Minijob-Tweet

„Den Shitstorm hat Tauber sich selbst eingebrockt“

Seine Frage provozierte Peter Taubers Twitter-Gau: Als Mathias Baranyai wissen wollte, ob Vollbeschäftigung heiße, mit drei Minijobs über die Runden zu kommen, erwiderte der CDU-Generalsekretär: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs.“ Ein gigantischer Shitstorm samt Medienlawine war die Folge. Tauber ruderte zurück und entschuldigte sich. Die JUNGE FREIHEIT hat mit Baranyai über seinen Tweet gesprochen.

Sind Sie ein rechter Troll?

Mathias Baranyai: Nein, wer das behauptet, hat keine Ahnung. Wer meint, er könne aus dem, was ich bei Twitter schreibe oder like, schließen, ich sei irgendwie rechtspopulistisch, der kennt mich nicht. Ich sehe mich eigentlich in der Mitte verortet, aber wenn man seine Meinung eher auf Fakten gestützt äußert, und nicht auf einer korrekten Gesinnung, wird man eben schnell in die rechte Ecke gestellt.

Habe mich über Aussage geärgert

Warum twittern Sie anonym?

Baranyai: Das hat gar keine Versteckgründe. Wenn ich anonym bleiben wollte, würde ich kein Interview mit meinem Namen geben. Das hat praktische Gründe. Früher spielte die Namenslänge auf Twitter eine Rolle, da bei Antworten der Twittername des Nutzers von den 140 zur Verfügung stehenden Zeichen abgezogen wurde. Mein Vor- und Nachname haben zusammen 15 Zeichen, das wollte ich kürzen. Das war der einzige Grund.

Sie haben Tauber mit den drei Minijobs ja durchaus provoziert.

Baranyai: Ja, sicher ist bei vielem, was ich schreibe, eine kleine Provokation dabei, aber es ging mir in dieser Angelegenheit nicht um Herrn Tauber persönlich, oder um ihn vorzuführen. Ich habe mich einfach über seine Aussage geärgert, Vollbeschäftigung sei besser als soziale Gerechtigkeit.

SPD, Grüne und Linke scheinheilig

Warum?

Baranyai: Ich habe das Wahlprogramm der CDU in dem Punkt gelesen. Die CDU strebt Vollbeschäftigung an, aber sie sagt nicht, wie sie das erreichen will, sprich zu welchem Preis für die Arbeitnehmer. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erwerbstätigenquote zu erhöhen, aber es kommt dabei auch auf die Methode an.

Will man dafür den Kündigungsschutz lockern oder Gewerkschaftsrechte beschneiden? Will man Arbeitnehmer dazu zwingen, jeden Job in ganz Deutschland anzunehmen? Was ist dann mit Menschen, die an ihre Familie gebunden sind? Zu all dem sagt die CDU nichts.

Wie sehen Sie die Reaktion von Linken, Grünen und SPD auf Taubers Antwort?

Baranyai: Scheinheilig. Ich habe viele Kommentare von Grünen- und SPD-Politikern gelesen, zum Beispiel von Ralf Stegner. Die Wahrheit ist aber, auch sie haben keine Antworten und Lösungen. Auch sie haben keine Zukunftskonzepte. Auch sie versprechen bloß, sagen aber nicht, wie sie es schaffen wollen, daß mehr Leute zu einer Arbeit mit gerechtem Lohn kommen, von dem man auch anständig leben kann. Das gilt für alle Parteien, auch für die AfD.

Eine gute Ausbildung ist keine Job-Garantie

Der damalige SPD-Chef Kurt Beck hat 2006 einem Obdachlosen geraten, sich zu waschen und zu rasieren, dann bekomme er auch schnell einen Job …

Baranyai: Das ist doch im Grunde genommen nichts anderes, als Herr Tauber gesagt hat. Als ob es so einfach wäre. Haare schneiden, waschen und fertig ist der Job. Sicher erhöht ein ordentliches Äußeres die Chancen auf einen Arbeitsplatz, aber das ist noch lange keine Garantie. Es gibt genug Menschen, die haben kein ungepflegtes Äußeres und trotzdem keinen Job.

Hat Tauber denn nicht auch recht, daß eine gute Ausbildung die Chancen auf einen Job mit ordentlichem Gehalt verbessert?

Baranyai: Ich finde die Aussage anmaßend. Eine gute Ausbildung ist längst keine Garantie mehr für einen Job. Es gibt Berufe, die gelten zum Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns als das Highlight in der Arbeitswelt, als das unbedingt gebrauchte Nonplusultra. Und einige Jahre später gibt es dafür dann auf einmal keinen Bedarf mehr.

Dann bleibt nur noch die Fortbildung. Nur, das kann eben nicht jeder. Wenn beispielsweise eine Putzfrau durch einen Roboter ersetzt wird, entsteht zwar der Job des Wartungstechnikers von dem Roboter, den wird aber die Putzfrau wahrscheinlich nie besetzen können.

Antwort war eine Frechheit

Warum denken Sie, ist die Empörung, insbesondere bei Twitter, im Fall von Tauber so hoch gekocht?

Baranyai: Ich denke nicht, daß es an Herrn Tauber lag. Wenn jemand anderes eine solche arrogante Antwort gegeben hätte, wäre ihm die Empörung genauso entgegen geschlagen. Einfach, weil eine solche Aussage denjenigen gegenüber eine Frechheit ist, die jeden Tag aufstehen, hart arbeiten, um mit mehreren Minijobs gleichzeitig oder als Aufstocker über die Runden zu kommen.

Und denen dann zu sagen: „Hättest Du halt mal was anständiges gelernt …“ ist einfach ein Unding. Den Shitstorm hat Tauber sich selbst eingebrockt.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber erntete viel Kritik für seinen Tweet Foto: dpa/Twitter, Montage: JF

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