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Anja Arndt, AfD

Interview zum 40jährigen JF-Jubiläum: JF-Chefinterviewer Moritz Schwarz: „Ach, glauben Sie nie der Linkspresse!“

Interview zum 40jährigen JF-Jubiläum: JF-Chefinterviewer Moritz Schwarz: „Ach, glauben Sie nie der Linkspresse!“

Interview zum 40jährigen JF-Jubiläum: JF-Chefinterviewer Moritz Schwarz: „Ach, glauben Sie nie der Linkspresse!“

Moritz Schwarz, Titelbild Junge Freiheit Jubiläumsausgabe
Moritz Schwarz, Titelbild Junge Freiheit Jubiläumsausgabe
Titelbild der JF-Jubiläumsausgabe, Gernegroß Schwarz: „Eine so bedeutende Persönlichkeit wie ich!“, Foto: JF
Interview zum 40jährigen JF-Jubiläum
 

JF-Chefinterviewer Moritz Schwarz: „Ach, glauben Sie nie der Linkspresse!“

Seit 25 Jahren verantwortet Moritz Schwarz das „Interview der Woche“ der JUNGEN FREIHEIT. Nun muss er erstmals selbst Rede und Antwort stehen – ein launiges Gespräch über die JF, sein von der Welt verkanntes napoleonisches Genie und warum man Robert Habeck nie fragen sollte, ob man ein Kind von ihm bekommt.
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Herr Schwarz, seit über zwei Jahrzehnten stellen Sie auf Seite 3 der JUNGEN FREIHEIT die Interviewfragen. Wie unangenehm ist es, nun auf der anderen Seite zu sitzen?

Moritz Schwarz: Unangenehm??? Endlich! Endlich! Endlich!

Wann beginnt Ihr Arbeitstag? Was machen Sie, wenn der Wecker klingelt? Aufstehen, Kaffee, Eichhörnchen beobachten?

Schwarz: Spät kommen, früh gehen und dazwischen viel Büroschlaf. Anstrengung und Leistung überlasse ich meinen Kollegen, die verstehen etwas davon. Ich widme mich lieber den Dingen, die ich kann: Bleistifte spitzen, Büroklammern sortieren und die Kaffeemaschine blockieren.

Wie viele Zeitungen lesen Sie am Tag und welche? Und jetzt kommen Sie mir nicht mit der JF.

Schwarz: Dieses Käseblatt hat nicht mal ein Kreuzworträtsel, keine Todesanzeigen und keinen Sportteil – laaaaangweilig!

Sie wollten eigentlich zur „Welt“, sind dann bei der JF gestrandet. Ist die JF, wie ein „taz“-Artikel über Sie suggeriert, eine Verlegenheitslösung?

Schwarz: Ach, glauben Sie nie der Linkspresse!

Journalisten gelten gemeinhin als ungebildete eitle Tröpfe, die sich gerne im Licht vieler Berühmtheiten sonnen. Sind Sie eitel?

Schwarz: Aber ganz und gar nicht, nur ungenießbar, sobald sich nicht alles um mich dreht.

„Kein Interview-Plan überlebt die Berührung mit dem ‘Feind’“

In Ihrem Job müssen Sie viel zum Hörer greifen. Telefonieren Sie eigentlich gerne?

Schwarz: Es gibt einen Sketch von Woody Allen, in dem er Gott anruft. Wenn er mir nur die Nummer verriete …

Haben Sie als JF-Interviewpapst ein Vorbild?

Schwarz: Claas Relotius – aber mich erwischt ihr nicht!

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Interviewpartner?

Schwarz: Ich hatte mich selbst vorgeschlagen – überraschenderweise konnte ich mich damit aber nicht durchsetzen …

Gibt es so etwas wie Lampenfieber bei Ihnen?

Schwarz: Klaro, würde ich aber niemals öffentlich zugeben.

Wie bereiten Sie sich aufs Interview vor?

Schwarz: Wenn man es schafft, das Interview schon vorab im Traum zu führen, steht man optimal im Stoff.

Was wollen Sie mit Ihren Interviews eigentlich erreichen, die Person darstellen oder das Thema? Die Seite füllen oder ist es blanke Neugier auf Menschen?

