Revolution der Gegenwartsnarren

Windischgarsten freut sich. Der kleine Luftkurort im Herzen Österreichs bekommt seinen beliebten Pfarrer zurück. Gerhard Maria Wagner, designierter Weihbischof für die Diözese Linz, wird sein Amt nicht antreten. Das freut freilich auch noch andere. Eine bislang beispiellose Koalition von der österreichischen Bischofskonferenz bis zur „Katholischen Jugend Österreichs“ und einer unisono tönenden Medienlandschaft zeigte sich „bestürzt“ über den Kurs, den der Papst dem Bistum durch die Ernennung Wagners offensichtlich oktroyieren wolle. Denn mit dem an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom promovierten Wagner entschied sich Benedikt – vorbei an der Vorschlagsliste des Bistums – für einen Theologen, der zugleich hochgebildet und sehr traditionell ist. Das ist eine Konstellation, auf die der liberale Amtskatholizismus reagiert wie der Teufel aufs Weihwasser. Die konzertierte Aktion verfehlte ihre Wirkung nicht, Wagner resignierte. Freilich, der Zeitpunkt war ungünstig. Die medial angeheizte Empörung über die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe war gerade auf ihrem Höhepunkt angelangt. Hinzu kommt, daß das Bistum Linz unter den liberalen katholischen Bistümern dasjenige ist, das sich am weitesten von den Vorgaben Roms entfernt hat. Der berüchtigte „Linzer Weg“, der Laien Kompetenzen zubilligt, die eigentlich Priestern vorbehalten sind, schien mit der Berufung Wagners ernsthaft gefährdet. Der deutschsprachige Katholizismus, das haben die letzten Wochen gezeigt, hadert nicht nur mit der kirchlichen Tradition, er ist zu einer geschichtslosen und daher unberechenbaren Monstrosität degeneriert. Was noch gestern selbstverständlich galt, wird heute nicht einmal als Randphänomen geduldet. Es muß ausgemerzt werden – und bei diesem Geschäft ist jeder Spießgeselle willkommen. Die Revolution der „Gegenwartsnarren“ (Botho Strauß) war erfolgreich. Bleibt zu hoffen, daß sie morgen ihre Kinder von heute frißt – und dabei satt wird.

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