„Markiertes“ Bismarck-Denkmal in Hamburg, „Tear this shit down“-Website Fotos: picture alliance/Jonas Klüter/dpa / Screenshots www.tearthisdown.com/ / JF-Montage
„Markiertes“ Bismarck-Denkmal in Hamburg, „Tear this shit down“-Website Fotos: picture alliance/Jonas Klüter/dpa / Screenshots www.tearthisdown.com/ / JF-Montage
„Künstlerkollektiv Peng!“

„Reißt diesen Scheiß nieder“: Künstler wollen deutsche Straßen säubern

Manch einer dürfte sich nach dem wochenlangen, mitunter hysterischen Kampf gegen eingebildeten und tatsächlichen Rassismus denken: Verrückter kann es nicht mehr werden. Anhänger der „Black Lives Matter“-Bewegung (BLM) im US-Bundesstaat Wisconstin stürzten die Statue eines Norwegers, der sich für ein Ende des Sklaventums einsetzte und in einem Freiwilligenregiment im Bürgerkrieg gegen das Südstaaten-Heer kämpfte.

Im britischen Leicester forderten Tausende, eine Statue des indischen Freiheitskämpfers Mahatma Gandhi zu entfernen. Der Autor und BLM-Anhänger Shaun King fordert, weiße Jesusstatuen und andere Darstellung zu zerstören, da diese eine Form von „White Supremacy“ darstelle.

Verrückter kann es also nicht mehr werden? Doch. Zumindest will das „Künstlerkollektiv Peng!“ dafür sorgen. Am Donnerstag teilte „Peng!“ mit: „Deutschland, we have a problem! Deine Straßen und Denkmäler sind auch 2020 immer noch nach kolonialistischen Verbrechern benannt!“ Zusammen mit der „Initiative schwarzer Menschen in Deutschland“ habe man eine Karte erstellt, „die vor Markern nur so überfließt“. Deutschland soll flächendeckend gesäubert werden.

Was getan werden müsse, „wenn die Denkmäler gefallen sind“

Auf einer entsprechenden Webseite mit dem Titel „Tear this shit down“ („Reißt diesen Scheiß nieder“) sind mehrere Dutzende „kolonialistische Namen im öffentlichen Raum“ eingezeichnet. Darunter befinden sich zumeist Namen von Straßen, aber auch von Gedenktafeln, Denkmälern oder Kirchen. Leser werden dazu aufgefordert, die Liste zu ergänzen.

Die Karte ist aber nur der eine Teil der neuen Kampagne. Die Macher fordern auch dazu auf, Statuen niederzureißen. „Verbrecher für Verbrechen“ zu ehren: „Das geht nicht! Kopf ab, runter vom Sockel, Farbe drauf, Schild drüber – die Möglichkeiten sind vielfältig.“ Unliebsame Statuen nur zu markieren, reiche nicht aus. „Wir suchen andere Formen.“

Die „Aktivisten im Kampf gegen die Barbarei unserer Zeit“ geben passenderweise auch gleich Vorschläge mit auf den Weg, was getan werden müsse, „wenn die Denkmäler gefallen sind“. Unter dem Punkt „Runter vom Sockel! Und dann?“ heißt es: „Wo ein Denkmal fällt, soll ein Mahnmal entstehen oder die Sockel werden befreit, um Platz für Gestaltung von Künstler*innen aus den ehemaligen Kolonien und der hiesigen Schwarzen Community zu schaffen.“ Zugleich wird auf der Website noch auf verschiedene Initiativen verwiesen, die sich beispielsweise für eine „postkoloniale“ Stadt einsetzen.

Bereits ähnliche Aktionen in der Vergangenheit

Es ist nicht das erste Mal, daß „Peng!“ mit einer solchen Internetkampagne auf sich aufmerksam macht. 2018 veröffentlichten die Künstler eine „Cop-Map“. Unter dem Motto „Melde Cops in Deiner Nähe“ sollte der Standort von Polizisten gemeldet werden, damit gegen sie protestiert werden könne. Die Polizei, hieß es damals, sei „kein Freund, sondern Gefährder“.

Vor der Bundestagswahl 2017 warb die Gruppe dafür, nicht-wahlberechtigte Ausländer mit nicht wahlwilligen Deutschen zusammenzubringen. Letztere sollten dann ihre Briefwahlstimmen den Nicht-Wahlberechtigten überlassen. Dazu erstellte „Peng!“ die Webseite eines angeblichen Berliner Startups und warb damit, es hätten sich bereits 500 Personen an der Aktion beteiligt hätten. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Wahlfälschung ein, stellte es wenige Monate später aber wieder ein.

Als Grund gab die Behörde unter anderem an, es habe sich um Satire gehandelt. Auch bei der aktuellen Aktion wird wahrscheinlich wieder von „Satire“ die Rede sein, falls es zu Ermittlungen kommen sollte – auch wenn bis dahin einige Denkmäler und Gedenktafeln zerstört oder auf eine der „vielfältigen Möglichkeiten“ verunstaltet wurden.

„Markiertes“ Bismarck-Denkmal in Hamburg, „Tear this shit down“-Website Fotos: picture alliance/Jonas Klüter/dpa / Screenshots www.tearthisdown.com/ / JF-Montage

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