Studiengebühren einführen?

Die meisten politischen Gruppen an den Universitäten haben sich bereits klar gegen jede Form von Studiengebühren ausgesprochen – ohne jedoch Alternativen aufzuzeigen. Allen ist längst klar, daß mehr Geld in Lehre und Forschung an den Hochschulen investiert werden muß, damit sich der Bildungsstandort Deutschland langfristig auf internationalem Niveau behaupten kann. Natürlich dürfen Studiengebühren nicht dazu mißbraucht werden, die Studenten zu schröpfen, um eine verfehlte Wirtschaftspolitik der Landesregierung zu kompensieren. Die Studierquote deutscher Abiturienten wird so nur weiter unter das Niveau anderer europäischer Länder sinken, da sich viele potentielle Studienbewerber aus wirtschaftlichen Gründen gegen ein Studium entscheiden werden. Die einzig sozialverträgliche Finanzierung ist aus meiner Sicht eine Abgabe, die erst nach Ende des Studiums und mit Aufnahme einer geregelten Tätigkeit entrichtet wird. Der Betroffene führt einen Anteil von zwei Prozent seines Bruttoeinkommens über einen Zeitraum von 10 Jahren an die jeweilige Hochschule ab. Dieses Geld wird dann in Forschung und Lehre vor Ort investiert. Im Gegensatz zu nachgelagerten Studiengebühren beginnen die Studenten ihr Berufsleben nicht mit einem Schuldenberg, sondern leisten entsprechend ihres Einkommens einen bestimmten Beitrag. Wer mehr verdient, zahlt dann gerechterweise entsprechend einen höheren Beitrag. Arbeitslose Akademiker werden so vor einer Zahlung verschont, so daß eine soziale Ausgewogenheit gewährleistet ist. Studenten aus einkommensschwachen Schichten werden auf diese Weise nicht vor der Aufnahme eines Studiums abgeschreckt. Dennoch steht den Hochschulen genügend Geld zur Verfügung, um die Betreuung und Ausbildung der Studenten zu verbessern. Alexander von Wrese ist stellvertretender Landesvorsitzender und Landesschatzmeister des Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender des RCDS Düsseldorf. Studiengebühren sind meines Erachtens nach eine ungerechte Überlegung, denn ein solcher Eingriff wäre schlichtweg nicht liberal. Liberal bedeutet, daß jeder die Freiheit hat, selbst zu entscheiden. Würde jedoch in einem solchen Entscheidungsprozeß der Faktor Studiengebühren mitbetrachtet werden, so könnten nur noch diejenigen entscheiden, für die diese zusätzlichen Kosten keine Hürde darstellen würden. Also würde durch Studiengebühren die Bevölkerung gespalten werden in diejenigen, die sich diese leisten können, und diejenigen, denen diese Mittel fehlen. Bildung würde dann der finanziellen und nicht unbedingt mehr der geistigen Elite zugängig sein. Wir, die Liberale Hochschulgruppe an der Freien Universität Berlin, wehren und setzen uns seit Jahren gegen Studiengebühren in jeder erdenklichen Form ein. Studiengebühren in der jetzig geplanten Form bringen den Studenten, die sie erbringen müssen, keinen Nutzen ein, da diese nur die öffentlichen Gelder ersetzen sollen, die nunmehr etliche Haushaltslöcher stopfen sollen. Also würden Fehler der Politik der vergangenen Jahre und Jahrzehnte auf Kosten der zukünftigen Studentinnen und Studenten gehen, was erneut ein Beweis dafür wäre, daß Staatsschulden das Prinzip der Generationengerechtigkeit verletzen. Mit welchem Recht müssen zukünftige Generationen für die Fehler vergangener bezahlen? Studiengebühren stellen heute schon den internationalen Standard dar. Diese werden in unseren europäischen Nachbarländern dafür eingesetzt, die Qualität der Bildung zu verbessern und nicht um öffentliche Gelder in Gänze zu ersetzen. Da deutschen Universitäten nach Einführung von Studiengebühren aber kein größerer Etat als bisher zu Verfügung stehen würde, würde hierzulande die Bildung dadurch nicht qualitativ hochwertiger werden. Tobias Hermes ist Vorsitzender der Liberalen Hochschulgruppe an der Freien Universität Berlin.

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