Herr Fleischer, seit Wochen gibt die Regierung Trump immer neue Ufo-Akten frei. Beweisen diese die Existenz von Außerirdischen?
Robert Fleischer: Nein, aber um Außerirdische geht es erstmal auch nicht, sondern um Ufos.
Was ist der Unterschied?
Fleischer: Unter Ufos im engeren Sinne versteht man „unidentifizierte Flugobjekte“, bei denen ausgeschlossen ist, dass sie menschlichen Ursprungs oder Naturphänomene sind. Eine andere Frage ist dagegen, wer diese steuert. Der Nachweis, dass Ufos real sind, beweist noch nicht, dass dies Außerirdische tun. Die Theorie von den Aliens ist nur eine von vielen, und noch nicht einmal die beste.
Es könnten also auch die Russen, Chinesen oder – Stichwort geheime Militärprojekte – die Amerikaner selbst sein?
Fleischer: Wie gesagt, in einigen Fällen scheint menschliche Technik ausgeschlossen zu sein. Nehmen Sie etwa den Vorfall um den US-Flugzeugträger „Nimitz“ von 2004, bei dem die von diesem gesichteten Ufos nach Einschätzung von Wissenschaftlern mit etwa 5.000 G beschleunigten, was jeden Menschen und jedes Flugzeug wie eine Fliege zerquetschen würde.
Ganz abgesehen davon, dass dafür so viel Energie nötig ist wie bei der Explosion von 100 Tonnen TNT frei wird – ohne Spuren in der Umwelt zu hinterlassen. Mit herkömmlicher Technik ist dazu weder Russland noch China, noch sonstwer in der Lage. Übrigens heißen Ufos inzwischen offiziell „UAP“ – Unidentifizierte Anomale Phänomene.
Warum das?
Fleischer: Weil der Begriff vom US-Kongreß erweitert wurde. Er schließt jetzt auch Objekte im Erdorbit und unter Wasser mit ein sowie solche, die mühelos zwischen Wasser und Atmosphäre hin- und her wechseln. Und weil der Begriff Ufo vielen als verbrannt gilt – dank der jahrzehntelangen Lächerlichmachung aller, die darauf hingewiesen haben, dass das Phänomen kein Hirngespinst ist.
Fleischer: „Die Zeugen für diese Phänomene sind Fachleute und keine Spinner“
Diese Erkenntnis begann sich zumindest in den USA mehr und mehr durchzusetzen, seit die „New York Times“ 2017 öffentlich machte, dass das Pentagon das Phänomen für echt hält und eine geheime UAP-Untersuchungskommission unterhielt. Die Folge des dadurch in Gang gesetzten Prozesses ist die jetzige Freigabe der Ufo-Akten durch Trump. Von denen Sie allerdings enttäuscht sind. Warum?
Fleischer: Weil sie sich nicht großartig von dem unterscheiden, was AARO, die heutige UAP-Abteilung des Pentagon, bereits zuvor veröffentlicht hat.
Zum Beispiel?
Fleischer: Auf den bislang freigegebenen Videos sieht man oft nur weiße Punkte vor grauem Hintergrund oder graue Punkte vor einem weißen, die sich scheinbar hin und her bewegen. Doch was genau sich da bewegt, ob es wirklich die Punkte sind oder nur die Kamera, in welcher Höhe die Objekte aufgenommen wurden und mit welcher Geschwindigkeit, all das ist unklar.
Ebenso wie sämtliche weitere Angaben, die für professionelle Forscher wichtig sind, um zu beurteilen, ob die Aufnahme tatsächlich UAPs zeigt und nicht etwas Menschliches oder Natürliches. Oder ob vielleicht ein technischer Defekt vorliegt oder auch eine Fälschung. Seriöse UAP-Forscher können mit diesen Videos bislang kaum etwas anfangen.
„Offizieller Standpunkt der US-Streitkräfte, des Kongresses und der Nasa: es gibt unerklärliche Objekte“
Wenn nichts dran ist an Trumps Ufo-Akten, ist das dann nicht der Beweis, dass es mit dem Phänomen an sich vielleicht ebenso ist?
