Kommunikationsplattform Gab

„Wer Meinungen reguliert, will Gedanken kontrollieren“

Derzeit wechseln Tausende deutschsprachige Twitter-Nutzer zum sozialen Netzwerk Gab.ai, einer Mischung aus Twitter und Reddit. Der Name kommt von „to gab“, quatschen. Gab hat sich der Meinungsfreiheit verschrieben. Verboten sind lediglich illegale Pornographie, Werbung für Terrorismus und Gewalt sowie die Veröffentlichung vertraulicher Informationen. Geschäftsführer Andrew Torba betont, es gelte vorrangig das US-amerikanische Gesetz. Dem Gabber stehen 300 Zeichen für seine Einträge (Gabs) zur Verfügung.

Vor kurzem begrüßte Torba die deutschsprachigen Nutzer (Gabber) persönlich. Anschließend gründete er einen eigenen Kanal #DeutschFam und installierte eine Übersetzungsfunktion. Sein Großvater, ergänzte er, sei zu „100 Prozent deutsch“. Mittlerweile kämen nach den USA die meisten Gabber aus Deutschland. Deutschland sei das am schnellsten wachsende Land auf Gab. Die JUNGE FREIHEIT hat mit Utsav Sanduja, dem Kommunikationschef von Gab, über die Plattform gesprochen.

Herr Sanduja, Gab wächst derzeit stark und ist vor allem bei deutschen Nutzern sehr beliebt? Was, glauben Sie, ist der Grund dafür?

Sanduja: Unsere Botschaft an die Deutschen ist ganz klar: Gab verteidigt Meinungsfreiheit, künstlerische Freiheit und politischen Widerspruch weltweit. Unsere Botschaft an die deutschen Mainstream-Politiker ist auch klar: Indem Sie die politische Rechte aus dem demokratischen Prozeß ausgeschlossen haben, kriminalisieren Sie eine ganze Bewegung und eine Gruppe von Menschen, die ansonsten Recht und Gesetz achten, Freiheit lieben, gläubig und patriotisch sind.

Nur durch freie Meinungsäußerung kann „Hate Speech“ bekämpft werden. Durch offenen und freien Diskurs wird Haßrede herausgefiltert. Zensur scheitert immer. Das konnten wir nicht zuletzt unter den Diktaturen von Adolf Hitler, Mao Tse-tung, dem Apartheidsregime in Südafrika oder der DDR beobachten.

Linkes Monopol brechen

Gab-Gründer Andrew Torba Foto: Gab.ai

Könnten Sie kurz beschreiben, worum es sich bei Gab handelt und wie es sich in der Zukunft entwickeln soll?

Sanduja: Gab ist ein soziales Netzwerk, bei dem der Nutzer pro Eintrag 300 Zeichen zur Verfügung hat. Dadurch soll ein geistreicher und gehaltvoller Diskurs in einer Microblogging-Subkultur sichergestellt werden. Das Rauf- oder Runterbewerten von Beiträgen ermöglicht, positive und negative Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

In Zukunft wird Gab sich in Richtung Journalismus orientieren. Dazu wurde Gab TV entwickelt. Dadurch planen wir, auch im Streaming-Geschäft aktiv zu werden. Zudem wollen wir Innovationen im Social Media Bereich vorantreiben und denen, die weltweit verfolgt werden, ein Forum bieten.

Was war der Anlaß, Gab zu gründen?

Sanduja: Andrew ist auf die Idee mit Gab gekommen, nachdem er über die Zensur konservativer Inhalte im Facebook Newsfeed gelesen hat. Ihm ist auch eine umfassende Zensur auf Reddit, Twitter und anderen Plattformen während des vergangenen Wahlkampfs in den USA aufgefallen.

Um es allgemeiner zu formulieren: Er bemerkte eine eindeutig links-progressive Agenda, die im Silicon Valley, wo er arbeitete, vorherrschte. Von da an war ihm klar: Dieses Monopol in der Technologieindustrie mußte zum Einsturz gebracht werden.

Wie finanziert sich Gab?

Sanduja: Gab finanziert sich über Spenden aus der Community und über unsere Premiummitgliedschaft, die es den Nutzern ermöglicht, Listen und Custom Feeds zu erstellen, andere Nutzer auf Basis gemeinsamer Interessen einzusortieren und seinen Account verifizieren zu lassen.

Außerdem kann man mit „Gab Pro“ noch mehr Dinge über die jeweiligen Gabber erfahren, zum Beispiel über was sie gerne posten. Man kann sich in private Gruppenchats begeben, Posts speichern und noch viel mehr.

Wir stellen die freie Rede über alles andere

Was ist der Unterschied zwischen Gab und Twitter?