Schwarz: Menschen zum Denken anregen … aber das habe ich mir inzwischen abgeschminkt.

„Bekomme ich ein Kind von Ihnen?“

Gibt es eine Formulierung, die im Interview ein Türöffner ist?

Schwarz: Das können Sie vergessen! Interviews sind wie Krieg und zu dem sagte der große General Helmuth von Moltke: „Kein Schlachtplan überlebt jemals die erste Berührung mit dem Feind.“

Gibt es Intervieweinstiege, die Sie total verkackt haben? 

Schwarz: So etwas passiert natürlich nur anderen.

Welche Frage muss man immer stellen und welche darf man niemals stellen?

Schwarz: Die nach den Motiven – aber man kommt nicht immer dazu, Sie ahnen nicht, wie einem im Interview die Zeit davonläuft. Niemals stellen darf man die Fragen, die ARD-Caren-Miosga Robert Habeck gestellt haben: Warum riechen Sie so gut? Warum sind Sie so ein toller Typ? Und bekomme ich ein Kind von Ihnen? – Das hat sie wörtlich natürlich nicht gesagt, aber das war der Stil.

Wie gehen Sie mit Interviewpartnern um, die Sie persönlich mögen beziehungsweise nicht mögen?

Schwarz: Mit beiden preußisch korrekt.

Erinnern Sie sich an Interviewpartner, bei denen sich im Laufe des Gesprächs Ihre Sichtweise auf die Person verändert hat?

Schwarz: Ja, sicher, wobei man nie weiß, ob man sein Gegenüber nun besser versteht oder auf es hereinfällt.

„Merke: In Parteien organisieren sich keine Demokraten“

Verstehen Sie, dass Menschen nach dem Interview mit Ihnen beleidigt erscheinen, wie zum Beispiel Alice Weidel, oder halten Sie die Reaktion für überzogen, vielleicht typisch weiblich?

Schwarz: Nö, eher typisch Politiker, wobei viel schlimmer sind Künstler, Journalisten und Professoren, also alle, die es gewöhnt sind, zu verkünden und keinen Widerspruch zu bekommen. Deshalb wundert mich auch nicht, dass die AfD sofort genauso arrogant war wie die Etablierten – Stichwort Professorenpartei. Merke: In Parteien organisieren sich grundsätzlich keine Demokraten, also Leute, die andere auch mitreden lassen wollen, sondern Menschen, die glauben, dass sie es besser wissen als die übrigen, die in ihren Augen eh alle doof sind.

Deshalb immer das gleiche Spiel: Neue Partei, große Hoffnungen, heilige Eide auf Meinungsfreiheit und Bürgerwille – was alles früher oder später verraten wird, sobald man an der Macht ist. Auch die AfD wird noch viele ihrer Wähler bitter enttäuschen. Deshalb hilft nur, Parteien im Notfall auch wieder abzuwählen, denn sonst fahren die mit uns Bürgern hemmungslos Schlitten.

Gab es Gesprächssituationen, in denen es persönlich wurde? 

Schwarz: Immer wieder, weil viele Leute kritische Fragen nicht von persönlichen Angriffen unterscheiden können. Mitunter ist das aber auch bei den Lesern so: die regen sich dann in Leserzuschriften über kritische Fragen als „Verhör“ auf, während der Interviewpartner nach dem Interview gelobt hat: „Danke für die kritischen Fragen, war mal etwas anderes und angenehm herausfordernd.“

Die Interviewpartner dürfen vor Drucklegung das Interview gegenlesen. Ärgern Sie sich manchmal über deren Einsprüche? 

Schwarz: Nein, das sind die Regeln des Spiels. Ein Fußballer ärgert sich auch nicht über die Abseitsregel. Das wurmt Sie nur am Anfang, wenn man neu im Metier ist. Einmal Profi, weiß man, so läuft es und man hört auf, sich zu grämen.

„Leserkommentare? Unbedingt ernstnehmen!“

Achten Sie auf Körperhaltung und Mimik des Gegenübers, oder gibt es dafür gar keine Zeit?

