Im Grunde soll die Familie ersetzt werden

Geht es nach dem Staat, so möchte er am liebsten schon in den ersten drei Jahren den Eltern das Kind abnehmen und in die Kita verbringen. So jedenfalls der Eindruck. Er zahlt dafür je Kind 700 bis 800 Euro. Die meisten Eltern (65 Prozent) wollen dies jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie wollen ihr Kind lieber in den ersten drei Jahren selber betreuen. Um ihnen einen gewissen Ausgleich und Unterstützung zu gewähren, fordert die CSU monatlich 150 Euro Betreuungsgeld. Die SPD, Grüne und Linke lehnen dies ab. Die CDU ist gespalten. Die FDP will lieber Gutscheine verteilen, da sie Angst hat, das Bargeld könnte verludert werden.

Die Frage, die sich hier aufdrängt: Warum dann nicht auch Gutscheine statt Freibetrag bei den Steuern und Leistung von Kindergeld? Dahinter stehen  verschiedene Auffassungen von der Familie und ihrer Bedeutung für die Gesellschaft. Im Grunde soll durch die Kita die Familie in weiten Teilen ersetzt werden – wie das in der DDR der Fall war. Das kann jedoch nicht unser Anliegen sein. Dagegen sprechen zu viele Argumente.

So weiß die Wissenschaft von der Hirn- und Bindungsforschung, von der Pränatalpsychologie und der Entwicklung in den Babyjahren, daß die ersten drei Jahre entscheidend sind für das spätere Leben. In dieser Phase erwirbt das Kind die Daseinskompetenz, entsteht das „Humanvermögen“, wie der fünfte Familienbericht der Bundesregierung 1994 feststellt. Der Nobelpreisträger Gary Becker weist darauf hin, daß der Erwerb dieser Daseinskompetenz Vertrauen voraussetzt, welches am ehesten in den engen Bindungen innerhalb einer Familie gegeben ist. Robert Spaemann führt dazu aus: „Die Stiftung dieser Grunderfahrung – die Psychologie spricht von Urvertrauen – ist das Wichtigste, was Erziehung überhaupt leisten kann.“ Dieses Urvertrauen entsteht durch die Liebe der Eltern zu ihrem Kind, durch die Geborgenheit in dieser Beziehung.

 Die Betreuung in der Kita kann dies nicht leisten. Sie wäre überfordert. Die Familie ist gerade für das Kleinkind der beste Ort für das Wachstum. Sie ist nicht zu ersetzen. Diese Weisheit sollte die Politik nicht übergehen, vielmehr ihre Entscheidungen danach ausrichten. Es kommt in erster Linie nicht auf noch so viele Kita-Plätze an, sondern auf die Stärkung der Familien. Dagegen werden die Linken und Liberalen wettern, dies sei ein veraltetes Familienbild. Richtig ist, daß dieses Familienbild der Lebenserfahrung entspricht. Es bewährt sich jeden Tag. Es ist deshalb so alt wie jung.

Norbert Geis (CSU) ist Mitglied des Deutschen Bundestages.

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