Fleischer: Nein, denn die in den Akten enthaltenen Videos sind nur ein Teil des freigegebenen Materials. Viel interessanter als die Videos sind die schriftlichen Dokumente, von denen ich die fünf besten in einer meiner Sendungen auf Exomagazin.tv vorgestellt habe.
Zum Beispiel die Aussagen von Drohnenpiloten gegenüber dem FBI, die im September 2023 auf dem Weg zu ihrem Testgelände ein unerklärliches bronze-metallisches Objekt gesehen haben, das auf abnormale Weise aufgetaucht und wieder verschwunden ist – und das im gesperrten Luftraum, wo überhaupt nichts hätte sein dürfen. Hier gab es gleich sechs Augenzeugen auf einmal und allesamt Fachleute, keine Spinner.
Aber vielleicht Wichtigtuer oder passionierte Provokateure, die anderen gerne einen Bären aufbinden?
Fleischer: Dagegen spricht, dass sie sich ja nicht mit der Geschichte gebrüstet haben, sondern erst in einer internen Befragung des FBI ausgepackt haben, deren Inhalt nie für die Öffentlichkeit bestimmt war.
„Die USA sehen Ufos inzwischen als Gefahr für ihre nationale Sicherheit“
Dennoch beweist das doch gar nichts.
Fleischer: Aber es ist schon ein bemerkenswerter Vorgang und er ist bei weitem nicht der einzige. Zum Beispiel findet sich in den freigegebenen Akten auch die beeidete Aussage eines hochrangigen US-Geheimdienstlers, der von einer halbstündigen Verfolgungsjagd mit unerklärlichen Lichtbällen berichtet hat.
Während seiner Suchaktion im Hubschrauber zeigten die Objekte ein eindeutiges Schwarmverhalten sowie koordinierte Lichtsequenzen. Ich selbst habe übrigens für mein Buch „Sie sind hier! Was jetzt?“ zahlreiche solche Fälle recherchiert und dazu glaubwürdige Militärzeugen, Wissenschaftler und Geheimdienstler interviewt.

Aber der springende Punkt sind doch nicht solche Ufo-Geschichten, denn sie lassen sich nicht überprüfen. Entscheidend ist doch, dass die USA zugeben: Ja, Ufos sind real, denn unsere Piloten haben sie nicht nur immer wieder gesehen, sondern wir haben sie mit der besten Luftraumüberwachungstechnik der Welt immer wieder gemessen. Oder wie der Leiter der früheren UAP-Abteilung des Pentagons Luis Elizondo formuliert: „Nicht ich sage Ihnen, dass es Ufos gibt, sondern die Vereinigten Staaten sagen das.“
Fleischer: Genau, auch wenn man das in Deutschland immer noch nicht richtig wahrnehmen will. Der offizielle Standpunkt der US-Streitkräfte, des US-Kongresses und der Nasa ist, dass es unerklärliche Objekte gibt. Laut Streitkräften und Kongress nicht nur in der Luft, sondern auch unter Wasser und im Weltall, also im Erdorbit. Und zwar in so relevanter Zahl, dass man das Phänomen mittlerweile behördenübergreifend beobachtet und aufzuklären versucht.
Die USA betrachten UAPs als mögliche Bedrohung ihrer Nationalen Sicherheit, darum bleibt vieles geheim. Jedoch haben etliche Whistleblower, also ehemalige Insider von geheimen UAP-Programmen, Geheimdiensten oder den US-Streitkräften, vor Ausschüssen des Senats und des Kongresses ausgepackt, und laut ihnen kommt das Phänomen weitaus öfter vor, als offiziell zugegeben.
Das heißt, Sie glauben, die US-Streitkräfte und ihre Ufo-Behörde AARO versuchen, das Phänomen herunterzuspielen?
Fleischer: Die entscheidenden Informationen wird man weiterhin vor der Öffentlichkeit verschweigen. Es geht ja auch um geheime Aufklärungstechnik, die man nicht preisgeben will. Deshalb bin ich nicht überrascht, dass die nun veröffentlichten UAP-Akten – trotz ein paar bemerkenswerter Einzelfälle – im Grunde nicht viel Neues enthalten.
Sie wollen andeuten, die Veröffentlichung dient gar nicht der Aufklärung, sondern der Verschleierung?
