„FlinkFeed“
„FlinkFeed“: „Es ist unmöglich geworden, einen Scherz zu machen, ohne daß sich irgendjemand angegriffen fühlt“ Fotos: Screenshots flinkfeed.com / JF-Montage
Interview mit „FlinkFeed“-Gründer

„Patriotismus wird nicht nur in Parlamenten verteidigt“

Anfang April startete ein neues Medienportal und sorgte prompt für Wirbel: Das Jugendmagazin des Spiegels, Bento, schrieb von „Copy-Paste-Propaganda“, ein Blog der Amadeu-Antonio-Stiftung polterte, es handle sich um „rechtsradikale Ideologie in Quizform“, der WDR wittert „Rechtsextreme“ dahinter, die „für den Verfassungsschutz von Interesse sind“. Die JUNGE FREIHEIT hat bei dem Gründer von „FlinkFeed“, Christian Schäler, nachgefragt, was es mit den Vorwürfen auf sich hat; warum der Name geändert werden mußte, was er mit dem Portal für Ziele verfolgt und warum nicht alle Mitarbeiter- und Autorennamen veröffentlicht werden.

Herr Schäler, Sie haben „FlinkFeed“ gegründet, das nicht nur im Namen an das eher linke Portal „Buzzfeed“ erinnert. Warum kopieren Sie ein linkes Medium?

Schäler: „Kopieren“ würde ich nicht sagen. Auf Humor gibt es kein Patent. Wir füllen einfach eine Lücke und lachen auch mal über politisch inkorrekte Dinge.

Aber gibt es nicht schon genug alternative Zeitungen, Nachrichtenportale und Blogs? Welche Lücke wollen Sie füllen?

Schäler: Es gibt viele Portale mit Schwerpunkt auf Nachrichten. Und viele machen das auch gut. Patriotismus wird aber nicht nur in Parlamenten verteidigt, sondern vor allem auch im Alltag gelebt. Wir möchten diesen Alltag durch Unterhaltung, wenn Sie so wollen, etwas bunter machen.

Wenn man erste Berichte über „FlinkFeed“ liest, könnte man eher meinen, Sie verbreiten „braune“, also rechtsextreme, Unterhaltung. Was sagen Sie zu den Vorwürfen?

Schäler: Ein Wort: Unsinn. Und wer sich unsere Beiträge anschaut, sieht das auch. Es mag für manche neu und auch ein bisschen schockierend sein, aber es ist nicht alles böse, nur weil Linke es nicht mögen. Im Gegenteil. Wenn die bloße Existenz von „FlinkFeed“ ausreicht, daß linke Twitterblasen und sogar Abgeordnete teilweise mit Schaum vor dem Mund unsere Abschaltung fordern, dann finde ich das schon heftig. Vor allem aber zeigt es, daß wir einen Nerv getroffen haben.

„FlinkFeed“-Beitrag Foto: Screenshot flinkfeed.com

Also lautet das Motto des Portals schlicht Provokation?

Schäler: Durchaus nicht. Es ist bloß unmöglich geworden, einen Scherz zu machen, ohne daß sich irgendjemand angegriffen fühlt. Ich finde das bedenklich. Aber den Spaß wollen wir uns davon nicht verderben lassen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig, nur sollte man dabei nicht völlig den Verstand verlieren.

Aber bieten Sie mit eher plumpen Werbeslogans wie „Volk uns auf Instagram“ Ihren Gegner nicht unnötiges Futter, „FlinkFeed“ in eine gewisse Ecke zu stellen, wo Sie eigentlich nicht hingehören wollen?

Schäler: Ein bißchen Provokation ist vielleicht doch dabei.

Kommen wir zum Namen des Portals: Es war zunächst unter „FritzFeed“ gestartet. Was hatte es mit den Namen auf sich und warum haben Sie ihn geändert?

Schäler: Wir wollten etwas Junges, Dynamisches. Da ging’s schnell: frisch, frech, fröhlich, „FritzFeed“. Daraufhin haben besorgte Kritiker alle möglichen Unternehmen mit „Fritz“ im Namen angeschrieben und gedrängt, uns zu verklagen. Im Falle eines Senders der Öffentlich-Rechtlichen ging dann tatsächlich ein Anwaltsschreiben ein.

Und Sie haben nachgegeben?

Schäler: Wir hatten die Wahl zwischen einem teuren Prozeß gegen eine Institution mit nahezu unbegrenzten Mitteln und dem Austauschen von fünf Buchstaben. Da fiel die Entscheidung leicht und deswegen heißen wir jetzt „FlinkFeed“. Ich mochte den alten Namen, aber letztlich geht es ja um die Inhalte.

Der Start des Portals wurde medial breit aufgegriffen, was im Sinne der Publicity ja nicht schlecht sein kann. Allerdings versteifte sich die Berichterstattung auf die Personalien hinter dem Projekt. Tragen Sie da nicht eine Mitschuld? Wenn Journalisten denken, jemand verheimlicht etwas, macht es ja erst recht neugierig.

Schäler: Nachfragen ist auch ihr gutes Recht. Der Schutz von Autoren hat jedoch nichts mit Verheimlichen zu tun.

Aber es ging auch um die Frage, inwiefern die AfD beziehungsweise die Landtagsfraktion dahintersteckt. Ist „FlinkFeed“ parteiunabhängig?

Schäler: „FlinkFeed“ wird weder von Parteien noch von Fraktionen unterstützt. Sollte es einmal notwendig sein, weise ich das auch gerne gerichtsfest nach. Amüsant finde ich allerdings, daß dieser Vorwurf am lautesten von der SPD vorgetragen wurde, der bekanntlich zahlreiche große Zeitungen gehören.

„FlinkFeed“-Beitrag Foto: Screenshot flinkfeed.com

Wie finanziert sich das Portal?

Schäler: Zur Zeit noch vornehmlich aus Idealismus. Es haben sich aber auch erste Interessenten für Werbung gemeldet.

Wie sehen die Zugriffszahlen derzeit aus?

Schäler: Wir hatten in den ersten drei Wochen rund 700.000 Aufrufe auf unserer Webseite – deutlich mehr als erwartet.

Werden sie Ihrer Ansicht nach von sozialen Medien oder Google beschränkt?

Schäler: Nein. Im Gegenteil. Wir bekommen zum Beispiel täglich Mails von Twitter, daß unsere Inhalte gemeldet wurden, man das geprüft, aber nichts Böses gefunden hat.

Sind weitere Projekte oder Formate geplant?

Schäler: Wir sind aktuell gut beschäftigt.

Was sind die kurz- bis mittelfristigen Ziele?

Schäler: Kurzfristig möchte ich die Schlagzahl unserer Veröffentlichungen noch weiter erhöhen. Man soll immer etwas Neues entdecken können. Und dann wäre es cool, wenn die Leute sich an der Bushaltestelle zwischen Candy Crush und Instagram denken: Ich geh mal kurz auf „FlinkFeed“.

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Christian Schäler ist 27 Jahre alt, verheiratet und Vater. Er studiert Betriebswirtschaft und arbeitet für die AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag.

www.flinkfeed.com

„FlinkFeed“: „Es ist unmöglich geworden, einen Scherz zu machen, ohne daß sich irgendjemand angegriffen fühlt“ Fotos: Screenshots flinkfeed.com / JF-Montage

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