Twitter-Sperre für Kolja Bonke

Du kommst hier nicht (mehr) rein

BERLIN. Sein Fall scheint die Befürchtungen vieler Kritiker des geplanten Netzwerkdurchsetzungsgesetzes zu bestätigen. Dem Kampf gegen vermeintlichen Haß im Internet fallen auch solche Nutzer zum Opfer, die zwar politisch unbequeme Inhalte posten, nicht aber Hetze. Es geht um Kolja Bonke. Wie berichtet, wurde Bonkes Account vergangene Woche auf Twitter gesperrt.

Warum, ist nach wie vor unklar. Twitter wirft Bonke vor, er habe mehrere Accounts besessen, was dieser entschieden bestreitet. Haß hat Bonke nie verbreitet, sondern hauptsächlich Polizeimeldungen und Lokalnachrichten von und über Ausländerkriminalität, zumeist ergänzt durch eine ironische Kommentierung. Mehr als 12.000 Follower sammelt Bonke so in kurzer Zeit. Viele fanden bei ihm offenbar das, was sie bei anderen Medien vermißten, zum Beispiel Informationen über die Herkunft bestimmter Straftäter.

Twitter äußert sich zu Gründen nicht

Doch damit ist nun Schluß, zumindest auf Twitter. Denn die Sperrung Bonkes ist keine vorrübergehende. Twitter hatte bereits angekündigt, sollte Bonke sich einen neuen Account zulegen, auch diesen zu sperren. Und das Unternehmen scheint ernst zu machen. „Ich habe auf vielen verschiedenen Wegen testweise versucht, mich erneut bei Twitter anzumelden“, erzählt Bonke der JUNGEN FREIHEIT.

„Spätestens nach der Eingabe der Handynummer wurde der neue Account dann jedes Mal gesperrt. Selbst mit anderen Handynummern war sofort Schluß.“ Auch einen bereits bestehenden Account zu übernehmen, habe nicht funktioniert. „Da ich bei Twitter also nicht mehr erwünscht zu sein scheine, habe ich nun Exil bei GAB gefunden. Dort genieße ich die Freuden der freien Rede.“ Dies, betont Bonke, könne er auch allen anderen Twitter-Nutzern nur empfehlen.

Zu den Gründen, warum Twitter an der Sperrung Bonkes festhält, wollte sich der Kurzmitteilungsdienst nicht äußern. Sprecher Ian Plunkett sagte auf Anfrage der JF: „Wir äußern uns zu einzelnen Accounts aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen nicht.“ Das sei „langjährige Unternehmenspolitik“.

Türsteher vor einem Club: Kein Zutritt Foto: picture alliance/dpa

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