Fleischer: Man gibt eher uninteressante Akten frei und erweckt dadurch den Eindruck von Transparenz. In der Öffentlichkeit erweckt dieses uninteressante Material aber den Eindruck, dass an der Sache überhaupt nichts weiter dran sei.
„Mindestens 29 Staaten haben sich offiziell mit Ufos beschäftigt und dazu Akten freigegeben“
Die US-Regierung veröffentlicht alle paar Wochen weitere Ufo-Akten. Könnte also nicht noch explosives Material kommen?
Fleischer: Alle hoffen, sie wird enthüllen, dass es Außerirdische gibt. Ich sage Ihnen aber, das wird nicht kommen. Zum einen, weil sie selbst nicht genau weiß, womit sie es zu tun hat. Das weiß niemand. Zum anderen, weil es nicht in ihrem Interesse ist. Denn wenn bekannt wird, dass es eine höhere, nicht-menschliche Intelligenz gibt, könnte das Experten zufolge für Unruhen in der Bevölkerung sorgen. Und wenn die Regierung das dennoch bekanntgibt, dann sollten wir uns ganz genau anschauen, welches Ziel damit verfolgt wird.
Könnte die Verschwörung nicht auch andersherum lauten: Die Regierung hat all diese Ufo-Sichtungen selbst fabriziert, um uns einzureden, es gäbe UAPs. Ziel: uns abzulenken, etwa von den Epstein-Akten, der Pleite des US-Iran-Kriegs oder um künftig mehr Geld in die Verteidigung pumpen zu können. Motto: UAPs sind eine Gefahr, wir müssen aufrüsten!
Fleischer: Es kann gut sein, dass sie von anderen Dingen ablenken wollen, aber das Phänomen ist real. Denn mindestens 29 Staaten haben sich offiziell mit UAPs beschäftigt und dazu Akten freigegeben, darunter etwa Russland, Frankreich oder Kanada. Es sind also keineswegs nur die USA – diese sind vielmehr nur das New Kid on the Block.
Also der Neuling in diesem Reigen.
Fleischer: Ja, denn bis vor wenigen Jahren war nach offizieller US-Darstellung an allem nichts dran.
„Nur Deutschland ist in Sachen Ufos wie ein schwarzes Loch“
Was ist mit Deutschland? Offiziell gibt es bei uns bis heute keine unerklärlichen Flugobjekte.
Fleischer: Sowohl die Stasi als auch der Bundesnachrichtendienst hatten Ufo-Akten angelegt, und zwar von Objekten, die entlang der innerdeutschen Grenze beobachtet wurden. Aber Sie haben recht, offiziell ist Deutschland in dieser Hinsicht wie ein schwarzes Loch, während man sich in Ländern um uns herum, wie Großbritannien, Belgien, Frankreich oder Italien längst mit UAPs auseinandersetzt.
Auf der Webseite der italienischen Luftwaffe etwa kann sich jeder die interessantesten UAP-Fälle des Jahres herunterladen. Und Frankreich unterhält sogar schon seit 1977 die staatliche UAP-Forschungsbehörde GEIPAN ebenfalls mit einer Webseite, auf der man sich alle gesammelten Fälle anschauen kann.
Von denen sich die allermeisten aber doch auf natürliche Weise erklären lassen.
Fleischer: Natürlich fällt nur ein kleiner Prozentsatz, ich glaube, etwa drei Prozent, in die Kategorie total anormal und völlig unerklärlich. Allerdings widerlegt der Umstand, dass die meisten gemeldeten Fälle prinzipiell erklärbar sind, nicht das UAP-Phänomen, denn um die geklärten Fälle geht es ja gar nicht, sondern um die wenigen unerklärlichen. In Deutschland gibt es aber offiziell nicht einmal diese „drei Prozent“.
Ich habe dazu viel recherchiert und war auch zweimal in der Bundespressekonferenz, wo ich Regierungssprecher Steffen Seibert – übrigens mein ehemaliger Chef beim ZDF – sowie den Sprecher des Verteidigungsministeriums direkt befragt habe, neben meinen Anfragen ans Bundeskanzleramt und etliche Bundestagsabgeordnete. Doch die Antwort lautet stets, so etwas gebe es bei uns in Deutschland nicht. Was jedoch im Widerspruch zur Faktenlage steht.
Die Sie woher kennen?
