PARIS. Frankreichs Regierung hat erklärt, ein Auftrittsverbot für den US-Rapper Kanye West wegen seiner antisemitischen Aussagen anzustreben. Innenminister Laurent Nuñez sei „äußerst entschlossen“, sein Konzert zu verbieten und prüfe „alle Möglichkeiten“ dazu, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag unter Berufung auf Kreise seines Ressorts.
Der Musiker soll am 11. Juni in der südfranzösischen Stadt Marseille auftreten. Bürgermeister Benoît Payan hatte sich bereits Anfang März von der geplanten Veranstaltung distanziert. „Ich weigere mich, dass Marseille zur Bühne wird für Menschen, die Hass und enthemmten Nazismus propagieren“, schrieb der Ex-Sozialist auf dem Kurznachrichtendienst X.
Vergangene Woche hatte bereits die britische Regierung ein Einreiseverbot gegen West verhängt (JF berichtete). Aus Kreisen des Ressorts hieß es, seine Anwesenheit sei „nicht förderlich für das Gemeinwohl“. Kritik daran kam vom Chef der migrationskritischen Reform UK, Nigel Farage. „Wenn wir es den Menschen verbieten, ins Land einzureisen, weil wir ihre Aussagen nicht mögen, macht es mir Sorgen, wo das endet“, sagte er.
Kanye West distanziert sich inzwischen von seinen Aussagen
Infolge des Einreiseverbots wurde ein Londoner Hip-Hop-Festival gänzlich abgesagt. Zuvor hatte unter anderem die Gruppe „Campaign Against Antisemitism“ eine Massendemonstration gegen den Auftritt des US-Amerikaners dort angekündigt. Das Internationale Auschwitz-Komitee forderte unterdessen weitere Auftrittsverbote in Polen und Italien, wo er im Sommer auftreten soll.
West gilt mit fünf Singles und zehn aufeinanderfolgenden Alben auf Platz eins der Verkaufslisten der US-Musikzeitschrift Billboard als einer der erfolgreichsten Rapper der Geschichte. In den vergangenen Jahren hatte er jedoch Schlagzeilen wegen Aussagen gemacht, die das NS-Regime lobten und sich gegen Juden richteten. „Jeder Jude, der mit mir Geschäfte macht, muss wissen, dass ich Juden weder mag noch vertraue“, schrieb er noch im Februar 2025 auf X. Im Mai desselben Jahres veröffentlichte er das Lied „Heil Hitler“, das in Deutschland wegen volksverhetzender Inhalte und NS-Symbolik indiziert wurde. Zudem verkaufte seine Modemarke „Yeezy“ unter anderem T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck.
Im vergangenen Januar distanzierte sich West von seinen Aussagen. Er begründete diese mit seiner bipolaren Störung, die 2023 festgestellt worden war. „Ich habe den Kontakt zur Realität verloren“, schrieb er in einem Brief, der im Wall Street Journal veröffentlicht wurde. „Ich bedauere meine Handlungen in jenem Zustand zutiefst und schäme mich dafür; ich bin entschlossen, Verantwortung zu übernehmen, mich einer Therapie zu unterziehen und mich grundlegend zu ändern. Das entschuldigt jedoch nicht, was ich getan habe.“ (kuk)