Schwarz: Wenn man ein Interview hinterher nochmal anhört, merkt man, wie viel man nicht mitbekommen hat, weil man so im Stress ist. Denn man muss während des Interviews immer schon die nächsten Fragen planen. Nicht nur die Körpersprache entgeht einem zum Teil, sondern sogar Inhalte … sehr ärgerlich.

Was ist der irrste/abwegigste Ort, an dem Sie mal jemanden interviewt haben?

Schwarz: Bis auf die Interviews, die ich in Horst Seehofers Eisenbahnkeller „szenisch rekonstruiert“ habe … Nein, im Ernst, Interviews werden im Büro, im Café oder beim Interviewpartner geführt, alles andere ist Denis-Scheck-Schnickschnack.

Sind Männer oder Frauen die besseren Gesprächspartner?

Schwarz: Jetzt mal ehrlich, dieser Genderfetisch ist doch gaga – wenn Sie einem einzelnen Menschen gegenübersitzen ist dessen individuelle Prägung entscheidend. Natürlich spielt auch das Geschlecht mit rein, aber viel bedeutender ist der Charakter.

Wie gehen Sie mit negativen Leserkommentaren um? Ignorieren, antworten oder eine 8,8-cm-Flak vor die Tür rollen?

Schwarz: Unbedingt ernstnehmen! Sofern sie zivilisiert sind.

Kollegen bezeichnen Sie als strukturiert, formalistisch, höflich und überaus diskussionsfreudig, freigiebig, hilfsbereit und super aufgeräumt. Wie schätzen Sie sich selbst ein?

Schwarz: Können wir so stehen lassen – ich zahle den Jungs schließlich ein Heidengeld dafür, das zu sagen …

„Jeder, der noch an Deutschland glaubt“

Sie sind ein Stauffenberg-Verehrer: Wenn er zum Gespräch hier säße, welche Frage stellten Sie ihm?

Schwarz: Eins habe ich gelernt: Never meet your hero!

Wer sind sonst Ihre Vorbilder?

Schwarz: Jeder, der noch an Deutschland glaubt.

Was motiviert Sie bei Ihrer Arbeit am meisten?

Schwarz: Wenn Linke sich aufregen.

Wenn die Arbeit bei der JF ein Kinofilm wäre, welchen Titel hätte er?

Schwarz: „Nicht der Konservative ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (Original: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ von Rosa von Praunheim, 1971)

Wo sehen Sie die JUNGE FREIHEIT in zehn Jahren?

Schwarz: Auf dem Frühstückstisch des Bundeskanzlers.

„Eine bedeutende Persönlichkeit wie ich“

Noch ein paar private Fragen: Sie wohnen in Berlin, hat die Stadt Einfluss auf Ihre Gemütslage?

Schwarz: Dank eines uralten Mietvertrags wohne ich immer noch in der sonst komplett durchgentrifizierten historischen Mitte, wo alles voll deutscher und preußischer Geschichte ist, wohin man schaut: Genau der richtige Präsentationsrahmen für eine so bedeutende Persönlichkeit wie mich!

Wie wohnen Sie? Größe, Möbel, Bilder? 

Schwarz: Mein Tipp: Mit vielen Spiegeln vergrößern Sie Ihre Wohnung – ohne mehr Miete zu zahlen: Da lacht der Schwabe in mir! Außerdem begegne ich so häufiger der einzigen Person von Bedeutung: mir selbst.

Was mögen Sie an Ihrer Wohnung? Oder ist das nur ein weiterer Schlafplatz außerhalb des Büros?

Schwarz: Liest das auch der Chef? Zu Hause sein wird völlig überschätzt! Viel schöner ist es im Büro!

Kochen Sie gerne, und wenn ja, was ist Ihr Lieblingstopf?

Schwarz: Der eine, den ich besitze. Weiß aber gar nicht, ob er noch lebt!? Hab ihn schon lang nicht mehr gesehen. Dafür kenne ich das „Mr. Vertigo“ um die Ecke wie meine Westentasche. Geführt von einem Islamisten, der seinen Laden nach einem Roman von Paul Auster nennt – det jibts och nur in Berlin. Eine Seele von einem Menschen, der soooo gute Burger brät, und den ich eines Tages noch davon überzeugen werde, dass die heiligen Stätten Jerusalem und Konstantinopel in christliche Hand gehören!

