Republikaner dürfen wählen

Während hierzulande die Linkspartei gerade entschied, daß ihre Mitglieder nicht einmal die Vorsitzenden wählen dürfen und die SPD ihren nächsten Kanzlerkandidaten im Hinterzimmer ausklüngeln wird, zeigen die USA gerade wieder einmal, daß es auch ganz anders geht. Dort geht gerade der Auswahlprozeß für den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner in seine entscheidende Phase, und die Partei fragt ihre Wähler: Wen wollt Ihr? Wer soll gegen Barack Obama antreten?

Jeder, der sich den Republikanern nahe fühlt, kann mitbestimmen, wer deren und damit ihr Kandidat wird. In einem Land, in dem sich die Mehrheit der Wähler auch nach einer jüngsten Gallup Studie als konservativ bezeichnet, gilt das für die Republikaner natürlich umso mehr. „Konservativ sein“ ist die erste Grundvoraussetzung für den Erfolg. Niemand muß sich das ganze Video einer der zahlreichen Live-Debatten ansehen. Schon in den ersten Minuten versucht sich jeder Kandidat als möglichst lupenreiner Konservativer darzustellen. Alle Grundströmungen der Partei werden durch Kandidaten repräsentiert.

Das private Vorleben wird durchleuchtet

Sei es der christlich-konservative Rick Santorum, der libertär-konservative Ron Paul, oder der eher moderat-konservative Mitt Romney. Und das letzterer momentan vorne liegt, hat mit der zweiten Grundvoraussetzung die ein Kandidat mitbringen muß zu tun: Er muß in der eigentlichen Präsidentschaftswahl gewinnen können. Und auch die dafür wichtige dritte Grundvoraussetzung wird hier abgefragt.

Laufend müssen sich die Kandidaten Debatten mit ihren Wählern und Kontrahenten stellen. Ihr politisches und privates Vorleben wird auf Konsistenz und Verfehlungen hin durchleuchtet. Die Kandidaten werden also bereits vor dem eigentlichen Wahlkampf gestählt. Ein Christian Wulff hätte es wohl kaum in die Vorauswahl geschafft.

„Ein Stänkerer, ein Spinner und ein Spaltpilz“

Ein weiterer Test: Die Kandidaten müssen für den umfangreichen Wahlkampf sowohl die Menschen begeistern, die dann als Freiwillige helfen und von Tür zu Tür für ihren Kandidaten werben sowie Spender akquirieren. Nur wer hier punktet, kann sich überhaupt Gedanken darüber machen, tatsächlich Präsident zu werden. Die Kosten des kommenden Wahlkampfes allein von Obama werden auf eine Milliarde Dollar veranschlagt.

Der durchschnittliche deutsche Journalist kann – links wie er eben ist –  dem Ganzen wenig Positives abgewinnen. Ausländische Regierungschefs rechts der Mitte kommen in der hiesigen Berichterstattung regelmäßig schlecht weg. Und bei den US-Republikanern verschärft sich der Tonfall selbst in angeblich bürgerlichen Blättern nochmals: „Ein Stänkerer, ein Spinner und ein Spaltpilz“ titelt beispielsweise der Focus, und Die Welt – wohl völlig irre – widmet Ron Paul folgende Titelzeile: „US-Republikaner Ron Paul: Freiheitskämpfer, Rassist, Schwulenhasser, Antisemit“. Naja, die Wähler in Übersee lesen weder den Focus, noch Die Welt und interessieren sich auch sonst nicht für die Vorurteile deutscher Journalisten.

Einen übersichtlichen Vergleich der Kandidaten finden sich bei www.cnn.com

Die aktuellen Umfragen finden sich unter www.realclearpolitics.com

Wer tiefer einsteigen will, informiert sich im Forum von www.uselectionatlas.org

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