Sanduja: Gab erlaubt seinen Nutzern mehr Kontrolle dadurch, daß sie zum Beispiel bestimmte Wörter, Hashtags oder andere Nutzer, die sie nicht sehen wollen, stumm schalten können. Dabei handelt es sich um eine Option, die Twitter erst Monate nach Gab angeboten hat. Gab ermöglicht seinen Nutzern auch, Inhalte zu ändern, nachdem sie gepostet wurden und stellt ihnen einen Liste zur Verfügung, in der alle Änderungen festgehalten werden.

Unser Menüpunkt „Kategorien“ hilft den Gabbern dabei, auf bestimmte Themen und Gruppen aufmerksam zu werden. Bearbeitungsprotokolle helfen bei schnellen Änderungen, wobei der Post an sich unangetastet bleibt.

Zudem sind Facebook und Twitter sehr von Werbung abhängig. Das ist der Kern ihres Geschäftsmodells. Ein Konzept, das sich allerdings in Zeiten von Adblockern sowohl in der mobilen, als auch in der Desktop-Version als nutzlos herausstellen wird. Außerdem glauben wir, daß die großen sozialen Netzwerke nicht für ihre Nutzer da sind, sondern sie im Gegenteil ausnutzen.

Die genannten Firmen verdienen Millionen mit ihrer Zeit, Kreativität und Energie. Gab wählt eine anderen Ansatz. Bei uns haben die Nutzer die Kontrolle über den Ausleseprozeß, also welche Posts trenden sollen und welche irrelevant sind. Bei uns stehen die Nutzer an erster Stelle, ihre Geschäfte und ihre Leidenschaft soll gestärkt werden. Und am allerwichtigsten: Wir stellen die freie Rede über alles andere.

Freiheit auch für politisch unkorrekter Meinung

Die deutsche Regierung versucht derzeit ein Gesetz zu erlassen, das Facebook und Twitter zwingen würde, alle Inhalte zu löschen, die die Regierung als Hate Speech einstuft. Wie würde Gab darauf reagieren?

Sanduja: Gabs Regeln für nichtamerikanische Nutzer sind einfach – sie müssen sich – genau wie im übrigen US-Bürger – an die Gesetze ihres jeweiligen Heimatlands halten. Das betrifft Verhaltensregeln im Netz, die Kommunikation und den Inhalt von Posts. Gab respektiert die Souveränität von Nationalstaaten und ihre jeweiligen Gesetze zur Online-Kommunikation. Ungeachtet dessen weisen wir Regierungen mit Nachdruck auf die Artikel 18, 19 und 20 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung hin.

Twitter hat zuletzt den Account von Kolja Bonke gesperrt, ein Nutzer, der unter deutschen Konservativen sehr beliebt war. Er hatte mehr als 12.000 Follower und twitterte hauptsächlich Polizeiberichte zu kriminellen Ausländern. Viele linke Nutzer beschwerten sich über ihn und verlangten von Twitter, ihn zu sperren. Wie hätte Gab in einem solchen Fall gehandelt?

Sanduja: Gab hätte das Recht auf freie Meinungsäußerung von Bonke geschützt, solange er mit seinem Verhalten nicht gegen deutsche Gesetze verstoßen hätte.

Welche Bedeutung hat Meinungsfreiheit für Gab?

Sanduja: Eine starke Demokratie achtet die Rechte von Minderheiten – und das schließt auch Personen mit politisch unkorrekter Meinung ein. Meinungen zu regulieren ist im Kern nichts anderes als der Versuch, Gedanken zu kontrollieren. Wenn Ideen nicht mehr ausgedrückt werden dürfen, dürfen sie irgendwann auch nicht mehr gedacht werden. Aus diesem Grund muß Redefreiheit bewahrt werden!

Gab ist mehr als ein Social-Media-Unternehmen. Gab versteht sich auch als ein Instrument für den Wandel, ein Medium, das die Verfolgten weltweit befreit, egal ob es sich dabei um die Buddhisten in Tibet, die Christen in Afrika, die Juden im Nahen Osten oder die Rechte des Künstlers handelt, der sich selbst ausdrücken will. Gab wird immer die Freie Meinungsäußerung hochhalten – weltweit. (Übersetzung: Thorsten Brückner)

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Utsav Sanduja

Utsav Sanduja Foto: privat

ist Kommunikationschef und Direktor für globale Angelegenheiten von Gab. Er ist verantwortlich für Gabs Rechtsabteilung, internationale Tätigkeiten und internationales Wachstum in Kooperation mit Gabs journalistischer Abteilung, Gab TV. Sanduja arbeitete als Politikberater für zahlreiche Bundes-, Provinz- und Kommunalpolitiker in Kanada, den Vereinigten Staaten und Indien.

Er war darüber hinaus als Berater für zahlreiche Nachrichtenredaktionen, Kanzleien, Nichtregierungs- und Wohltätigkeitsorganisationen tätig. Die meiste Zeit seiner beruflichen Laufbahn berichtete er als freier Journalist vom indischen Subkontinent, aus Eurasien und der Levante.

 

Das Gab-Logo als Piratenflagge: Der Meinungsfreiheit verschrieben Foto: Gab.ai

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