Fleischer: Zum Beispiel hat das Schweizer Militär im deutschen Luftraum unidentifizierte Radarsignaturen festgestellt. Diese Radarakten wurden schon vor Jahren veröffentlicht. Zudem habe ich Militärzeugen recherchiert, die sehr wohl von UAP-Erlebnissen bei uns berichten.
Zum Beispiel ein ehemaliger hochrangiger Offizier der Bundeswehr – hochrangiger geht es fast nicht, genauer darf ich leider nicht werden –, der auf einem Hubschrauberflug eine sehr erschreckende UAP-Begegnung hatte, die beinahe zum Absturz seiner Maschine geführt hätte. Und Geheimdienst-Mitarbeiter in den USA, mit denen ich Kontakt habe, sind der Meinung, dass auch die Deutschen mehr wissen, als sie zugeben.
„In unseren Nachbarländern ist das Interesse an Ufos gewaltig“
Radarsignaturen oder Zeugen sind jedoch keine unwiderlegbaren Beweise, dahinter könnte alles Mögliche stecken. Haben Sie folglich Verständnis, dass manche Sie nach wie vor im Verdacht der Spinnerei haben?
Fleischer: Dieser Vorwurf ist ein typisch deutsches Phänomen. Niemand weiß, was wirklich hinter UAPs steckt und ich auch nicht, aber in unseren Nachbarländern ist das Interesse gewaltig.
In Spanien läuft zum Beispiel zur besten Sendezeit die Sendung „Cuarto milenio“, die sich oft mit UAPs beschäftigt, ebenso wie das Format „Espacio en Blanco“, das im spanischen Pendant zum Deutschlandfunk läuft. Oder Italien, wo die größte Tageszeitung, der Corriere della Sera, ein Interview zum Thema veröffentlicht hat, das ich geführt habe.
Ende 2025 haben Sie zudem erstmals einen Vortrag an der Landesverteidigungsakademie des österreichischen Bundesheeres gehalten. Doch auch bei uns ändert sich etwas, so verfassen Sie inzwischen Gastbeiträge für den „Focus“, und nun hat Sie auch die „Welt“ zitiert und dabei nicht als Spinner, sondern als „wichtigsten deutschen Ufo-Forscher“ apostrophiert. Stehen Sie vor Ihrem Durchbruch?
Fleischer: Das ist mir ziemlich egal, ich mache das nicht, um groß rauszukommen. Ich will wissen, was hinter dem Phänomen steckt.
Dazu haben Sie bereits mehrere Initiativen mitgegründet: „Exopolitik.org“ und „ICER“. Was verbirgt sich dahinter?
Fleischer: Als ich 2007 anfing, über Ufos zu berichten, war das ein absolutes Tabuthema. Mir war klar, dass man das Thema seriös journalistisch aufarbeiten muss, indem man mit Wissenschaftlern redet und sich vom Sensationalismus fernhält – und ich glaube, nur deshalb sprechen ernsthafte Wissenschaftler und hochrangige US-Regierungsbeamte überhaupt mit mir.
Exopolitik.org ist als Bürgerinitiative gedacht, um das Anliegen der Aufklärung zu unterstützen. ICER, die Internationale Koalition für Extraterrestrische Forschung, habe ich 2021 gemeinsam mit Wissenschaftlern und Experten aus 27 Ländern gegründet, weil es international sehr viele Perspektiven auf das Phänomen gibt. Wie bereitet man den Kontakt vor? Wer spricht für die Menschheit? Was sagt man? Das sind so Fragen, die wir nur global und gemeinsam beantworten können.
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Robert Fleischer. Der Diplom-Dolmetscher, geboren 1978 in Chemnitz, war nach Hospitanzen bei Bild, Spiegel-TV und ZDF von 2002 bis 2004 fester Freier beim Mitteldeutschen Rundfunk MDR, bevor er sich als Journalist selbständig machte. 2024 publizierte er das Buch „Sie sind hier! Was jetzt? Warum wir Ufos ernstnehmen sollten“. Er betreibt die Netzseite www.exopolitik.org und das Online-Videoportal Exomagazin.tv, das ebenfalls auf Youtube zu finden ist, wo es knapp 150.000 Abonnenten hat.






