestern und ihren Familien. Die eine schließt sich einer Terrorgruppe an, um die Gesellschaft zu zerstören. Die andere will studieren und Kinder kriegen. Es gibt am Ende des Films, im Jahr 2020, keine Gewinner.

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Dystopien inspirieren Filmmacher: Szene aus dem Film „Die kommenden Tage“ Foto: picture alliance/Everett Collection

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