Würden Sie sich privat als kontaktfreudiger Mensch bezeichnen?

Schwarz: Solange ich mit niemandem reden muss, ja.

Fahren Sie Auto, Rad oder Öffis?

Schwarz: Neulich war ich mit der Straßenbahn wieder 15 Minuten bis zum Hauptbahnhof unterwegs – zum Vergleich, zu Fuß sind es: 15 Minuten. Wir Deutschen haben das Auto, den Flugapparat, die Weltraumrakete und den Düsenantrieb erfunden – und sind heute zu Fuß unterwegs, weil das „schneller“ geht … es ist irre!

„Klein, hässlich und gemein“

Waren Sie ein lieber Sohn oder haben Sie die Familie schon in frühester Jugend mit den ständigen Fragen zur Weißglut gebracht?

Schwarz: Ich bin schon als unausstehlicher Haderlump zur Welt gekommen – und habe mich endlich verstanden gefühlt, als uns beim Bund der Unteroffizier einschärfte: „Was tut der deutsche Soldat, wenn der böse, böse Feind kommt? Er macht sich klein, hässlich und gemein!“

Sie sind Schwabe. Erkennen Sie in Ihrer Persönlichkeit Parallelen zu dem was den Schwaben nachgesagt wird, nämlich Geiz, Dumpfheit, Ausgrenzung, unverständlicher Dialekt?

Schwarz: Ovrschämtheit! Dui Gschwister Scholl, dr Georg Elser, Graf Stauffeberg und dui Gudrun Ensslin – älle diese Obedingte ond Bombeläger kommet ausm Schwobaländle. Also leget Eich bloss net mit uns a!

Welche Musikgruppen haben Sie in der Jugend gehört? Wie haben die Sie geprägt? 

Schwarz: Im 19. Jahrhundert waren Wagneropern eine mystische Weltanschauung, in den Sechzigern und Siebzigern Rockmusik ein Versprechen auf Befreiung und eine bessere Welt. In meiner Jugend war Musik nur noch Unterhaltung – ich bin zu spät geboren …

„Wir Deutsche sollten Angst vor dem Tod haben“

Was mögen Sie lieber: Hunde, Schokolade oder Kinder?

Schwarz: In der Romantik verkündete Novalis: „Wo Kinder sind, da ist das goldene Zeitalter.“ Dann hat uns William Golding mit „Der Herr der Fliegen“ die Augen geöffnet … Hunde und Schokolade rangieren irgendwo dazwischen.

Haben Sie jemals geraucht, getrunken oder irgendetwas Verbotenes wie Klingelstreiche gemacht?

Schwarz: Ich rauche nicht, trinke nicht, spiele nicht und habe nichts mit Frauen! Nur ehrlich zu antworten, damit nehme ich es mitunter nicht so genau …

Worin besteht für Sie der Sinn des Lebens?

Schwarz: Immer brav aufessen!

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Schwarz: Nationen sind Unsterblichkeitsmaschinen, denn sie verknüpfen unsere kleine Existenz mit dem Strom der Geschichte und geben unserer Irrelevanz Bedeutung als Teil von etwas Großem. Da wir Deutschen aber dabei sind, unsere Nation zu zerstören, sollten wir ernstlich Angst vor dem Tod haben, denn so stehen wir ihm wieder klein, einsam und bedeutungslos gegenüber.

Wenn der liebe Gott zu Ihnen käme und sagte: Schwarz, jetzt kannst Du noch mal im Leben frei entscheiden: Würden Sie Ihr Leben genauso wieder leben oder etwas anders machen?

Schwarz: Ich würde zu ihm sagen: „Nochmal Rauschebart, aber in der neuen Runde tauschen wir zwei die Plätze!“
__________

Moritz Schwarz, geboren 1971 in Heilbronn am Neckar, ist seit 1999 Leiter des Interview-Ressorts „Im Gespräch“ auf Seite 3 der JUNGEN FREIHEIT.

Aus der JF-Ausgabe 24/26

Titelbild der JF-Jubiläumsausgabe, Gernegroß Schwarz: „Eine so bedeutende Persönlichkeit wie ich!“, Foto: JF
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