BERLIN. Die Bundestagsfraktion der Union hat Thorsten Frei (CDU) zu ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt. Der frühere Kanzleramtsminister wurde von den Abgeordneten der CDU und CSU mit 91,9 Prozent in sein Amt gewählt. Von den anwesenden 185 Fraktionsmitgliedern stimmten 170 mit „ja“. 15 stimmten gegen ihn. Insgesamt fehlten demnach 23 Abgeordnete bei der heutigen Abstimmung.
Herzlichen Glückwunsch, Thorsten Frei! 💐
Mit 91,9 % der Stimmen wurde @thorsten_frei zu unserem neuen #Fraktionsvorsitzenden gewählt. Wir wünschen ihm für seine neue Aufgabe viel #Erfolg und freuen uns auf die gemeinsame #Arbeit!
— CDU·CSU (@cducsubt) July 29, 2026
Prozentual liegt Frei damit vor Spahn, für den vergangenes Jahr 86,5 Prozent stimmten (JF berichtete). Das bisher schlechteste Resultat in diesem Jahrhundert erhielt 2017 Volker Kauder. Damals stimmten nach der Unions-Zählweise offiziell 77,3 Prozent für ihn.
Spahn trat als Fraktionsvorsitzender zurück
Der Wechsel des Fraktionsvorsitzenden ist Teil des Kabinettsumbaus (JF berichtete) von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Dieser folgte auf den Rücktritt des bisherigen Fraktionschefs Jens Spahn (CDU), nachdem dieser eine Leihmutter in den USA für sich ein Kind bekommen ließ (JF berichtete).
Allein deswegen forderten auch Unionspolitiker Konsequenzen für Spahn. Dazu kam, dass er in der Vergangenheit selbst Leihmutterschaften stark anprangerte, weswegen ihm Widersprüchlichkeit vorgeworfen wurde. Als Gesundheitsminister ließ sein Haus 2020 eine FDP-Forderung nach teilweiser Legalisierung zurückweisen. Begründet wurde dies damals unter anderem mit dem Kindeswohl.
Er selbst rechtfertigte seine Amtsniederlegung damit, dass sein Privatleben seinem politischen Amt diametral gegenüberstehe. Der „Spagat“ zwischen seiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der Erwartung an ihn als Fraktionsvorsitzenden sei größer geworden, als er es erwartet habe.
Entlassungswelle sorgt für parteiinternen Unmut
Zusätzlich zum Fraktionsvorsitzenden ließ Merz Minister und Staatssekretäre austauschen. Dieser Umgang löste bei vielen Unions-Abgeordneten Bestürzung und Empörung aus. Darüber hinaus hätten sich viele gefragt, ob der Kanzler nicht das falsche Signal an die Bevölkerung sende. Es sehe durch das „Feuern und Heuern“ so aus, als ob nur die CDU Verantwortung für das miserable Erscheinungsbild der Regierung trage – da von der Entlassungswelle kein SPD-Politiker betroffen war.

Besonders die Entlassung des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (CDU) sorgte in den vergangenen Tagen innerhalb der Union für Streitigkeiten. Die CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz etwa sagte ein bereits vereinbartes Treffen mit dem Kanzler wieder ab. Grund dafür sei das fehlende „Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung“.
Der Landesvorsitzende der Bremer CDU, Heiko Strohmann, bestätigte eine „katastrophale Stimmung“ innerhalb der Partei. „Viele Mitglieder sind unzufrieden mit dem Kanzler“, sagte er gegenüber dem Tagesspiegel. Merz hole viele CDU-Politiker nicht ab, weil er seine Politik zu wenig erkläre. „Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz in seinem Urlaub in sich geht.“
Unmut seit längerem in der CDU
Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass Abgeordnete schon seit Monaten über den Kanzler lästern. Die chaotische Regierungsumbildung habe lediglich den Unmut bei nicht wenigen in Wut umgewandelt.
In Chatgruppen schickten sich Fraktionsmitglieder sarkastisch Videos von Loriot und seinem Sketch „Das Bild hängt schief“ herum. In dem Video wartet ein Mann in einem Raum, in dem ein Bild schief hängt. Er stört sich daran, und am Ende hat er den ganzen Raum verwüstet. Damit sei Merz gemeint, der mit der Kabinettsumbildung an einer Stellschraube drehen wollte, letztlich aber die CDU in eine große Krise stürzte. (mas)





