TV-Kritik zu Maischberger

Unterwerfung auf öffentlich-rechtlich

Nichts tun. Und falls die Opposition rebelliert, sich ihre Positionen aneignen, alles in Geschwätz auslaufen lassen und weiter nichts tun. Doch schön, daß wir einmal darüber geredet haben. Das Herrschaftsprinzip der Bundeskanzlerin ist auch im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk angekommen. Ausgerechnet an der Verfilmung von Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ probierte sich dieser. Die bitterböse Beschreibung, wie das linksliberale Establishment unter dem Ansturm des Islams implodiert, in Szene gesetzt von eben jenem Establishment, das konnte nur ein Desaster werden.

Ob der Film aus pädagogischen Gründen, aus künstlerischem Unvermögen oder aus einer Mischung von beidem so schlecht geriet, ist schlußendlich unerheblich. Dennoch erachtete ihn die ARD als so verstörend, daß gleich im Anschluß Sandra Maischberger zur gruppentherapeutischen Sitzung lud: „Die Islamdebatte: Wo endet die Toleranz?“ Für Maischberger offenkundig beim Oppositionsführer, denn die AfD war nicht vertreten. Auch der ursprüngliche Titel der Sendung „Sind wir zu tolerant gegenüber dem Islam?“ verschwand nach Protesten der SPD-Politikerinnen Sawsan Chebli und Bilkay Kadem.

Konservatives Feigenblättchen

Soviel Rückgratlosigkeit muß schon sein, will man sich Themen widmen, wie: „Ist die Angst vor Islamisierung wirklich reine Panikmache?“ So Maischbergers Anmoderation. Ja, wirklich? Doch nicht alles „Angstbürger“? Die Rolle des AfD-Sprachrohrs übernahm hier Julia Klöckner, die als selbstbewußte Powerfrau darlegte, was sie für wenig überraschende Probleme mit dem Islam habe. Niemand wies die Oppositionsführerin der Herzen darauf hin, daß sie am Kabinettstisch wie in der Partei einer anderen Powerfrau unterstellt ist, die hauptverantwortlich für diese Dinge ist. Und mit ihr das konservative Feigenblättchen Klöckner.

Treudeutschen Gehorsam und Gefolgschaft zu jedwedem Ende findet die Bundeskanzlerin sowieso nur im Milieu der Grünen. Als heimliche Regierungssprecherin trat entsprechend die taz-Journalistin Bettina Gaus auf. Zugegeben, die Ehrengarde Angela Merkel redete reichlich wirr, aber ihr Weltschmerz-Blick zeigte hinreichend, daß sie mit den Entrechteten dieser Welt innig mitfühlt. Außerdem gelangen ihr dann doch ab und an markige Worte für die Nachwelt, die der merkelschen Spitzenrhetorik nicht nachstanden: „Was mich wirklich stört, ist, daß bestimmte unmenschliche, gesetzeswidrige, alles mögliche, Praktiken, immer auf den Islam reduziert werden.“

Kelek als einziger Lichtblick

Ja, deklinieren wir das durch, was uns so wirklich stört: Was uns so wirklich stört am Faschismus, oder am Kommunismus, oder an welcher Menschheitsbeglückungsideologie auch immer. Es ist Maischberger direkt zu danken, daß sie diesem graumelierten, nordischen Kind als Gegenüber einen professionellen Islam-Verharmloser hinsetzte. Haluk Yldiz von der AKP-nahen Splitterpartei „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG)“ weiß ganz genau Bescheid. Mann und Frau sind im Islam absolut gleichberechtigt, Klöckner bewege sich mit ihrer Islamschelte nicht auf dem Boden des Grundgesetzes und so weiter. Ob seine Partei nach diesem Auftritt Anhänger gewinnt, ist unklar. Die AfD jedenfalls mit Sicherheit.

Lichtblick in dieser Runde war Necla Kelek, die als einzige die richtigen Fragen stellte. „Schauen Sie sich Afrika an, schauen Sie sich Indonesien an. Was war vor fünfzig Jahren in diesen Ländern? Wie hat sich dort eine islamische, diktatorische Religion durchgesetzt? Unter welchen Bedingungen leben dort Menschen? Unter welchen Bedingungen leben dort die Frauen?“ Nun, die Fragen hätte wohl Maischberger stellen sollen, doch wäre die Antwort allzu klar und eindeutig ausgefallen. So folgen wir Maischbergers Geschwätz und freuen uns auf ihre nächsten Expertenrunden, in denen kontroverse Themen diskutieren werden wie die, ob Wasser naß macht oder ob Feuer brennt.

Talkrunde bei Sandra Maischberger Foto: picture alliance/CITYPRESS 24

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