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Islamdebatte: Wozu gehört der Islam?

Islamdebatte: Wozu gehört der Islam?

Islamdebatte: Wozu gehört der Islam?

Moslemin in Hamburg
Moslemin in Hamburg
Moslemin in Hamburg: Der Weg zu einem Euro-Islam wäre steinig Foto: dpa
Islamdebatte
 

Wozu gehört der Islam?

Der Streit über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, artet zur Phantomdebatte aus. Das liegt an der Mehrdeutigkeit des Begriffs „dazugehören“. In seiner empirisch-tatsächlichen Variante verweist er auf den Parallelbegriff „Bestandteil sein von“.

In seiner normativen bzw. wertenden Variante besagt er, daß eine bestimmte kulturelle Verknüpfung zweier Phänomene, etwa einer Nation mit einer Religion, naheliegend und wünschenswert erscheint.

Was folgt daraus für das Verhältnis von Islam und Deutschland? Daß hierzulande Menschen leben, die sich zum Islam bekennen sei es als Einwanderer, Kinder und Enkel von Zuwanderern oder autochthone deutsche Konvertiten ist ein Faktum.

Richtungsweisendes Werturteil

Moslems lassen sich daher als Bestandteil Deutschlands begreifen und „gehören“ in diesem tatsächlichen Sinne zu Deutschland. Das sollte man jedoch mit den reichen Mitteln klarer Sprache beschreiben; mißverständliche Redeformen schaden nur.

Wer dennoch wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und das rot-grüne Milieu darauf besteht, daß der Islam zu Deutschland gehört, möchte keine trivialen Tatsachen verkünden, sondern ein richtungweisendes Werturteil fällen. Er will linkspädagogisch agitieren und das Volk zum Kulturrelativismus erziehen.

Dahinter verbirgt sich die vergröbernde These, „der“ Islam passe zu Deutschland, seiner freiheitlichen Grundordnung und seinen kulturell-religiösen Traditionen oder könne nach kurzem Integrationsprozeß dort eingegliedert werden. Daß diese These heftigen Widerspruch auslöst, liegt auf der Hand.

Gesunde Skepsis trifft auf Spekulation

Markante Zivilisationsbrüche in der islamischen Welt sowie IS-Terrorismus und gehäufte frauen- und judenfeindliche Kriminalität in Europa verdüstern das Bild der angeblich so friedfertigen Religion.

Andererseits wirft auch das Pauschalurteil „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ Fragen auf – abgesehen davon, daß es aus dem Munde eines Horst Seehofer nach Wahlkampfgetöse klingt. Ausbuchstabiert soll das wohl heißen: „Der“ Islam ist in toto verfassungsfeindlich und kann nie ein Wertegerüst errichten, das mit unserem politischen und rechtlichen System kompatibel wäre.

In dieser Aussage trifft gesunde Skepsis auf ein gerütteltes Maß Spekulation. Seehofer läßt außer acht, daß es moderate, sich mit Deutschland und seinen Tugenden identifizierende Moslems gibt. Soweit diese eine radikale Islamreform fordern, verdienen sie Unterstützung statt Häme oder Gleichgültigkeit. Man denke hier etwa an den Göttinger Politologen Bassam Tibi und seine erhellenden Ideen von Leitkultur und Euro-Islam.

Keine Illusionen hegen

Allerdings sollte man keine Illusionen hegen. Der Weg zum Reform- bzw. Euro-Islam wäre steinig und würde den unerschütterlichen Willen Deutschlands voraussetzen, ihn auch zu beschreiten. Nur dann könnte es zur Konstituierung einer säkularen, von prämodernen Koranexegesen abgekoppelten Religion mit eigener Organisationsstruktur kommen.

Vom Staat ernannte oder kontrollierte Imame und Religionslehrer müßten den absoluten Vorrang staatlichen Rechts gegenüber der Scharia verkünden. Der Prophet Mohammed müßte einer kritisch-historisierenden Betrachtung unterzogen werden.

Auf die Mithilfe des „Zentralrats der Muslime in Deutschland“ könnte man dabei kaum zählen. Es wäre mit heftigem Gegenwind zu rechnen, auch seitens der Erdoğan-Türkei und ihrer Religionsfunktionäre und ideologischen Büchsenspanner in Deutschland.

Wie dem auch sei. Der Umgang mit Flüchtlingen, sonstigen Zuwanderern und dem von ihnen importierten Islam ist längst eine Schicksalsfrage. Produziert wurde sie von Bundesregierungen der vergangenen fünfzig Jahre, die allesamt kein migrationspolitisches Konzept hatten und sich für die Belange und Ängste des eigenen Volks kaum interessierten.

Moslemin in Hamburg: Der Weg zu einem Euro-Islam wäre steinig Foto: dpa
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